milienblatt.
Inbalt: Die Stadt⸗Frohne. Erzählung von Joſef Rank.(Fortſetzung.)— Bilder aus den deutſchen Gauen. IV. Das Elſaß. Von Albert
Grün. II.— Aus der Krankenſtube. III. Die Schwindſucht.(Fortſe Vögel im Herbſte.— Aus dem Weltleben.— Was beliebt: Der a und die Helena⸗Medaille.— Ronge’s Kindergarten⸗
Die„Stad
Eine Erzählung
V.
Eines Nachmittags, kurz vor Vrone’'s Hochzeit, ging es wieder recht herrlich in Grubers Hauſe zu; der Bräu⸗ tigam, welcher Geſelligkeit liebte, hatte wie gewöhnlich einige gute Freunde mit ſich genommen, welche zur Unter⸗
haltung fleißig beitrugen und ſich nebenher das friſche FFüßchen in Grubers Keller munden ließen.
brach, um nach Hauſe zu gehen; Vrone mit ihren Eltern begleitete die Geſellſchaft eine Strecke und ſah beſonders frroh und blühend aus, da ihr die Unterhaltung das ſonſt eeetwas blaſſe Geſicht mäßig geröthet hatte; auch ihr Be⸗ tragen war heute ausnehmend ruhig, beſcheiden und maß⸗ voll geweſen, ſo daß der Herr Bräutigam in Erwägung ſeines noch im vierzigſten Jahre bevorſtehenden Glücks V voll ſtillen Vergnügens ſich die Hände rieb und ein Gläs chen umes andere mit Behagen leerte. „Unſer Kind iſt heute wie ausgewechſelt,“ ſagte im V Gehen die Gruberin einmal heimlich zu ihrem Manne: „ Alles hat heute ſeine Freude an ihr!“ V„Sie hat auch Recht und nimmt ſich zuſammen,“ er⸗ widerte der Gruber ernſthaft,„ein ſolcher Herr, wie der V Bräutigam, will an ſeiner Künftigen auch einmal ſehen,
wie oder was!“. Die Freude der Eltern über die Tochter wurde in⸗ G deſſen etwas gemäßigt, als ſie nach der Entfernung des
Es neigte ſchon gegen Abend, als man wieder auf⸗
tzung.)— Die Weinleſe. Skizze von S. D.(Schluß.)— Der Fortzug der merikaniſche Leviathan.— General Havelock.— Der Hamburger Compaß
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t-Frahne“. V
von Joſef Nank.
(Fortſetzung.)
Bräutigams wieder ihrem Hauſe zuſchritten und Vrone auf einmal wirklich wie ausgewechſelt weder im Gang noch in der Sprache jenes Maß mehr einhielt, welches
noch eben ſo warm gerühmt worden war; ſie vermaß ſich
ſogar in ſeltenem Uebermuth, die immer ein wenig an
Kopfweh leidende Mutter an der Hand zu faſſen, als
wolle ſie mitten auf dem Wege ein Tänzchen mit ihr wagen.
„Vrone! Vrone!“ rief daher die derb Gefaßte zür-
nend.„Biſt Du aus dem Häusl auf einmal? Wie biſt Du anders, ganz anders geweſen vorher!“
„Ei was,“ erwiderte die Vrone mit den Fingern ſchnalzend und ſich um ſich ſelber drehend:„wenn der Vogel aus dem Käfig iſt, läßt er die Flügel auch nicht hängen! Es iſt mir hart genug geworden, ſo lange ge⸗
ſchient zu ſitzen und zu reden!“
Die Mutter hatte wieder eine brennrothe Stirn und einen ſchweren Kopf, ſie durfte ſich alſo nicht weiter er— regen laſſen; der Gruber aber ſagte einige ſtraffe Worte, die wenigſtens zur Folge hatten, daß die Vrone bis nach Hauſe wieder einigen Anſtand einhielt. Zu Hauſe aber ging es von Neuem los und ärger als zuvor. Das Erſte war, daß die züchtige Braut nach einem Bierkrug ſtürzte und einen Kraftzug that, der den Neid eines Bürſtenbin⸗ ders erregt haben würde; dann warf ſie ſich, den Schlepp ihrer Kleider gehörig ausbreitend, auf den Stuhl vor ihrem Spinett und hämmerte ihre paar Ländler mit


