Jahrgang 
1857
Seite
548
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daß gewiſſe Handwerke, Künſte und Beſchäftigungen beſon- Mutterhoffnungen von Neuem aufblühen, von all den be⸗ ddeers begünſtigend auf die Entwickelung der Lungentuber⸗ V ſorglichen kleinen Leiden früherer Zeit befreit ſind, und die kuloſe wirken; ſie werden alſo möglichſt zu vermeiden ſein. ganze Kraftfülle des Doppellebens, welches ſich unter Uunter den Handwerken und Künſten darf man jene als die ihrem Herzen regt, in der eigenen ſtrahlenden Erſcheinung ggeefährlichſten bezeichnen, bei deren Arbeiten die Erzeugung ausdrücken. Denn der Monat, welcher ihnen das Kind eeines feinen Staubes unvermeidlich iſt; ſie disponiren noch giebt, iſt auch gewöhnlich derjenige, in welchem der ſeit

unmittelbarer zu Lungenleiden, wenn ſie zugleich eine ſitzende neun Monaten gleichſam verhaltene Grimm der Tuberkelſucht

Lebensart nothwendig machen. So begegnen uns die meiſten Schwindſüchtigen unter den Schneidern, Hutmachern, Bür⸗ ſtenmachern, Schreinern, Sattlern, Drechslern und Ju⸗ welieren; nicht viel weniger unter den Setzern, Stein⸗ hauern, Schuſtern u. ſ. w.

Daß aber unter allen Beſchäftigungen diejenigen am meiſten zu Schwindſuchtskrankheiten disponiren, welche in menſchenüberfüllten Räumen mit einer fortwährend in der⸗ ſelben Weiſe wiederkehrenden, ob auch geringen Anſtrengung nur gewiſſe Muskelapparate in Bewegung ſetzen, iſt ſo be⸗ kannt, daß man auf die traurige Häufigkeit von Tuberkel⸗ leiden bei den Fabrikarbeitern kaum hinzuweiſen braucht. Von den höhern Berufsarten ſind jene am bedrohlichſten, deren Praxis lang anhaltende Lungenanſtrengungen mit ſich bringt. Schullehrer, Geiſtliche, Schanſpieler verfallen der Tuberkuloſe ſehr häufig.

Allerdings ſtehen unter den Gelegenheitsurſachen der

Tuberkelentwickelung die äußern Einflüſſe auf die Körper obenan, aber auch gemüthliche Zuſtände disponiren zu einer beſondern Empfänglichkeit. Anhaltend trübe Stimmungen,

bange lange Sorgen, verzweifelte Lebenslagen erwecken oft

den innern Feind, ohne daß äußere Schädlichkeiten hinzu⸗ kommen oder vorher der Argwohn einer tuberkuloſen Anlage vorhanden war. Es iſt darum wohl recht natürlich, daß die Schwindſucht namentlich in Zucht- und Deſertionshäu⸗ ſern ihre reichſten Ernten hält, wenn auch dort die geſund⸗ heitfördernden Einrichtungen auf's Sorgfältigſte getroffen ſind. Unglücksſchlägen und tiefen Gemüthserſchütterungen die Tuberkuloſe ſich ganz unvorbereitet entwickelte, und einen unaufhaltſam rapiden Verlauf bis zum tödtlichen Aus⸗ gang nahm.

Es hat in der That etwas Peinigendes, beim Ueber⸗ blicke der Lebensverhältniſſe ſo auf Schritt und Tritt dem

führt.

Ja, man hat ſelbſt beobachtet, daß nach plötzlichen

ſich tigerartig auf die dazu disponirten Organe ſtürzt. Jede neue Schwangerſchaft hält allerdings die Tuberkelbildung wieder auf, aber jede muß leider als ein Umſtand angeſehen werden, welcher die ſicher nachfolgende Verſtärkung des Lei⸗ dens deſto raſcher und entſchiedener zum tödtlichen Ausgang Iſt vollends der Tuberkelprozeß bereits in das Stadium der Erweichung und Vereiterung getreten, dann ſchreitet er auch neben der Schwangerſchaft fort, wennſchon vielleicht etwas langſamer, als unter gewöhnlichen Ver⸗ hältniſſen, darum mit dem täuſchenden Ausſehen einer Beſſerung.

