Möhring'ſche Garten zeichnet ſich durch Blumenzucht, der von Ebritſch durch Blumen⸗ und Samenhandel aus.
Nicht unbedeutend iſt das Geſchäft in Mehl und Fleiſch waaren. Auf ihr Waizenbier ſind die Arnſtädter ſtolz. Im erſten Jahr, behaupten ſie, ſei daſſelbe köſtlich, im zweiten verrucht, im dritten ähnele es dem Madeira. Ein Lager⸗ bier trank ich ſelbſt im Kranich, welches durch Entwicklung von einer Kleinigkeit Eſſigäther einen äußerſt angenehmen⸗ und erdbeerartigen Beigeſchmack erhalten hatte. In ſonſtigen Gewerben herrſcht rüſtige Thätigkeit. Die Schuhmacher von Arnſtadt führen wie die der meiſten thüringiſchen Städte ihr Fabrikat auf die Meſſen von Leipzig und Frankfurt a. M., ſo daß es bis Californien geht. Die Handſchuhfabrik von Liebmann und Kieſewetter beſchäftigt 4— 600 Mädchen, liefert ein umfaſſendes Sortiment und hat die Ziegen⸗ und Lammfelle der Umgegend zu anſehnlichen Preiſen gebracht. Die Brückenwagenfabrik von Brömel und Kortmann hat guten Fortgang. Zündholzfabriken exportiren anſehnliche Vorräthe. Für ein Galanteriewaarengeſchäft, deſſen Chef ein in Frankreich und England ausgebildetes Talent beſitzt, Luxuskäſtchen, Mappen, Körbe u. ſ. w. geſchmackvoll zu arrangiren, ſind in Arnſtadt und namentlich im Erzgebirge viele Hände beſchäftigt, um die Einzelheiten anzufertigen, welche dann hier ihre Zuſammenſtellung finden ſollen.
Alle Anerkennung verdient die Henneberg'ſche Spritzen fabrik, zumal der Begründer derſelben die Blüthe ſeines Etabliſſements unausgeſetztem Fleiß und eigenem Nachdenken⸗ verdankt. Die Feſtigkeit des Henneberg'ſchen Spritzenſchlauchs beruht darauf, daß er unter ſorgfältigen Vorrichtungen aus ungekochtem Hanfgarn gewebt wird, damit die Aufquellbar keit des Stoffs nicht vor der Anfertigung verloren geht. Dieſe Schläuche brauchen nicht vier Stunden vor Ausbruch der Feuersbrunſt eingeweicht zu werden, um dienſttüchtig zu ſein. Der Feuerſpritze von Metz in Heidelberg glaubte Hr. Henneberg, obgleich er ihre Eleganz und Billigkeit lobte, die unbedingte Anerkennung verſagen zu müſſen, weil ſie zu viele Menſchenarme für die Pumpe verlange. Woher ſolle die kleine Dorfſchaft die Mannſchaft nehmen, welche ſich, wenn die Spritze mit Erfolg gehandhabt werden ſolle, beſtändig ablöſen müſſe? Herr Henneberg iſt auf das alte Saugwerk ſyſtem von Prof. Karſten in Greifswalde zurückgekommen und hält es für das zweckmäßigſte von allen. Für das Auf blühen größerer Etabliſſements in Arnſtadt wünſchte dieſer umſichtige Geſchäftsmann zunächſt und vor allem die An weſenheit eines Banquiers, damit die einkommenden Gelder nicht unbenutzt im Kaſten zu liegen brauchten, ſondern ſofort wieder Procente trügen, ohne daß die Zurückforderung für das Geſchäft Schwierigkeiten fände.
