Jahrgang 
1857
Seite
541
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verſprochen, ich muß Dich wieder haben! rief der Burſch da ich noch frei war? Wenn die Vrone luſtig ausſieht

mit dumpfer Stimme und knirſchte mit den Zähnen.

Hör' mich, ſagte Vrone bebend.

Nein, hör' Du mich, fiel der Tolle ein,laß jetzt den Ambros, wo er iſt! Er ſoll ſein Glück nur auch ab⸗ büßen, ſo wie ich! Laß uns zuſammenhalten, jetzt, wie vorher ja, ich will's, ich will's!

.Vincenz, ich bin Braut in drei Tagen iſt Hoch⸗ zeit

Was frag' ich nach Braut und Hochzeit! Ich muß Dich haben, oder Nichts haben, mit Dir leben oder gar nicht leben!

Vrone verſuchte noch einmal zu reden, aber der wüthende Menſch fiel ihr nur heftiger in das Wort und ſtellte ihr nur noch die raſche Wahl zwiſchen Ja oder Nein!

Eine lange Pauſe entſtand, welche der Burſche zu verſtehen ſchien als überlegte Vrone, ob ſie wirklich län⸗ ger widerſtehen ſolle; ſeine Stimme wurde daher weicher, ja zärtlich, als er endlich die Unterredung wieder auf⸗ nahm und für ſeine Wünſche bittend weiter ſprach.

Sag' mir nur Eines, erwiderte die Vrone endlich nach langem Ueberlegen,ſag' mir, wie Du errathen, wie Du auf die Spur kommen konnteſt, daß ich's mit dem Ambros hielt und daß er oft zu mir gekommen iſt?

Ich bin oft in der Nacht bei Eurem Haus herum und hab' erforſchen wollen, ob Du eingezogen lebſt, ſeit⸗ dem ich fort gemußt; da hab' ich ihn entdeckt und bald auch wohl erkannt, daß es Ambros iſt, den Du in Dein Herz geſchloſſen!

Und das haſt Du doch Niemand anvertraut?

Niemand, Niemand; aber gelitten hab' ich wie von Höllenfeuer!

Und haſt an Rache auch manchmal gedacht?

An Rache, ja wohl! An Rache täglich, ſtündlich; vergiften, erwürgen hätt' ich ihn können, Dich können!

und beim Tanz geſehen wird, muß ſie denn nicht der Leute wegen Alles das thun und weiß man wie ihr dabei zu Muthe iſt? Ich will mich doch an ſie halten; ihr Ver⸗ ſprechen ſoll mir Alles gelten!

In dieſe hoffnungsvollen Betrachtungen war Ambros eines Morgens wieder verſunken, als die Thüre ſeiner Zelle aufging und ihm ſeine Befreiung angekündigt wurde. Seine Unſchuld ſei erwieſen, ſagte man, der wahre Brand⸗ ſtifter ſei gefunden, er möge jetzt ruhig nach Hauſe gehen und das Uebrige abwarten.

Eine Weile ſtand Ambros wie ungläubig da, er wollte fragen, wie denn ſeine Unſchuld entdeckt worden und wer denn der wirkliche Schuldige ſei? Aber der Gedanke, daß die Vrone endlich ihre Treue bewieſen und ihren Eltern und den Richtern frei Alles geſtanden habe, erfaßte ihn ſo raſch und ganz, daß er zu fragen gar nicht mehr für nöthig hielt; er nahm ſeine paar Sachen in einen Bund zuſammen, dankte dem Gefangenwärter für die gütige Aufwartung und verließ wie ein zufrieden ſcheidender Gaſt ſeine Zelle.

Die Zuverſicht in ſein bevorſtehendes Glück war ſo groß, daß er einige Augenblicke des Glaubens war, die jubelnde Baſe und eine Abordnung würdiger Gemeinde⸗ mitglieder müßten ihn vor dem Amte erwarten, um ihn feierlich als Grubers Schwiegerſohn zu begrüßen; als ihm dieſe Ueberraſchung aber nicht zu Theil wurde, er⸗ klärte er ſich das Unterbleiben derſelben nur dadurch, daß die Bekenntniſſe der Vrone im Gruberhofe noch zurück gehalten und erwogen würden.

