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gtrirtes Volls- uncj Familienbla
6 S 82 7
tt.
1857
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Durch alle Buchhandlungen und Poſtämter für 12 ½ Ngr. vierteljährlich zu beziehen.
Inbalt: Die Stadt⸗Frohne. Erzählung von Joſef Rank.(Schluß.)
Bilder aus den deutſchen Gauen. IV. Das Elſaß. Von Albert Grün.
II.(Fortſetzung.)— Volkswirthſchaftliche Skizzen. Von Sch ulze⸗Delitzſch. VI.— Aus der Krankenſtube. III. Die Schwindſucht.(Schluß.)— Der Fortzug der Vögel im Herbſte.(Schluß.)— Aus dem Weltleben.— Was beliebt: Handelspolitiſche Stellung Deutſchlands im Mittel⸗ alter.— Die ſlaviſch⸗deutſche Brüderlichkeit und die Weimarer Hofräthe.— Deutſche Flüchtlings⸗Expektoration über England.— Die fürſtlichen Neophyten des Ruſſenthums.— Ein Spanier über die Jeſuiten.— Ueber die Verwaltung Oſtindiens.
Die„Stadt-Frahne“.
Eine Erzählung von Joſef Nank.
(Schluß.)
VII.
Wenn unſern begangenen Fehlern eine unverhältniß⸗ mäßig harte Strafe folgt, ſo iſt die Mitwelt, namentlich im erſten Anlauf der Theilnahme, gern bereit, unſere Vergehen ganz zu vergeſſen und nur die Härte der Strafe im Auge zu behalten; ja es kann geſchehen, daß ein Schul⸗
diger in dieſem Falle Zeichen von Aufmerkſamkeit und
Liebe erntet, wie er ſie, wenn er ohne Schuld geblie⸗ ben wäre, nie erhalten hätte. Iſt der Schuldige dann auch noch wirklich gebeugt und wachſam genug, um die alten Fehler abzulegen und neue nicht wieder zu bege⸗ hen, ſo kann er darauf rechnen, daß man ſeiner Ver⸗ gehungen auch ſpäter nur milde und ſchonend gedenken werde.
In dieſem Falle befand ſich die Vrone Gruber jetzt.
Der furchtbare Schlag, daß ihr an demſelben Tage, an welchem ihr Leichtſinn und ihre Treuloſigkeiten enthüllt wurden, nicht allein ihre Ehre und die ganze Herrlichkeit ihres äußeren Glückes zerſtört, ſondern auch noch Vater und Mutter durch den Tod entriſſen wurden, traf in der That zugleich jedes fühlende Herz empfindlich genug, um dieſe Strafe viel zu hart zu finden. Unter ſolchen Um⸗
troffenen mit Troſt und Hilfe in jeder Weiſe beigeſprun⸗
tief und nachhaltig ſchienen und ein würdiges Leben für
die Zukunft in Ausſicht ſtellten.
Es wäre alſo nur darauf angekommen, daß die Vrone von jetzt an ein neues Leben begonnen und beharrlich fortgeſetzt hätte, um ihre Stellung zur Mitwelt nach und nach wieder erträglich, ja ehrenvoll zu geſtalten; und es ſchien auch wirklich eine Zeit lang, daß die Schwerge⸗ prüfte dieſer guten Richtung folgen würde. Denn ſtille und zurückgezogen, mäßig in Speis und Trank, ſtets be⸗ ſchäftigt und höchſt einfach gekleidet, lebte ſie ein waͤhr⸗ haft klöſterliches Leben für ſich hin, und verſäumte nicht, der Eltern mit Thränen und Gebet zu gedenken und ihre Gräber fleißig zu beſuchen. Aber nach und nach ſchien ihr doch die rechte Kraft und Tiefe zu mangeln, dieſe Lebensweiſe ſtandhaft fortzuſetzen, ihr jugendliches Weſen kam jetzt wie aus langer Lähmung wieder zu ſich und verlangte heftig nach Zerſtreuung und Genüſſen. Zu dieſen glaubte ſie ſich um ſo mehr berufen, als ſie ſeit dem Tode der Eltern im Beſitz des Hofes und ſämmt⸗ lichen Geldes derſelben war. Sie begann alſo damit, daß ſie ſich aus keineswegs wohlgeprüften Weibern des Dorfes eine Geſellſchaft zuſammenſuchte, die an gewiſſen
ſtänden darf es denn nicht wundern, daß der Schwerge⸗ Abenden ſich bei ihr verſammelte, mit Kuchen und Kaffee
bewirthet wurde und dafür allen Klatſch, der in der Ge⸗
gen und Beweiſe aufrichtiger Liebe gegeben wurden, um gend umlief, ſo friſch als möglich aufzutiſchen hatte.
ſo mehr, als der Schmerz und die Reue der Schuldigen!
Dieſe Aufgabe erfüllte denn das Schnattergremium auf


