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geordnete Thätigkeit des Menſchen begreift. Die Voraus⸗ ſicht und die Uebertragbarkeit ſind alſo die beiden charak⸗ teriſtiſchen Merkmale der Arbeit, welche nur bei der Thätig⸗ keit des Menſchen zutreffen, da er allein unter allen Weſen unſeres Weltkörpers im Stande iſt, die angedeuteten, geſell⸗ ſchaftlichen Endzwecke mit Bewußtſein zu verfolgen. So gehört z. B. der Vorgang des Athmens nicht in das wirth⸗ ſchaftliche Gebiet, weil hier das Bedürfniß unmittelbar durch die Natur befriedigt wird. Selbſt wenn man das Einſaugen der Luft als eine Thätigkeit anſehn wollte, ſo iſt dieſelbe mindeſtens nicht übertragbar, auf keinen Fall alſo eine Arbeit. Sobald dagegen Jemand eine Verrichtung übernimmt, um Jemanden das Athmen zu erleichtern, wie der Verfertiger eines Reſpirator, haben wir eine Arbeit, einen wirth⸗ ſchaftlichen Act. Ebenſo wenn ein Wanderer auf ſeinem Wege eine Hand voll Beeren abſtreift und zum Munde führt, oder aus einem Quell trinkt, geſchehen beide Handlungen in derſelben Unmittelbarkeit, wie beim Thier, im Drange augen⸗ blicklichen Bedürfniſſes, ohne Rückſicht auf deſſen Wiederkehr und ohne Möglichkeit der Uebertragung auf einen Andern, und Niemand wird dies arbeiten nennen. Erſt wenn Je⸗ mand die Beeren ſammelt, das Waſſer in ein Gefäß ſchöpft, arbeitet er, denn erſt dann war die Möglichkeit der Befrie⸗ digung künftiger ſowie fremder Bedürfniſſe durch ſeine Thä⸗ tigkeit vorhanden. Eine Arbeit, welche den Zweck hat, das Bedürfniß eines Andern zu befriedigen, heißt eine Dienſt⸗ leiſtung. Wird ein Gegendienſt dafür gewährt, ſo findet ein Tauſch ſtatt. Da dies der eigentlich normale wirth⸗ ſchaftliche Vorgang iſt, und die unentgeltliche Dienſt⸗ leiſtung als Wohlthat, ihrer ſympathiſchen Motive halber, in das ſittliche Gebiet gehört, ſo hat man mit Recht die Volkswirthſchaftslehre als die Lehre vom Tauſche bezeichnet, als dem eigentlichen Grundvorgang im Haushalt der Geſellſchaft, auf welchen ſich ſämmtliche wirthſchaftliche Beziehungen zurückführen laſſen.
Betrachten wir ferner die Arbeit in ihrem Verhältniß zu dem dadurch bezweckten Reſultat— Befriedigung von Bedürfniſſen— ſo wird daſſelbe in einigen Fällen ſchon durch
den Bemühungen des Arztes, Sachwalters, Boten u. A. der Fall iſt. Meiſt tritt aber noch ein Mittelding zwiſchen
Vornahme jener ſchlüßlichen Verfertigung ermöglicht.
