bewundernswerthe Weiſe, und die Wirthin blieb mit ihrem Danke nicht zurück, indem ſie ihre Küche reichlicher verſah. Es dauerte nicht lange, ſo drehten ſich die De⸗ batten meiſtens nur um pikante Liebes⸗ und Heirathsan⸗ gelegenheiten, und die alte Wetterſtange, die Lebberin, merkte kaum, daß ihre Kupplerwaare reißend abging, als ſie ihr in Kurzem den ganzen Plaudermarkt ausſchließlich zu erobern ſtrebte.
Hatte die Vrone eine Weile dieſen Zuträgereien nur im Allgemeinen ihre Aufmerkſamkeit gewidmet, ſo wurde ſie doch bald auch in höchſt perſönlicher Weiſe davon be⸗ rührt, indem es ihr nicht gleichgiltig bleiben konnte, wenn z. B. eine und die andere ihrer Jugendgenoſſinnen eine beſonders glückliche Ehe einging. Vrone hatte dabei immer das Gefühl, als würde ihr unverſchämter Weiſe der Rang abgelaufen, als benützten Andere die Zeit ihrer Zurückgezogenheit, um ihr alle guten Partien, auf die ſie ihres Reichthums wegen eigentlich allein Anſpruch hätte, zu entreißen.
„Ich will ihnen zeigen, daß ich auch noch da bin,“ rief ſie daher eines Tages bei einer neuen Hiobspoſt. „Ich will doch ſehen, wer mir vorgeht, wenn ich wieder auftreten und zugreifen will!“
Sie zog daher von dieſem Tage an einige der ge⸗ wandteſten Zuträgerinnen in's Vertrauen und ließ in be⸗ dachtſamer Weiſe unter die Leute bringen, daß die Gold⸗ Gruber⸗Vrone ſich, wie man glaube, doch endlich wieder zu einer Heirath dürfte überreden laſſen.
Dieſe flüchtige Kunde ſollte nur in Umlauf geſetzt werden, um einige der beſten Heirathskandidaten(bäuer lichen Standes) ſtutzig zu machen und zu veranlaſſen, ſich für die Vrone ſo lange in Sicht zu halten, bis ſie die Gewißheit erlangt haben würde, ob es ihr nicht dennoch
gelingen möchte, durch ihr Geld und ihr Geſicht bei einem Höhergeſtellten unter die Haube zu kommen. Denn nichts
Geringeres als dieſes glänzende Ziel hatte ſie wieder vor Augen, aus dem einfachen Grunde, weil ſie durch eine vornehmere Stellung ihre früheren Sünden am beſten
vor der Welt vergeſſen zu machen und an ihrem Bräuti⸗
gam, der ſie unter ſo erſchwerenden Umſtänden verlaſſen, ſich zu rächen hoffte.
Aber dieſes hohe Ziel ihrer Selbſtſucht konnte ihr unmöglich lange als erreichbar im Sinne liegen, da Er⸗ kundigungen und Anfragen ſehr kurz und bündig erwie⸗ dert wurden. lich nichts Beſſeres übrig, als ihr bäuerliches Blut dem bäuerlichen Herde zu erhalten. Eines Tages merkte man
mit Erſtaunen, daß die Vrone Gruber ihre Stadtkleider wieder ablegte und in ländlicher Tracht auf Wieſe und Sie zeigte damit deutlich genug an, daß
Feld erſchien. ſie alle herrſchaftsmäßigen Eitelkeiten abgelegt und auf ihrem elterlichen Gute als ſchlichte Hausfrau zu leben und wirken gedenke. Aber merkwürdiger Weiſe drehte jetzt das Volk ſeine Meinung um und nachdem es früher geſagt hatte:„Hinter dem Stadtkleide ſteckt doch immer die Bäuerin;“ ſagte es jetzt:„Hinter dem Bauernrock iſt doch die Stadtdame ſtecken geblieben!“ Vrone mußte alſo den Schmerz und Verdruß erleben, daß außer eini⸗ gen unbedeutenden Anträgen, die noch dazu, als koſteten ſie der öffentlichen Meinung gegenüber große Selbſt überwindung, bei Nacht und Nebel gemacht wurden, kein irgend angeſehener Bauernburſch ſich melden ließ!
