Jahrgang 
1857
Seite
554
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perſiſcher Dolmetſcher des Generals Pollock nahm er an der Schlacht von Mamu Keil und an dem zweiten Treffen von Teſin Theil, Hierauf rückte er in's Cohiſtan ein und zeichnete ſich in dem glänzenden Gefecht von Iſtaliff aus. Im darauffolgenden Jahre wurde er zum Regimentsmajor befördert und dem Ge⸗ neraliſſimus Sir Hugh Gough als perſiſcher Dolmetſcher zuge⸗ theilt. Gegen Ende des Jahres 1843 rückte er mit der Armee nach Gwalior und machte die Schlacht von Maharadſchpur mit. Darauf erhielt er das Brevet als Oberſtlieutenant. Im Jahr 1845 rückte er mit der Armee aus den Angriff der Sikhs abzu⸗ ſchlagen und nahm thätigen Antheil an den Schlachten von Mudki, Ferozeſchah und Sobraon. Bei Mudki wurden ihm zwei Pferde unter dem Leib erſchoſſen; ein drittes Pferd wurde ihm bei Sobraon von einer Kanonenkugel entzweigeriſſen. Nach Beendigung des Sutledſch⸗Feldzugs wurde er zum ſtellvertre⸗ tenden Generaladjutanten der königlichen Truppen in Bombay⸗ ernannt. Nach 25jährigem ununterbrochenem und anſtrengen⸗ dem Dienſt riethen ihm die Aerzte 1849 nach England zu gehen und ſeine Geſundheit wieder herzuſtellen. 1851 kehrte er zurück, wurde Oberſt und Generaladjutant der indiſchen Truppen, be⸗ fehligte im letzten perſiſchen Feldzug die Truppen bei Moham⸗ merah, und wurde gleich nach ſeiner Ankunft in Calkutta, nach dem Abſchluß des Friedens mit Perſien, als Brigadegeneral nach Allahabad geſandt um die mobile Colonne zu befehligen, mit der er das Scheuſal Nena Sahib in drei Treffen geſchlagen hat. Das iſt, wie ſein Leben zeigt, allerdings ein Mann, von dem eine beſſere Wendung der britiſchen Angelegenheiten in Hindoſtan ausgehen könnte, wenn ihn nicht die augenblickliche Ungunſt des Geſchicks, die ihm auf einem ruhmvoll begonnenen Siegeslauf Halt gebot, vor der Zeit hinrafft. In dieſem Fall würde England vielleicht den ſchwerſten Verluſt zu beklagen haben.

DerCompaß, eine ſeit dieſem Jahre in Hamburg erſchei⸗ nende Wochenſchrift, bezeichnet es in einem Leitartikel als die Bedeutung der Stuttgarter Zuſammenkunft, daß der Despotis⸗ mus des Oſtens und des Weſtens ſich die Hand reiche; der des Oſtens ſei dem deutſchen Volke gefährlicher als der des Weſtens, weil er tiefere Wurzeln in Deutſchland geſchlagen, am gefähr⸗ lichſten aber ſei die Allianz beider. Damit wird man wohl ein⸗ verſtanden ſein können. Die praktiſchen Schlüſſe daraus ſind nicht eben ſchwer zu ziehen. Es folgt daraus nicht bloß, daß man ſowohl dem franzöſiſchen als dem ruſſiſchen Einfluß in Deutſchland mit allen den Mitteln, welche dem Einzelnen und Allen gemeinſchaftlich zur Verfügung ſtehen, entgegen arbeiten ſoll, ſondern es folgt daraus noch weiter, daß, indem man das Selbſtgefühl der Nation am Gegenſatz gegen die eine Macht hebt und ſtärkt, man auch dem Einfluß der anderen einen tödtlichen Schlag verſetzt. Ganz andre Schlüſſe zieht freilich derCompaß aus ſeiner Unterſcheidung zwiſchen der größeren und kleineren Gefahr des ruſſiſchen und des franzöſiſchen Einfluſſes in Deutſch⸗ land. Daraus, daß der Einfluß Rußlands tiefer ſitzt und ge⸗ fährlicher erſcheint, folgert er, daß man ſich um den franzöſiſchen gar nicht kümmern ſolle. Denn er verhöhnt als ſchwachköpfig oder heuchleriſch alle diejenigen, welche gegen die Helena⸗Me⸗ daille ihren Proteſt einlegen.Warum, ſagt er, ſollen jene Invaliden der Kaiſerzeit, ſo lang es überhaupt für anſtändig gilt einen Orden anzunehmen, nicht auch ihr Bändchen im Knopf⸗ loch haben? Ihr könnt jenen Invaliden ihre Erinnerungen nicht rauben und durch keine glänzenderen erſetzen laßt ihnen darum ihr harmloſes Plaiſir. Für die Gegenwart ſind dieſe einer fernen Vergangenheit gewidmeten Zeichen eben nur Zeichen, für die Zukunft ſind ſie von ganz untergeordneter Bedeutung. Die auswärtigen Mächte und Dynaſtien haben ganz andere viel bedeutſamere und feſtere Wurzeln im deutſchen Boden geſchlagen,

