Jahrgang 
1857
Seite
559
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den Urſprung der cyclopiſchenHeidenmauer, die ſich, bloß durch die Centnerſchwere der Steine gehalten, um unſern mächtig vorſpringenden Standpunkt herum zieht und einſt,

wie die zerſtreuten Reſte zeigen, von da nach rechts und links

um das Plateau gezogen haben muß ein Ring von einer Stunde im Durchmeſſer. Und da würde ſie der Eine den Römern, der Andere den Galliern, ein Dritter Beiden ge⸗ meinſam vindiziren, und wenn ich dann vollends an Schöpf⸗

lin's auf anderweitige Mauerreſte etwas wackelig geſtützte

Vermuthung erinnerte, daß die ganze Gebirgskette vielleicht Eine rieſige Schutzmauer Gallien's gegen die Germanen ge⸗ krönt habe: da nähme das Hin⸗ und Wiederreden nach deutſcher Art kein Ende und wir vergäßen wohl ganz und gar, daß wir noch ein großes Gebiet zu durchſtreifen haben. Bieten wir alſo der 1⸗ Verſuchung lieber gleich Trotz! Gehn wir nicht links den Berg hinauf, ſondernrechts in'sKlin⸗ genthal, in dem nicht mehr, wie früher, für kö⸗ nigliche Rechnung Klin⸗ gen geſchmiedet werden, und wenn wir in das Oertchen gleichen Na⸗ mens kommen, das an⸗ muthig genug in enger, waldumſchatteter Schlucht liegt, ſo wen⸗ denwiruns wieder rechts den Berg hinan zu dem einſamen Förſterhauſe je auf derWolfsſchlucht.))* Die gute, faſt erblindete Alte dort, die das halbe Elſaß mit jungen För⸗ ſtern und Förſterinnen verſorgt hat, giebt uns, das weiß ich, eine Rahm⸗ ſuppe mit Eierkuchen, ein Schlaftrünklein vom al⸗ lerbeſten Kirſchwaſſer ei⸗ gener Zucht und ein ſau⸗ beres Nachtquartier. Zum Ruhen aber iſt das Häuslein in dem weiten ʒu, ſtillen Hochlande, das aus

am Fuße des Dreiſpitz, das ein Kranz von mitunter präch⸗ tigen Landhäuſern der Straßburger umgiebt, und von dort links iin die Berge, die Breuſch hinauf zum weltberühmten Steinthal(Ban de la Roche) der Weg führt über Mutzig, das wohl dem Reim zu Liebe! leidlich ſchmutzig zwiſchen fruchtbaren Vorhügeln eingeklemmt liegt, übrigens eine bedeutende Waffenfabrik beſitzt und trotz alles profanen Lärms, den es verurſacht, taatäglich von einer Wallfahrtskapelle, demheiligen Häuschen angelächelt wird, die ſich am Abhange gegenüber verſchämt in einen Laubmantel zu hüllen ſtrebt. Wer da einlenken will in das wilde, wüſte Seitenthal von Haslach, das mit ſeiner ſehr heruntergekommenen Kirche, als angeblichem Werke von Erwin von Steinbach's Sohne prangt, der ge⸗ langt auch zu dem elſäſ⸗ ſiſchen Niagara, dem 100 Fuß hohen Nidecker Waſſerfall, der, wenn auch in der Regel kein Waſſer, ſo doch die gute Eigenſchaft hat, durch ſeinen Namen anBurg Nideck zu erinnern, die ſammt der Rieſentochter und ihrem humanen Va⸗ terder Sage wohlbe⸗ kannt iſt. Das Breuſch⸗ thal ſelbſt jedoch führt über Urmatt, wo das verzweifelte Kauder⸗ wälſch beginnt, nach Fouday(Urbach) und Waldersbach, Belmont und Bellefosse und der darüberliegenden Ruine der Stein(la Roche), d. h. in das geſuchte Steinthal.

In dieſes baumloſe, unendlich öde, ſteinigfel⸗ ſige Thal⸗ und Hügelland habe ich den Leſer nur

W hergeführt, damit er ſtaunend verehre nicht was die unbewußte Na⸗ tur, ſondern was der be⸗

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wußte Geiſt zu ſchaffen der Ferne behütet wird vermocht hat, der Men⸗ von den Ruinen des in Die Veitshöhle. ſchengeiſt, der Geiſt eines

ſchöneren Tagen Ro⸗ han'ſchen Schloſſes Girbaden, wie gemacht.

Von der Wolfsſchlucht führt eine hübſche Straße hinab gen Rosheim, eine einſtige Reichsſtadt, die der furchtbare

Mansfelder 1622 größtentheils in Aſche legen, ihre Be⸗

wohner aber, über die Klinge ſpringen ließ, weil ſie ihn wahrer, als klug und fromm geſprochen einen Baſtard genannt. Mauern und Befeſtigungswerke hat das freund⸗ liche Städtchen jetzt wieder; zwei hochgethürmte Thore theilen es ſogar in drei Theile, von denen der mittlere die neue Peter⸗ und Pauls⸗, der untere die ſehr alte, in Form eines lateiniſchen Kreuzes gebaute romaniſche Stephans⸗ kirche mit ihrem jüngeren, oben achteckigen Thurme umſchließt.

Weiter, durchs wellenförmige Gefild, nach Dorlisheim

Mannes: des guten, gro⸗ ßenPapa Oberlin. Seit dreißig Jahren ruhter in Frieden auf dem Todtenacker von Urbach, aber ſein Andenken lebt und wird leben, ſo lange noch Ein Weſen empfänglich iſt für die wahre, die ſtille Größe. 1740 in Straßburg geboren, war der ſanfte Mann ſeltſamer Weiſe einmal im Be⸗ griffe, Soldat zu werden, ſtudierte aber zum Glück Theo⸗ logie und kam 1767 als Pfarrer hierher, um ſein heiliges Amt 59 Jahre hindurch wie ein echter Bote des Herrn zu verwalten. Mit unabläſſigem Eifer, durch die ſelbſtver⸗ geſſenſte Hingabe hob er eine moraliſch und materiell ver⸗ kommene, ja halbverthierte Bevölkerung zu innerem und äußerem Wohlſtande. Religion und Sittlichkeit, geiſtige Bildung in beſcheidenen Grenzen und rationellen Betrieb