Jahrgang 
1857
Seite
558
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manches Stück Gold hing, der willkommenſte Fund der Gegend und nach kurzem Ueberlegen war er entſchloſſen, ihn mitzunehmen und gehörig in ſeine ferne häusliche Schmelze zu bringen. Vrone fand den Vorſchlag des hübſchen redfertigen Fremden, ihn zu heirathen und mit ihm in die Stadt zu ziehen, gar nicht übel und nach einigem Bedenken verkaufte ſie Haus und Hof, nahm ihr baares Geld zuſammen und reiſte mit dem künftigen Ehgemahl triumphirend in die Ferne, da es ihr nun doch gelungen war, einen Hochgeſtellten und von aller Welt charmant gefundenen Mann erobert zu haben. Hinter Vrone's Abfahrt ſchlug es denn auch wie ein geheimnißvolles Thor zuſammen und weder mündliche noch ſchriftliche Nachrichten gaben ferner Kunde, wie und wo das wun⸗ derliche Weſen eigentlich lebe?.. Erſt nach vielen Jahren, wo manche Augenzeugen ihres früheren Lebens ſchon ge⸗ ſtorben waren, wurde auf ſchlechtem mühſamen Fuhrwerk eines Tages gealtert und krank eine Frau in's Dorf her⸗ eingefahren, welche bei dem Richter fragen ließ, ob eine Wohnung für ſie aufzufinden ſei? Man wies ſie vor das Häuschen der kurz zuvor verſtorbenen Walpurg, welches die Gemeinde gekauft und noch nicht vermiethet hatte und Vrone, von dieſem Zufall nicht abgeſchreckt, ſondern wie von einer guten Vorbedeutung froh erſchüttert, nahm jetzt in dem Häuschen ihre Wohnung, wo einſt ihr Ambros gelebt und gab ſich nun erſt zu erkennen. Das Aufſehen war groß und manche tiefe Lehre zog Mancher für ſich und ſeine Kinder aus dem Lebensfalle. Vrone aber, die

noch ein Kleintheil ihres einſtigen Vermögens gerettet hatte, kaufte nun das Häuschen und begann ein hartes, einſames, bußhaftes und gebetreiches Leben, welches ſie fortführt bis zu dieſem Tage. Ueber ihren Herrn Ge⸗ mahl hat bisher Niemand was erfahren; indeſſen ſcheint es mehr als glaublich, daß der ſaubere Geſelle das un glückſelige Weſen in die weite Welt geführt und in Zer ſtreuungen und Genüſſen herumgeſchleppt hat, bis ihr Vermögen verpraßt und ihre ſchönſte Jugend verblaßt war, worauf er ſie einfach verließ und ihrem elenden Schickſale preisgab. Wer weiß, wie lang die Jammernde kämpfte, bis ſie von dumpfer Sehnſucht getrieben den Entſchluß heimzukehren faßte; es war ein ſchwerer Ent⸗ ſchluß aber die Heimath, die Heimath iſt ja oft das einzige heilige Plätzchen noch, wo ein wundes reuevolles Herz Geneſung finden kann! Auf dem Grab der Eltern ſollten ihre Seufzer und Gebete beſſer wirken; in der Heimath, wo ſie einſt ſo übles Beiſpiel gab, konnte ihr

Bild der Reue manches Herz auch wieder rühren und ver

ſöhnen. Und ſo iſt ſie wieder hier und trägt's mit wür diger Geduld, wenn man ſie mit Scheu und Mitleid die Stadt⸗Frohne nennt, als abſchreckendes Beiſpiel, wie man der bloßen Eitelkeit wegen die Kinder nicht mit Ge⸗ walt in die Städtefrohnen ſoll, um ſie mit Luxus und ein wenig äußern Formen bekannt zu machen. Denn hoch ſteht nur der gebildete und fleißige Städter wie auch der Landbewohner da, wenn er ganz iſt, was er ſoll doch was dazwiſchen liegt, die Halben, taugen ſelten viel.

Bilder aus den deutſchen Gauen. IV. Das Eſſaß.

Von Albert Grün.

II.

(Fortſetzung.)

Stiegen wir, obgleich der bleichen Luna Sol ſchon weicht, die alte Römerſtraße, denHeidenweg hinan, ſo würden wir zweifelsohne eine romantiſche Nacht erleben. Aus dem Dunkel des Waldes träten wir nach etwa andert⸗ halb Stunden auf die lichte Höhe, ſchritten in Fouqué'ſcher Stimmung durch den Thorweg zwiſchen Stallung und Wirthſchaftsgebäuden in den von gewaltigen Bäumen be⸗ ſchatteten Hof und lagerten uns, Kirche und Kloſtergebäude zur Rechten, die hangende Kapelle zur Linken laſſend, wie vor Zeit Karls des Großen Hausfrau und Richard Löwen⸗ herz und ſo mancher königliche Gaſt auf den nordöſtlichen Vorſprung der Felſenmaſſe, auf der das Ganze ruht. Hei⸗

liger Jean Paul, ließe ſich da träumen und Verſe ſtrecken!

Ueber das tiefverfallene Stift Niedermünſter und den präch⸗ tigen Hochwald hinaus wallte der Blick an der Kloſterruine von Truttenhauſen(Druidenhauſen?) und den rebengeſeg⸗ neten Hügeln von Heiligenſtein vorbei die ruhende Ebene auf und ab oder heftete ſich ſehnſüchtig an den vom Monde ſanft beglänzten Schwarzwald; von den rings im Dickicht verſteckten Waldſchlöſſern wehte es herüber, wie leiſer Har⸗ fenklang und Minneſang; dicht umſchwebte uns der edle Geiſt jener Herrad von Landsperg, die, Frömmigkeit und Ignoranz ſchon vor ſiebenhundert Jahren unterſcheidend, zu würdiger Unterhaltung der Kloſterfrauen hier ihre Blu⸗

menleſe aus den Werken der Dichter und Denker, in Wahr⸗ heit einenHortus deliciarum zuſammenſchrieb, und drinnen im Herzen würde es wogen und Wellen ſchlagen, daß uns die Tropfen bis an die Augenwand ſpritzten. Dann kehrten wir ein bei den Nonnen, die zur Wartung und Spei⸗ ſung der Müden auch heuer wieder da wohnen, und ließen uns von dem Wenigen bringen, was Küche und Keller bieten. Die Eine oder Andre erzählte uns wohl von dem eiskalten Brunnen am Abhange: wie die Heilige eine Quelle aus dem Felſen geſchlagen, um einen verdurſteten Pilger neu zu beleben, und wie ſich das Waſſer laut der unzähligen Ex⸗Voto's am Altare als ebenſo augenheilkräftig erwieſen, wie man's von dem Freiburger nur behaupte, und wenn wir ſie oft und öfter gähnen ſähen, bäten wir, uns den Weg zu zeigen durch die langen, hallenden Gänge zu der klöſter⸗ lich einfachen Schlafzelle. Da träumten wir dann, wachend oder ſchlafend, weiter bis zum Sonnenaufgang, rafften uns empor und folgten friſch und heiter der leiſe anſteigenden Bergfirſt bis zum Mennelſtein, wo uns, umglitzernd im luſtigen Morgenlichte, über die mürriſchen Trümmer von Landsberg die 20 Städte und 300 Dörfer entgegenlachten, die ein Autor von hier aus zwiſchen Jura, Schwarzwald und Wasgau gezählt haben will. Und wenn uns der ſtei⸗ gende Morgen immer kritiſcher ſtimmte, ſo ſtritten wir über