die bei weitem ſchlimmer an unſrer Kraft ſaugen und viel mehr Aufmerkſamkeit zu erregen geeignet ſind u. ſ. w.(Folgt nun eine Aufzählung der ruſſiſch⸗deutſchen Heirathen und anderer Symptome der Verruſſung Deutſchlands). Daß die Helena⸗ Medaille etwas ganz indifferentes ſei, kann nur der Unver⸗ ſtand behaupten. Wenn es ſich bloß darum handelte, daß ein paar Hundert altersſchwache Greiſe ein Bändchen ins Knopf⸗ loch erhielten, ſo wäre darüber freilich wenig Lärm zu machen. Wem aber Deutſchland mehr iſt als eingeographiſcher Be⸗ griff und auch für denCompaß muß Deutſchland mehr ſein, weil er ſonſt auch den ruſſiſchen Einfluß ganz in der Ord⸗ nung finden müßte der ſollte fühlen, daß es nicht ein werth⸗ loſes Zeichen, ſondern eine ſehr bedeutſame Erniedrigung, alſo ein politiſches Ereigniß iſt, wenn Deutſche von einem fremden Herrſcher dafür ausgezeichnet werden, daß ſie die Waffen gegen Deutſchland getragen haben. Wenn der Compaß dieKreuz⸗ zeitung wegen ihres Ruſſenthums, denmondſcheinfarbenen Liberalismus wegen ſeiner feigen und nichtswürdigen Conni⸗ venz gegen die Symptome des ruſſiſchen Einfluſſes in Deutſch⸗ land brandmarkt, ſo werden wir ihm bei dieſem traurigen Ge⸗ ſchäft getreulich beiſtehen; aber er möge nicht das Kind mit dem Bade ausſchütten und ſich überdieß mit ſich ſelbſt in Widerſpruch ſetzen, in dem er nur an Rußland denkt und Frankreich völlig ignorirt. Mögen die Kriege von 1813 u. ſ. w. Deutſchland nicht die Früchte getragen haben, die man davon zu erwarten berech⸗ tigt war; immerhin ſind ſie ein glänzender Abſchnitt deutſcher Geſchichte, und es könnte für Deutſchland nur Schande und Un⸗ heil daraus folgen, wenn es jemals dieſe Geſchichte verläugnen würde. Dies wäre aber der Fall, wenn es zu der Helena⸗Me⸗ daille ſchwiege. Wir fühlen uns ziemlich erhaben über den Ver⸗ dacht desmondſcheinfarbenen Liberalismus, aber dem Proteſt gegen dieſe Schmach uns anzuſchließen, hielten wir für eine Pflicht ſo unzweifelhafter Art, daß wir Niemanden als der Po⸗ lizei und einigen ganz entarteten Subjekten die Stirne zugetraut hätten uns deshalb zur Rede zu ſetzen.

Wir haben vor Kurzem die Beachtung conſtatirt, welche die engliſche Preſſe dem Kindergarten des Herrn Ronge ſchenkte. Es wurde von ihr namentlich herausgehoben, daß er die Reli⸗ gion aus dem Spiel laſſe und daß auch deshalb ſein Syſtem in den Manufakturdiſtrikten die beſte Ausſicht auf Erfolg habe. Herr Ronge hat nun an eine der Zeitungen, die ſich mit dem Gegenſtand beſchäftigt, eine Zuſchrift erlaſſen, in welcher er be⸗ hauptet, ſein Syſtem eigne ſich auch für die ariſtokratiſche Jugend, nicht bloß für die Manufakturbezirke, auch laſſe er nicht aus Indifferentismus, ſondern aus Religion die Religion bei ſeiner Erziehung aus dem Spiele. Herr Ronge proteſtirt auch gegen die Behauptung, daß der Deutſchkatholicismus in Eng⸗ land keine Wurzel habe und in Deutſchland todt ſei; nur die Reaktion habe den Deutſchkatholicismus in Deutſchland, zu⸗ mal in Baiern und Oeſterreich gewaltſam unterdrückt. Es wird ihm nun erwidert, daß die große Mehrzahl der höhern Claſſen in England und des Clerus nun einmal Erziehungsmethoden, die von dem beſtimmten Dogma abſehen, nicht unterſtütze, daß das Gleiche auch von der römiſchen Kirche gelte, daß Herr Ronge ſomit faktiſch auf die Diſſenters angewieſen ſei, daß es aber Niemand einfalle, dieſe letzteren des Indifferentismus oder des Mangels an religiöſem Sinn zu beſchuldigen. Was den Deutſch⸗ katholicismus betrifft, ſo wiſſe man wohl, daß es in Deutſchland noch einige zerſtreute Gemeinden gebe, aber den deutſchen Geiſt beſchäftige der Deutſchkatholicismus nicht mehr, und die Deut⸗ ſchen, denen man begegne, ſeien entweder Proteſtanten oder Ka⸗ tholiken oder Juden oder und dieſe Unterſcheidung iſt für den Engländer charakteriſtiſch Rationaliſten.

Verlag von Hugo Scheube in Gotha. Verantwortl. Redacteur: Hugo Scheube in Gotha. Druck von Gieſeckt s Devrient in Leipzig.