individuellen Bedingungen für die rechte Wahl des Aufent. daß hier eine wirkliche Tuberkuloſe den Körper überfiel.—
halts der Erkrankten!
Allerdings darf man als allgemeine Regel annehmen, daß im Anfange der Krankheit oder bei ihrem Herandrohen ein milderer Himmelsſtrich, als derjenige, unter welchem ſie entſtand, angezeigt iſt. Aber beim Südländer, bei einer mehr energieloſen Körperbeſchaffenheit des Patienten erwächſt mindeſtens eben ſo häufig die beſtimmte Indication, denſel— ben in gebirgige Gegenden mit ſchärferer Luft und gerin⸗ gerer Durchſchnittswärme zu verſetzen. Nur der Arzt kann hier die rechte Wahl für den ſpeziellen Fall treffen, nicht der Laie. Unſere Darſtellungen wenden ſich aber ausſchließ lich an Letzteren und haben— wie ſchon oft bemerkt— durchaus nicht die Abſicht, ihn zum mediziniſchen Praktiker zu machen, ſondern einzig den Zweck, durch Beſprechung der Krankheiten für ſeine Thätigkeit als Pfleger und Beobachter des Leidenden allgemeine rationelle Geſichtspunkte zu bieten. So kommt es uns ganz natürlich und vorzugsweiſe darauf an, diejenigen Lebensmomente hervorzuheben, welche derar⸗ tigen faſt unheilbaren Krankheiten vor und in ihrer Aus⸗ bildung zu begegnen vermögen.
Oder iſt es dem Laien von beſonders praktiſchem Nutzen, wenn man ihn ſehr ſpeziell mit den verſchiedenen Verlaufsarten der Tuberkuloſe, mit den verſchiedenen For⸗ men ihrer höchſt wechſelvollen Symptome und Nebenerſchei-
Dicht neben dieſer Form ſteht die namentlich bei jungen, blühenden Leuten mit erblicher Anlage und bei Frauen nach Entbindungen ſo häufige„galoppirende Schwind⸗ ſucht.“ Außerdem iſt ſie auch am gewöhnlichſten, wenn die Tuberkuloſe als Nachkrankheit der Grippe, Lungen⸗ oder Lungenfellentzündung, der Maſern oder des Typhus erſcheint. Ja, man darf überhaupt annehmen, daß ein Drittel aller Fälle in dieſer Form verläuft. Dem energiſch eintretenden Prozeſſe der Tuberkelbildung folgt durch lebhafte lokale Ge⸗ websentzündung ſehr bald die Schmelzung, das Zuſammen⸗ fließen der lokalen, kleineren Eiterheerde zu größeren Eiter⸗ höhlen(Cavernen), alſo die directe Zerſtoͤrung des ergriffe⸗ nen Organs. Gewöhnlich iſt dabei das abendliche Fieber ziemlich ſtark, die Conſumtion der Kräfte und der Musku⸗ latur ſchreitet raſch voran, der anfangs ſehr heftige, trockne Huſten bringt bald reichliche eiterig-ſchleimige Auswürfe, oder verhältnißmäßig große Blutmaſſen(aus den von der tuberkulöſen Zerſtörung angefreſſenen Adern), der Tod er⸗ folgt nach längeren Wochen oder einigen Monaten unter ſehr verſchiedenen Erſcheinungen.— Unter allen Verlaufsarten die allergewöhnlichſte iſt aber dennoch der ſogenannte„ſacca⸗ dirte“ Verlauf. Er ſetzt die Geſammtkrankheit, welche ſich Jahrelang hinziehen kann, eigentlich aus lauter einzelnen
Prozeſſen acuter Tuberkelbildung zuſammen, von denen jeder
nungen unterhält, die doch wegen der ungemeinen Häufigkeit
ihres Vorkommens im Allgemeinen nur zu bekannt ſind? Wir glauben kaum. Denn gerad die wichtigſten Symptome, die objectiven, welche ſich ſpeziell auf den allem Andern zu Grund liegenden tuberkulöſen Prozeß beziehen, vermag aus⸗
ziell nach dieſer Seite ausgebildeten Beobachtung genau zu erkennen und richtig zu würdigen. Nur wenige Fingerzeige müſſen alſo hier genügen. Dem iſt jedoch wenigſtens eine flüchtige Ueberſicht der Hauptformen der Tuberkuloſe voraus⸗ zuſchicken.
