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„große Anzahl von Meldungen“ nicht eher glauben, als bis die franzöſiſche Geſandtſchaft ſich entſchließt, die Namen zu nennen. Das iſt verſtändlich, und wir wünſchen nur, daß die Annahme der zwei Weimarer Blätter ſich bewahrheiten möge. Sodann iſt zu bemerken, daß die hier in Frage ſtehenden Perſonen großen⸗ theils Männer von niedrem Bildungsſtand, Bauern ſind, die wohl auch glauben es knüpfe ſich an Schande, deſſen Charakter ſie kaum zu beurtheilen vermögen, irgend eine Geldgabe. Es wäre daher vor Allem Pflicht der Unterrichteteren die armen alten Leute über die ganze Sache zu belehren und ihnen begreiflich zu machen, daß ſie, ohne den geringſten Vortheil für ſich zu haben, ſich ſelbſt, ihre Mitbürger und ihre Regie ung an den Pranger ſtellen, wenn ſie ſich bei einer fremden Geſandtſchaft um ein Stückchen Erz bewerben. Allem Anſchein nach ſind wenigſtens aus Preußen(abgeſehen von der Rheinprovinz) keine Meldungen eingekommen, was ohne Zweifel daher rührt, daß die Regierung unter der Hand der Sache entgegengearbeitet hat. Die zweite beunruhigende Er⸗ ſcheinung der Gegenwart iſt die Zuſammenkunft in Stuttgart. Wir haben auch darüber mehrfach Gelegenheit gehabt unſere Meinung auszuſprechen und wir glaubten das vorſtehende Ge⸗ dicht darüber nicht zurückweiſen zu dürfen. Zwar wiſſen wir ſehr gut, daß der Zuſammenkunft in Stuttgart nicht ſofort ein Angriff auf Deutſchland folgen wird. Nicht eine un⸗ mittelbare Gefahr iſt mit dieſer Zuſammenkunft verbunden,
dieſes Brandmal ihrer
ſondern eine allmählige Lockerung der Bande, welche Deutſch⸗ land noch zuſammen halten, eine ſchleichende, von den Regie⸗ rungen aus dem Volk ſich mittheilende Demoraliſation und Er⸗ ſchlaffung iſt dann zu befürchten, welche zuletzt doch nur zu äußern Thatſachen der Schande und des Unheils führen können. Dadurch, daß die Gefahr keine unmittelbare iſt, ſondern eine ſchleichende, wird die Sache nur um ſo bedenklicher. In jedem Fall muß auch der beſchränkteſte Verſtand einſehen, daß Frank⸗ reich und Rußland ein natürliches Intereſſe haben Alles das zu bekämpfen und zu hintertreiben, was Deutſchlands Ehre und Kraft fördern könnte; und nie und unter keinen Umſtänden kann daher von einer Entſchuldigung die Rede ſein für die, welche ſich ſo geſchäftig gezeigt dieſe Kaiſerzuſammenkunft herbeizuführen. An der deutſchen Nation iſt es jetzt, ihre Stimme zu erheben, um den Feinden den Wahn zu nehmen, als ſei alles Gefühl für V Ehre und Vaterland unter den Deutſchen erſtorben. Wenn die
deutſche Nation ſich kräftig ausſpricht und den Anfängen einer franzöſiſch⸗ruſſiſchen Verſtändigung die Thatſache nationaler Wachſamkeit und der Controle über das Benehmen ihrer Regierungen entgegenſetzt, dann wird die Zuſammenkunft von Stuttgart ſpurlos vorübergehen, denn ein Reſultat läßt ſich duſch kräftige und unzweideutige Meinungsäußerungen der Na⸗ tion gewiß erzielen: die deutſchen Regierungen werden zum Be⸗ wußtſein ihrer nationalen Pflichten zurückgeführt und zu Vor⸗ ſichtsmaßregeln gegen gefährliche Pläne des Auslandes angeleitet.
Germania, hab Acht!
Cilſit, 25.
Vom Taumel des Gelderwerbes
Erwache, Germania!
Die Stunde des Kaiſererbes,
Die ſchreckliche, ſie iſt nah!.
Juni 1807.
Schon ſchüttelt die wilde Mähne Der Corſe im Schattenland; Schon krähen die wälſchen Hähne Bei Kehl an des Rheines Strand.
Schon zählt ſeine treue Heerde Im Stillen der Reußenſohn; Schon wandelt auf deutſcher Erde Der dritte Napoleon.
Schon ſchmückt man die deutſche Blöße Mit Orden aus wälſchem Erz;
Die Feinde der deutſchen Größe— Sie ſinken ſich an das Herz.
Schon laufen des Ohms Beſieger Dem Köder des Neffen nach;
Schon tragen die„alten Krieger“ Im Knopfloch die deutſche Schmach.
Stuttgart,
25. September 1857.
Vom Taumel des Gelderwerbes Erwache, Germania! Die Stunde des Kaiſererbes, Die ſchreckliche, ſie iſt nah!
Schon nah'n die düſter'n Geſtalten Der Schnitter; es reift die Saat:
Der Neffe wird wörtlich halten Was der Onkel verſprochen hat! d Acht! es dürfen die Riemen,
Die Juchten für Michel's Gebein— Heut ſtärker wie auf dem Niemen, Heut länger geſchnitten ſein!
Hab Acht, hab Acht!— zu bereiten Das Bollwerk des Heiligthums!
Es deuten die Zeichen der Zeiten Den Tag des Cäſarenthums!
Hab Acht! es nahen die Tritte
Der Rache für Helena.
Gott ſchütze die deutſche Sitte Gott ſchütze Germania!
Gotha, 25. September 1857. Hugo Oelbermann.
Aus dem Weltleben.
In vino veritas! ſagt der Lateiner; zu deutſch: Im Wein iſt Wahrheit! Und wenn nun dies Sprichwort von der Wahrheit ebenfalls wahr iſt, ſo haben wir Hoffnung, daß von 1857 ab eine Zeitlang kein Trug und keine Täuſchung mehr exiſtirt.
Wenigſtens Wein haben wir genug, ſowohl in den edlen Ge⸗ länden altadeligen Stammes am Rhein, als in den einigermaßen zweifelhaften Weingefilden an der Saale, bei Meißen und um Grüneberg im Lande Schleſien. Indeſſen geht's ihren Trauben,