Doch nicht bloß chroniſche und conſtitutionelle Leiden, wie die Skropheln, begünſtigen den Eintritt der Tuberkuloſe als Nachkrankheit, ſondern auch acute Uebel. Allen vor⸗ an ſteht, wie überhaupt in tückiſcher Gefährlichkeit, der Unterleibstyphus. Oft zeigen ſich ſchon im letzten Drittel ſeines Verlaufes, ſelbſt wenn die Affection der Bruſtorgane

nicht prädominirte, die erſten Symptome von Tuberkelbil⸗

dungen in den Lungen; noch öfter jedoch in der Reconvales⸗

cenz, welche ſich dadurch natürlich verlangſamt und ſo im geſchwächten Körper dem heranrückenden neuen Todeskeime ein beſonders empfängliches Feld darbietet. Dem Typhus zunächſt ſteht als Begünſtigerin einer tuberkulöſen Dispo⸗ ſition die von dem Laienpublikum gewöhnlich viel zu leicht genommene Grippe. Ihr folgen faſt mit gleicher Gefahr Maſern und Keuchhuſten. Ebenſo können auch länger dauernde Congeſtionen nach den Lungen, Blutergießungen aus denſelben, vorzüglich aber Entzündungen des Lungen⸗

gewebes oder ſeiner Einhüllungen(Pneumonie und Pleu⸗

ritis) die nächſte Gelegenheitsurſache zur Tuberkelbildung werden.

Wir haben uns ſcheinbar überlang bei den Entſtehungs⸗ momenten der Schwindſuchtsſeuche aufgehalten aber doch wohl nur ſcheinbar. Wie ſich die ausgebildete Krankheit

ausnimmt, weiß Jedermann mit derſelben traurigen Be⸗ ſtimmtheit, womit uns die täglich wiederkehrende Erfahrung lehrt, daß das einmal zur vollen Entwickelung gelangte Uebel mit unſeren menſchlichen Mitteln nur hier und da er⸗ leichtert, aber nicht zum Stillſtand gebracht, nur etwa ver⸗ . langſamt, doch nicht geheilt werden kann. Dies ſelbſt Skrophelſucht, mit welcher ſie in einem gewiſſermaßen ver⸗ meiſtens nur in ſolchen Fällen, wo ſehr glückliche Lebens⸗ wandtſchaftlichen Verhältniſſe ſteht. Daß die Kinder ſkro⸗ verhältniſſe den Kranken weder mit Strenge an einen be⸗ phulöſer Eltern vorzugsweiſe zur Tuberkuloſe geneigt ſind, ſtimmten Beruf, noch wenigſtens oftmals an einen wurde ſchon erwähnt. Wenn aber eine ſtärker entwickelte beſtimmten Wohnort feſſeln. Gerade die größten Emporien Skrophuloſe des jugendlichen Alters etwa um die Zeit der unſeres europäiſchen Kulturlebens, gerade die wichtigſten Geſchlechtsreife zurücktritt und verſchwunden ſcheint, dann Weltſtädte gelten tuberkulös disponirten Menſchen für be⸗ hat ſich nur allzuoft und meiſtens unbemerkt ein Uebergang ſonders gefährlich; und zwar nicht bloß wegen ihrer An⸗ V

ſchlechtes zu begegnen. Dennoch ſind wir mit unſerer trau⸗ rigen Aufgabe noch nicht zu Ende. Vielmehr iſt noch ganz ſpeziell darauf hinzuweiſen, daß die Tuberkuloſe ſich auch voorzugsweiſe gern als Nachkrankheit an vorausgegangene

ſchwerere Leiden heftet.

V V Drohen eines der mörderiſchſten Feinde des Menſchenge⸗ V

Beſonders gehört hierher die

der Conſtitution zur Tuberkuloſe hergeſtellt. Meiſtens läßt häufung von Menſchenmaſſen, ſondern gleichermaßen wegen ſie zwar die Ergriffenen aus dem jungfräulichen und ihrer(doch ſo verſchiedenartigen) klimatiſchen Einflüſſe. Wie Jünglingsalter anſcheinend geſund in die zwanziger Jahre Viele ſind aber in der glücklichen Lage, ein in London, Paris, hinüberſchreiten, aber meiſtens nur, um ſie ſo recht in der Wien, Petersburg oder München begründetes Leben aufzu⸗ ZBlüthe der Jahre hinzuraffen. Dies beſonders häufig beim geben, um anderswo die Lebensdauer möglicherweiſe um V weiblichen Geſchlechte, und hier wieder namentlich bei Denen, einige Jahre zu friſten! Nebenbei kommt noch immer in ddie Mütter werden. Faſt mit Grauſen muß oftmals der Beob⸗ Frage, wenn es geſchieht, ob nicht die nothwendige Verände⸗ achter ſehen, wie ſolche Frauen, bei denen der Verdacht von rung der bisherigen Lebensgewohnheiten den vortheilhaften tuberkulöſer Neigung oder gar von ſchon begonnener Tuber⸗ V kelbildung vorhanden iſt, mit dem Erwachſen der ſeligſten

Einfluß beinahe paralyſirt, welchen die beſſern klimatiſchen Verhältniſſe ausüben. Und wie verſchieden ſind wieder die