Jahrgang 
1857
Seite
495
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m.

wandte Schiefer iſt emaillirt, d. h. in England mit einem dort patentirten Ueberguß von zarter, weißlich grüner Farbe verſehen. Im Männerbade zweiter Klaſſe iſt der aus Eng⸗ land roh bezogene Schiefer hier weiß geſtrichen und lackirt worden. Die Badewannen beſtehen aus einer weißglaſirten Steinmaſſe und gewähren ganz den Eindruck porzellanener Wannen, das Füllen und Entleeren derſelben geſchieht von unten, und zwar haben die Wannen nur eine Oeffnung, durch welche ſowohl das kalte und heiße Waſſer hineinſtrömt, als das unreine Waſſer abfließt. Das Füllen und Entleeren der Wannen nimmt bei dieſer Einrichtung noch nicht die Hälfte der Zeit in Anſpruch, welche dazu bei den bisher üb⸗ lichen Einrichtungen erforderlich iſt. Die Zugſtangen zum

Oeffnen und Verſchließen der betreffenden Ventile werden

von außen dirigirt, ſo daß der Badende ſelbſt den Zufluß und Abfluß nicht bewirken kann. Es liegt in dieſer unge⸗

erſten Klaſſe vorhandenen Fußdecken fehlen und in der erſten Klaſſe zwei Handtücher, in der zweiten Klaſſe nur ein Hand⸗ tuch verabreicht werden.

Jetzt war ich aber, nachdem ich auch ein Wannenbad genommen hatte, mit der Beſichtigung der Waſch⸗ und Bade⸗ Anſtalt in der Schillingsgaſſe nicht am Anfang des Ende, ſondern am Ende des Ende angekommen. Ein ſchwarz⸗ lockiges Mädchen an der Kaſſe der Waſchanſtalt, ließ mich abſolut in dieſelbe nicht eintreten, da ich doch keine Gelegen⸗ heit hatte, dort meine Wäſche zu waſchen. Ich hätte meine Frau mittelſt Benutzung des Waſchraumes als meinen Sub⸗ ſtitut hinſchicken und mir von ihr den Bericht erſtatten laſſen können indeß ich habe keine Frau, und es blieb mir ſo nichts weiter übrig, als zu dem Erbauer der Anſtalt, dem Brand⸗Director Scabell, zu fahren, der in der liebenswür⸗ digſten Weiſe am andern Tage mein Cicerone wurde, mir

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NOeſlentl Nasche Bade Anstalt]

Oeffentliche Waſch⸗- und Zadeanſtalt in der Schillingsſtraße in Berlin.

wöhnlichen Einrichtung wohl nur ein Vortheil ſowohl für den Badenden als für die Anſtalt ſelbſt. Dem muthwilligen und fahrläſſigen Vergeuden des Waſſers wird dadurch von vorn herein vorgebeugt. Beeinträchtigt werden kann der Badende dadurch nicht; denn die einzelnen Zellen im Baderaum ſind nur durch dünne Schieferwände gebildet und ſind oben offen, ſo daß der Badende zu jeder Zeit mit dem im Baderaum permanent anweſenden Wärter ſprechen und jede Hülfeleiſtung

verlangen kann; im Gegentheil wird der Badende durch die fragliche Einrichtung der mehr oder minder großen Unbe⸗

quemlichkeit überhoben, welche dadurch erwächſt, daß er ſich ſelbſt bedienen muß, wenn er während des Badens die Maſſe oder die Temperatur des Waſſers verändert zu haben wünſcht. Der Unterſchied in der Einrichtung der beiden Klaſſen des Männerbades beſteht außer dem verſchiedenartigen Anſtrich des Schiefers darin, daß in der zweiten Klaſſe die in der

ſowohl alle Räume der Badeanſtalt in der Schillingsſtraße als der am 1. Auguſt theilweiſe neu eröffneten Waſch⸗ und Badeanſtalt in der Auguſtſtraße zeigte und mir dabei über Entſtehung, Bau, Einrichtung und Statiſtik der Anſtalten alle nöthigen Aufſchlüſſe gab. Alles Folgende verdanke ich ſeiner Mittheilung, der beſten unbedingt, die es in Berlin giebt, und ſo hoffe ich, wird meine weitere Darſtellung Ihnen und den Leſern des Feierabend ganz genügen. Einen Grund⸗ riß der Einrichtung der Waſch⸗ und Badeanſtalt in der Schillingsſtraße füge ich am Schluß derſelben hinzu. Die erſte öffentliche Waſch⸗ und Badeanſtalt wurde wohl im Jahre 1842 in Liverpool angelegt. Sie ergab äußerſt günſtige Reſultate, und bald entſtanden in allen großen Städten Englands, Frankreichs und Belgiens derartige An⸗ ſtalten. In London bildete ſich ein Central-Verein für die Beförderung der öſſentlichen Waſch⸗ und Bade⸗Anſtalten,