Dieſer Schmerz und Verdruß durfte nicht ruhig er⸗ tragen werden, es mußte Genugthuung an der ganzen
Nach dieſen Erfahrungen blieb dann frei⸗
Nachbarſchaft genommen werden. Vrone beſchloß daher jetzt, theils um eine frühere Schuld abzutragen, theils um die wohlhabenden Familien zu ärgern, ſich einen ganz un⸗ bemittelten Mann zu nehmen, und dieſer mit beſonderem Bedacht hervorgeſuchte Mann ſollte kein Anderer ſein, als ihr früherer Geliebter— Ambros!
Ja, ihn— den ſie ſeit ſeiner Befreiung immer mit tiefer Scheu gemieden, den ſie aber noch immer nicht ohne Neigung ſehen konnte— ihn wollte ſie jetzt durch alle Mittel der Begütigung wieder verſöhnen, und wenn ihr das gelänge, wirklich heirathen!..
Eines Tages, da die alte Walpurg eben in ihrem Stübchen ſtill für ſich arbeitete, ging daher die Thüre auf und Vrone, ſauber geputzt, trat pochenden Herzens herein.
Die Walpurg glaubte vor Ueberraſchung vom Schlag gerührt zu werden, ſie mußte ſich ſetzen und konnte nur ſprachlos auf die Erſcheinung ſtarren.
„Guten Tag,“ ſagte die Vrone, trotz des Empfangs, den ſie nicht anders erwartet hatte, lebhaft und aufge⸗ weckt,„fleißig, fleißig, liebe Baſe?“
Die Walpurg zuckte mit beiden Schultern ein wenig, als wollte ſie ſagen:„Schlechter Fleiß, wenn's ſein muß — Dank für die Nachfrage!“
Vertraulicher und von innerer Haſt zu raſchem Vor⸗ gehen gedrungen, trat die Beſuchende näher, ließ ſich auf einen Lehnſtuhl nieder und fuhr dann fort:
„Man ſieht Euch ja kaum, wenn nicht Sonntags ein⸗ mal von der Ferne— Ihr ſeht wundergut aus, Ihr werdet noch lange leben, Ihr werdet ja immer jünger!“
Die Walpurg konnte ſich eines leichten zufriedenen Lächelns nicht erwehren, die Worte waren zu artig und lieb geſprochen, und am Ende hatte die Vrone doch ihre großen Zeiten gehabt;— die Walpurg fand daher ihre Sprache wieder und ſagte:
„Man muß es nehmen, wie's der Herr giebt, ich bin, Gott ſei Dank, wirklich noch ein wenig nütze!“
„Nur ein wenig, liebe Walpurg? Nein, viel nütze, recht ſehr viel!“ griff ihr die Vrone haſtig in's Wort.— „Ach, ich wollt' ich hätte jetzt auch ſo eine Baſe wie Ihr ſeid— ich wäre glücklicher dran!“
„Nun, wer weiß, wer weiß,“ proteſtirte die Walpurg leiſe.
„Gewiß, gewiß, Baſe— und wenn ich wüßte, wie man Euch gewinnen könnte, ich würde Alles thun, um Euch bei mir zu haben; ich brauchte dann ſonſt keinen Schutzengel!“ 5
„Wie Du redeſt, Vrone; das ſind ſtudirte Worte, Kind, oder die Welt macht Dich ſchlimmer als Du biſt!“
Die Vrone erſah den Augenblick als geeignet, den Ruf ihres Herzens zu verbeſſern, ſchlug die Schürze über die Augen und zuckte mit den Schultern:
„Ich habe viel gefehlt, Baſe,“ ſagte ſie ſchluchzend, „aber ich bin nicht Alles, was die Leute von mir ſagen!“
„Nun, nun,“ meinte die Walpurg mit Theilnahme, „das Leben iſt lang und gute Sitten und Reue können viel bei unſerm Herrn; ſei ſtandhaft und führ's hinaus!“
„Das iſt leicht geſagt, Baſe,“ fuhr die Vrone fort, die Schürze wieder vom Angeſicht nehmend,„führ's hin⸗ aus, ſo verlaſſen und ſo mutterſeelenallein und mit einer großen Wirthſchaft auf dem Halſe!“
„Nun... dann mußt Du heirathen, Vrone, mußt einen Mann heirathen, der Dir paßt und Dir in dem
Haushalt recht zur Hand iſt!“
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