Regulirung einer gleichmäßigen Ausſtrömung in der ganzen
Länge der Kammer für eine zweckmäßige Ventilation geſorgt. Durch in allen Wänden angebrachte Luftröhren wird außer⸗ dem eine permanente Ventilation in den untern feuchten Räumen erzielt, während endlich für die zweckmäßige Ab⸗ führung der Waſſerdämpfe aus den Waſchräumen und die Verminderung der Wärme in denſelben dadurch Vorſorge getroffen worden, daß nicht allein Abzugskanäle, in denen
ein künſtlicher Luftſtrom hervorgebracht, ſondern auch Klappen im Dach, je nach dem Bedürfniß und den nach
den Witterungsverhältniſſen ſich richtenden Erfolgen zu⸗
ſammen oder wechſelweiſe in Anwendung gebracht werden können.
Die Anſtalt in der Auguſtſtraße iſt am 1. Auguſt d. J. theilweiſe eröffnet worden, indem das Schwimmbaſſin und die Waſchräume dem Publikum zur Dispoſition geſtellt ſind.
.
Volkswirthſchaftliche Skizzen. Von H. Schulze⸗Delitzſch.
IV. Das ſociale Aehel.
(Schluß.)
Aber ſelbſt bei dieſem Stande der Sachen hat die Macht der natürlichen Triebfedern in der Geſellſchaft nie ganz unterdrückt werden können, und vermöge der bewunderns⸗ würdigen Solidarität der betheiligten Intereſſen ruft das Uebel am Ende doch eine allgemeine Reaction von den ver⸗ ſchiedenſten Seiten hervor, welche uns, wenn auch langſam, der Erkenntniß zuführt und eine ſeiner Quellen nach der andern verſtopft. Die Erfahrung aller Zeiten und Völker lehrt: daß ſich das ſociale Uebel durch ſeine eignen Wirkungen mehr und mehr beſchränkt. Es iſt eine nicht zu beſtreitende Thatſache, daß, trotz alledem, was Irr⸗ thum und böſer Wille gethan haben, die Ordnung der Natur zu verkehren, dennoch die dem geſellſchaftlichen Organismus inwohnende Heilkraft unermüdlich thätig geweſen iſt, und daß, Dank ihr, jenes Eingreifen und mit ihm das Uebel ſelbſt fortwährend im Abnehmen begriffen ſind. Der Gang der Civiliſation iſt in der Menſchheit im Ganzen ein aufſteigender, und mit jedem Kulturfortſchritt heben ſich Bil⸗ dung und Wohlſtand und zwar bei den untern Schichten der Geſellſchaft verhältnißmäßig mehr, als bei den obern. Wir nehmen eine beſtändige Annäherung aller Klaſſen an daſſelbe wirthſchaftliche, intellectuelle und ſittliche Niveau, zugleich aber eine dauernde Hebung dieſes ſelben Niveau's wahr. Schon ſind die ſchroffſten Klaſſenabſtände der alten und mittlern Zeit beſeitigt, ſchon ſind die Selaverei, die Leibeigenſchaft, die Unterthänigkeit mit einer Menge von Feſſeln der Erwerbsthätigkeit und geiſtigen Regſamkeit für einzelne Klaſſen bei den gebildetern Völkern geſchwunden, mit ihnen der äußerſte Grad des Elends und der Rohheit der davon Betroffenen. Schon erſtrecken ſich Unterricht und Bildung weit gleichmäßiger auf alle Stände, als dies ſelbſt noch im vorigen Jahrhundert der Fall war, indem die Bil⸗ dungsmittel fortwährend billiger und allgemein zugänglicher
werden. Schon iſt dem Talent, der Tüchtigkeit ein weit weniger durch Geburt und Beſitz eingeengter Spielraum ge⸗ ſichert, und die Unterſchiede rückſichtlich geiſtiger wie mate— rieller Bedürfniſſe zwiſchen den einzelnen Klaſſen werden immer geringer. Was aber beſonders bei dieſem Laufe der Dinge angeſchlagen werden muß, iſt die unleugbare Wahr⸗ nehmung: daß mit fortſchreitender Civiliſation ſich überall die Eingriffe des Staates in die wirth⸗ ſchaftlichen Strebungen und Beziehungen ſeiner Bürger vermindern, im Allgemeinen alſo eine An⸗ näherung an den natürlichen Zuſtand Stattfindet; und
daß der Grad des Wohlſtandes in den einzelnen Ländern ſtets mit Verminderung dieſer Staats⸗ eingriffe, mit dem Grade der Annäherung an die natürliche Freiheit im Verhältniß ſteht. So ſchafft die Arbeit des Freien mehr wie die des Sclaven, ſo producirt die Induſtrie beſſer und billiger bei Aufhebung der Schutzzölle. Und jemehr die Gewerbsverfaſſung ſich der natürlichen Freiheit nähert, deſto größer der Nationalwohl⸗ ſtand. Nehmen wir England und die Schweiz, Län⸗ der, keineswegs an Klima und Produkten von der Natur be⸗ ſonders begünſtigt, aber faſt ganz von jenen künſtlichen Schranken und Hemmungen befreit, und in beiden ein Wohlſtand, eine Höhe der Induſtrie, wie kaum anderswo. Deutſchland und Frankreich dagegen, mit mindeſtens ebenſo viel natürlichen Hülfsquellen, aber mehr in Gewerbs⸗ und Handelsbeſchränkungen befangen, ſchon in merkbarerem Grade gegen die erſteren im Rückſtande. Spanien endlich, mit der günſtigſten natürlichen Beſchaffenheit, trotz der an ſich geriſſenen Schätze zweier Welten, im fortwährenden Bankerott.
Aus dem Zigeunerleben von Paris.
Von Eduard Schmidt⸗Weißenfels.
Zigeunerleben in Paris? wird man billig fragen. Mein Gott, was wollen uns die Leute von der Feder nicht Alles vorreden! Zigeuner in dieſer Stadt des Putzes und der Mode, in dieſem civiliſirten Paris, deſſen Scepter die ganze gebildete Welt regiert? Ja, und dennoch, und trotz alledem, daß man ſich verwundern wird, ſprechen wir einmal vom
Pariſer Ziegeunerleben, denn nicht allein in den Wäldern Ungarns und der Wallachei leben jene ſonderbaren Menſchen, die uns ſeit Pretioſa mehr romantiſch als gefährlich ſcheinen — in der ſtolzen Seineſtadt giebt es deren auch und mehr als man vermuthet, mehr als die Menſchen glauben! Bekanntlich ſehen die Franzoſen hinſichtlich deutſcher
—
——