Den Wollmarkt, welcher zu Ende Juni zu Arnſtadt ge halten wurde, fand ich ſehr beſucht und er ſteigerte ſich mehr zum Volksfeſt als der zu Gotha und Weimar. Von Naum
burg bis Arnſtadt, behaupteten Wollhändler, ſei die Schur außerordentlich fein; von da über Gotha bis Eiſenach werde die Wolle merklich gröber. Die Vorräthe gingen raſch ab und ſollten nach Preußen und Sachſen verfahren werden,
während dann in die nächſte Nähe von Arnſtadt, in die
Kammgarnſpinnereien von Erfurt, Ohrdruff und Apolda ſchleſiſche Wolle und Wolle aus Mexico und Braſilien vor⸗ dringt. Von Wollfabrikanten erfuhr ich ferner, daß zwiſchen Apolda und Erfurt eine merkwürdige Marktgrenze liegt. Apolda liefert ſeine Wollwaaren, worunter der gewalkte rothe Fez, hauptſächlich nach der Moldau und Walachei; Erfurt dagegen wirkt rothe Zipfelmützen für Schweden und Nor⸗ wegen und die Fabrikanten bedauern mit dem Freunde volks⸗ thümlicher Trachten und Sitten, daß die Nationalkoſtüme im Norden wie in Deutſchland mehr und mehr verſchwinden.
Aus der Sämerei, welche ſich bei der Wäſche der über See gekommenen Wolle im Abfall fand, waren in einem Garten Tropengewächſe wie Medicago, Xantium spinosum auf geſproßt, jedoch verkümmerten die Pflänzchen.
Neben der Wolle ſei ſchließlich der Seide gedacht, welche in Arnſtadt eine gute Zukunft zu haben ſcheint. Auf mehr fache Ermunterung entſchloß ſich 1841 ein Grundeigenthümer eine Maulbeerpflanzung anzulegen. Der Baum gedieh nach
Wunſch: 1847 wurde der erſte Verſuch gemacht, Raupen zu
ziehen, aber das Laub war noch zu ſchwach; das Jahr 1848 ſtörte den Fortgang. Erſt im vergangenen Jahr, wo der Blättervorrath reichlich, wurde die Zucht des Seidenwurms ernſtlich wieder aufgenommen, die erzielten Cocons waren ſehr kräftig und einige Seide wurde nach Wien verkauft. Heuer kamen die Eier von Potsdam und Wiesbaden und zur Aufmunterung als Geſchenk aus Wien. Die Raupen be
fanden ſich in einem beſonders für ſie eingerichteten heizbaren aber zugleich gegen die Sonnenhitze zu ſchützenden Local nach der zweiten Häutung außerordentlich wohl. Mit Recht dachte der Eigenthümer daran, künftig die Eier ſelber zu ziehen, da die durchbrochnen Cocons noch ſehr gut zu ver
werthen ſind. Zur Unterſtützung des eifrigen Unternehmers wollte die ſchwarzburg-ſondershauſenſche Regierung einen Haspel und einen Sachverſtändigen aus Wiesbaden kommen laſſen, damit die Abſpinnung erlernt werde und die in Gotha, Erfurt, Weimar u. ſ. w. erzielte Seide wo möglich in Arn⸗ ſtadt einen Centralhaspel finde. Hört man die günſtigen Berichte aus Potsdam, Wiesbaden, Nienburg an der Weſer, ſo kann man nicht zweifeln, daß die Seidenzucht auch in Deutſchland vorwärts kommen wird. In Deutſchland war die Raupe nach den gemachten Erfahrungen bei weitem ſel⸗ tener Krankheiten unterworfen als in Frankreich und Italien. In Nienburg zeigte ſich die Muskardine(Gelbſucht) noch nie und dieſer Vortheil, ſollte man denken, müßte benutzt werden. Eine Hauptbedingung iſt, daß man den Maulbeerpflanzun
gen hinreichende Zeit zum Erſtarken gönnt.
Vier Gedichte von Berthald Sigismund.)
Die Frauen.
Haſt du leidend, o Freund, gelegen Fern vom lieben heimiſchen Hauſe, Still in der Klauſe, Wo gleichmüthige Fremde dich pflegen? V
*) Aus„Asclepias. Bilder aus dem Leben eines Landarztes. Von Berthold Sigismund.“ Gotha, 1857. H. Scheube. Wir verfehlen
Ach, wie ſehnt aus der Großſtadt Gebrauſe Heim ſich das Herz, wo des Mütterleins Segen Lieblich wie Maiduft waltet im Hauſe!
Wo ſie mit milden balſamiſchen Worten Oder mit ſtummen Blicken dich fragte,
nicht, unſere Leſer auf das Erſcheinen dieſer neuen Gedichtſammlung des geiſtvollen Verfaſſers ganz beſonders aufmerkſam zu machen.
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