wobei ſich häufig wieder
Anſtrengung und Befriedigung, ſo nämlich, daß die Arbeit
gewiſſe ſtoffliche oder Sachgüter fertigt, deren Beſitz ſodann
zur Befriedigung gewiſſer Bedürfniſſe verhilft, weßhalb noch eine beſondere Aneignung nothwendig wird. Mit dieſer letztern Verkehrsform, der Production der zur Nothdurft und Annehmlichkeit des Lebens gehörigen Güter ſowie deren Vertheilung, hat es die Volkswirthſchaft vorzugsweiſe zu thun. Daher ſchließt ſich eine ſehr gewöhnliche Unterſcheidung der Arbeit in productive und unproductive hier an, welche zu vielen Mißverſtändniſſen und Streitigkeiten Anlaß gegeben hat. Im engern Wortſinne würde man unter pro⸗ ductiver Arbeit diejenige zu perſtehen haben, welche mit einer Hervorbringung von Sachgütern ſchließt, wornach ſelbſt ſehr nützliche Branchen der Thätigkeit als unproductiv gelten müßten. Im wiſſenſchaftlichen Sprachgebrauch gilt deßhalb nur diejenige Arbeit als unprod uctiv, welche einen
eine gewiſſe Thätigkeit an und für ſich erreicht, wie dies bei endlich ſind Werkzenge und
Genuß gewährt, der auf eine weitere Production ohne Ein⸗ fluß iſt, z. B. die Thätigkeit der Schauſpieler, Sänger, Tänzer. Man würde daher füglicher von einer unproduc⸗ tiven Konſumtion reden, das heißt einem Verbrauch, der nicht zu einer neuen Production führt, alſo den allgemeinen Fond der Geſellſchaft vermindert. Allein wenn man hiernach die Arbeit zum Zweck unproductiver Konſumtion, zur Konſumtion der unproductiven Klaſſen, wohin alle Luxus⸗ artikel gehören, von derjenigen unterſcheidet, welche zur Vermehrung der productiven Hülfsquellen eines Landes bei⸗ trägt, ſo hüte man ſich, den unproductiven Klaſſen die⸗ jenigen zuzuzählen, welche mittelbar der Production dienen, z. B. Lehrer, Aerzte, Beamte, Soldaten u. A. In⸗ dem nämlich dieſelben die jeder Erwerbsthätigkeit nothwen⸗ digen Vorbedingungen vermitteln, wie: Kenntniß, Geſund⸗ heit, Sicherheit und dergl. können ſie für die darauf verwendete
Thätigkeit ihren Theil von den Früchten der Production mit
Recht in Anſpruch nehmen. Nur inſoweit rückſichtlich ihrer Zahl oder Honorirung das richtige Verhältniß, welches die Nothwendigkeit und der Werth ihrer Leiſtung bedingen, über⸗ ſchritten wird, kann, wie bei jeder Vergeudung, von unpro⸗ ductiver Arbeit und Konſumtion die Rede ſein.
Noch eine weitere Vermittelung iſt zwiſchen der Arbeit und der Befriedigung eines beſtimmten Bedürfniſſes in dem Falle erforderlich, wo die Arbeit nicht die Vollendung des für den Verbrauch ſelbſt beſtimmten Artikels, ſondern gewiſſe dem vorangehende Verrichtungen betrifft. Ehe nämlich einem Artikel diejenige Form gegeben werden kann, in welcher er konſumirt wird, muß in den meiſten Fällen eine größere oder geringere Menge von Arbeit vorangegangen ſein, welche die Zu⸗ erſt kommt hier die Bearbeitung der Rohſtoffe in Anſchlag, verſchiedene Stufen unterſcheiden laſſen, z. B. Brod, Mehl, Getraide, Bodencultur, oder: Rock, Tuch, Garn, Wolle, Schafzucht. Sodann müſſen
Nahrungsmittel, Wohnung, Kleidung für die Arbeiter wäh⸗
rend der Dauer ihrer Beſchäftigung vorhanden ſein, und Geräthe erforderlich, um die Arbeit vorzunehmeu. Alle dieſe Gegenſtände, die Reſultate bereits früher vollendeter Arbeit, müſſen beim Beginn und während der Dauer einer beſtimmten Beſchäftigung dem Arbeiter zu Gebote ſtehn, weil er ſonſt ſeine Aufgabe entwe⸗ der gar nicht zu beginnen, oder doch nicht zu vollenden im Stande iſt. Die Summe aller ſolcher nothwendigen oder nützlichen Erforderniſſe, deren Jemand zu einer Arbeit, einem Geſchäft bedarf, wird unter dem Namen des Kapitals be⸗ griffen, von welchem wir, als einer Hauptbedingung der Production, beſonders handeln werden.
Endlich kommen auch noch der eigentlichen Production nachfolgende Verrichtungen hier in Anſchlag, welche noth⸗ wendig dazwiſchen treten müſſen, ehe das vollendete Arbeits⸗ product in die Hände der Konſumenten gelangt und ſo ſeine Beſtimmung erfüllt. Es ſind dies die Vorkehrungen zur Sicherung und Aufbewahrung der Waaren und der Trans⸗ port und Handel, welche eine der wichtigſten Stellen in der Volkswirthſchaft einnehmen.