Am ſeltenſten wird ein exquiſit raſcher Verlauf beob⸗ achtet, welcher binnen wenigen Wochen alle Symptome in großer Heftigkeit zuſammendrängt. In dieſem Falle durch⸗ läuft die Tuberkuloſe gewöhnlich nicht alle Stadien bis zur eiterigen Zerſetzung der ergriffenen Organe. Vielmehr bricht die Tuberkelbildung ſo maſſenhaft, ſo gleichzeitig in
einzelne die Symptome der galoppirenden Schwindſucht, nur in geringerem Grade umfaßt. Nach jedem ſolchen Anfalle tritt für längere oder kürzere Zeit ein relatives Wohlbefin⸗ den ein, ja, dem erſten folgt wohl ſogar ſcheinbar vollkom⸗
mene Geſundheit, bis der folgende wenigſtens einige Trü⸗ ſchließlich der Arzt mit ſeinen Kunſtmitteln und mit der ſpe⸗
bungen derſelben ſetzt, der dritte Hüſteln, Huſten, Gereizt⸗ heit des ganzen Organismus zurückläßt und weitere Anfälle die ausgeſprochene Schwindſucht herbeiführen. Im Grunde genommen iſt dieſer Verlauf auch ein continuirlicher, nur
mit temporären und wachſenden Verſchlimmerungen ſeiner
den edelſten Lebensheerden, in ſo gewaltſam und raſch auf⸗
einander folgenden Nachſchüben neuer Tuberkelbildungen hervor, daß der meiſtens ganz unaufhaltſame Tod mehr als Folge der plötzlichen Aufhebung aller functionellen Thätig⸗ keit der ergriffenen Organe, denn als Folge einer wirklichen Zerſtörung und conſecutiver Leiden eintritt. Nur der Arzt,
oft nur die Leichenöffnung conſtatirt auch in ſolchen Fällen,
Symptome. Denn die zuerſt entſtandenen Tuberkeln liegen nicht latent, ſondern machen ihren Weiterentwickelungsprozeß und werden ſehr wahrſcheinlich eben dadurch zur nächſten Veranlaſſung des nach einem längeren oder kürzeren Zeit⸗ raum abermals folgenden Nachſchubes. Dennoch unter⸗ ſcheidet die Wiſſenſchaft— eigentlich nur nach anatomiſchen Erfahrungen— noch eine chroniſch-⸗continuirliche Tuberkuloſe. Sie iſt am Lebenden erſtaunlich ſchwer zu diagnoſticiren, da die zwar immer fortdauernde, aber ſehr mäßige Tuberkelbildung meiſtens hinter ſehr verſchieden⸗ artigen, ebenfalls nicht heftigen und ſelten unmittelbar auf die ergriffenen Organe bezüglichen objectiven Symptomen und ſubjectiven Klagen des Kränkelnden verſteckt iſt. (Schluß folgt.)
Die Weinleſe.
Skizze von S. D.
(Schluß.)
Darüber war es völlig dunkel geworden und man begab ſich nach dem Landhauſe, wo die Abendtafel beſchickt war. Unter den neu ankommenden Gäſten, die noch immer die Ge⸗ ſellſchaft vermehrten, war auch der Muſikdirector B..„ein überaus launiger Mann, an den ich mich ſogleich angeſchloſſen, da ich Empfehlungen an ihn mitgebracht. Jetzt erſt im ker⸗ zenhellen Raume genoß ich den vollen Anblick der Mädchen,
von denen mich Emilie beſonders anzog.
Die ſchwellende Rundung der jugendlichen Formen that der Zartheit der Ge⸗ ſtalt keinen Eintrag, in welcher ſich alle Reize der erſten jung⸗ fräulichen Entwickelung vereinten, deren ahnungsvoller Hauch das dunkle Auge gleich duftigem Nebel umſchwamm. Noch zeigten die Mädchen einige Scheu bei meiner Annäherung, doch gelang es mir, bei Tiſche, nebſt dem Muſikdirector,