Ich werde wahrſcheinlich grade mitten in den rechten Lärm hineingerathen, wenn ich heimkomme, dachte er: Wer ſteht mir dafür, daß ich mich ordentlich ruhig da⸗ bei verhalte?

Ein ſeliger Schauer überlief ihn bei dieſem Gedanken,

eer fing an ſich vor den möglichen Ausbrüchen ſeines

Und das auch in jener Nacht, wo der Ambros zum

letzten Mal bei mir geweſen?

Auch in jener Nacht!

Dann hab' ich Dich... Gieb Achtung, was ich Dir jetzt ſage, rief die Vrone mit gepreßter, aber durch⸗ dringender Stimme.Warſt Du in jener Nacht hier, haſt Du den Ambros zu mir kommen ſehen und warſt Du wieder von Rache wie toll ſo haſt Du auch das Feuer in unſerm Hauſe gelegt!... Drum will ich Dir rathen, halt' reinen Mund und mach fort, Brand⸗ ſtifter, ſonſt will ich Dir beweiſen, wer mehr vom Amte zu fürchten hat ich oder Du?

Ein letzter Nachzügler des Gewitters, ein ziemlich ſtarker Blitz, erhellte jetzt noch einmal die tiefe Finſterniß

Glückes ſelber zu fürchten und indem er ſich den Tumult vorſtellte, wie die Leute kommen und gucken, fragen und

ggratuliren würden, erſchrack er auch vor dem neugierigen Tumult der Leute ſo ſehr, daß er beſchloß, im nahen

Walde den Abend abzuwarten, um dann ohne geſehen zu

werden heimzukommen.

Dieſen Entſchluß auszuführen wich er eben von der Landſtraße nach dem Saume des beginnenden Waldes ab,

als er von weitem ein Wägelchen daherjagen und den

Gold⸗Gruber droben ſitzen ſah. Dieſer war augenſchein⸗ lich in der höchſten Aufregung, ſein Geſicht glühte und

ſeine rechte Hand wurde nicht müde, den Schimmel vor

und ließ zwei ſeltſam auf einander ſtarrende Geſichter

ſehen, die im nächſten Augenblicke wieder im Dunkel der Nacht verſchwanden.

VI.

So groß auch der Schmerz und die Zweifel über die Treue der Vrone waren, Ambros faßte ſich doch bald wieder und wußte ſeine Zuverſicht von Neuem erträglich zu befeſtigen. Denn er fragte ſich nun:Hat mir denn die Baſe eigentlich etwas geſagt, das ich nicht früher ſchon wußte? Ging denn das Gerede von Brautſchaft und Heirath nicht ſchon zu meinen Lebzeiten das heißt:

dem Wägelchen anzutreiben.

Jagt er daher, um mich als Schwiegerſohn abzu⸗ holen? dachte Ambros ſtehen bleibend:Stell ich mich in den Weg, damit er mich ſehe und halte? Wirklich trat er jetzt zwiſchen den Bäumen hervor knapp an die

Straße und zog den Hut zum freundlichen Gruße.

Aber zu ſeinem großen Befremden ſtarrte ihn der Gold⸗Gruber nur wie eine wildfremde Erſcheinung an und jagte ohne Wort und Gruß von dannen wie er ge kommen war.

Dieſes Begegnen des künftigen Schwiegervaters war freilich nicht geeignet, dem Ambros ſeine glänzenden Hoff⸗ nungen ungeſchmälert zu erhalten, ſie fielen vielmehr eine um die andere ſchleunigſt zu Boden und würden das Herz des Burſchen wahrſcheinlich ziemlich troſtlos gelaſſen haben, wenn er ſich nicht ſchließlich mit dem Gedanken