Jahrgang 
1857
Seite
492
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via gehen, und auf der nehmen wir Paſſage. Soviel wird doch der lumpige Stoff da im Boot abwerfen, daß ſie uns und die Jolle frei hinüber ſchaffen.

Und wenn uns der Unterſteuermann nachher ver⸗ klagt?

Wohl weil er ſich betrunken und ſeine Wacht jeden⸗ falls verſchlafen? lachte der Steuermann.Nein, Capi⸗ tain, wenn Sie ſich davor fürchten, können Sie's halten wie Sie wollen, aber meinen Antheil an dem gefundenen Thee laß ich nicht im Stich, ſoviel weiß ich, und wenn hier Jemand dumm genug iſt uns für das Pfund von dem Zeug da einen halben Dollar zu geben, ſo weiß ich wer den Nachmittag wieder unterwegs nach Batavia iſt.

Der Capitain wollte noch Einreden machen, der Ober⸗ ſteuermann widerlegte ſie aber alle, und raſch gingen ſie jetzt daran das Metall, womit ſie ihr Boot befrachtet hatten, zum Marktpreis loszuſchlagen.

Der Unterſteuermann auf der Iſegrimm ſegelte in- deſſen unverdroſſen nach Süden fort, und gerieth Mit⸗ tags, als er die Obſervation nahm und den wirklichen Breitengrad ausrechnete, auf dem er ſich mit ſeinem Schiff befand, in die peinlichſte Verlegenheit, da das mit der Knote gar nicht ſtimmte.

Da übrigens der Chronometer nicht mehr richtig ging, was er jedoch natürlich nicht wußte, fand er ſich in den Inſeln, die er unterwegs traf, gar nicht aus, und lief ſie faſt alle an, immer in der Meinung das ſei endlich Java. Zu ſeinem Glück überholte ihn endlich ein engliſches Schiff, das aus der Straße von Malacca kam und nach Sydney wollte. Mit der Hilfe deſſelben richtete er ſeinen Chronometer wieder, bekam die ordentliche Diſtance und erreichte endlich, freilich nach tüchtiger Verzögerung, glück⸗ lich die Rhede von Batavia.

Eigentlich war es ihm übrigens recht, daß er ſeine beiden Vorgeſetzten auf ſolche Art los geworden. Da er das Schiff nun ſelber in den Hafen gebracht hatte, mußte ihn das bei ſeinen Rhedern außerordentlich empfehlen, und für die Reiſe durfte er ſich überdieß als Capitain der Iſegrimm betrachten ja wer wußte ob ihm die Rheder nicht jetzt das Schiff für immer ließen. Von jenem Abend brauchte er ja weiter Nichts zu erzählen, und ſeinen Bericht über die Flucht des Capitains und Oberſteuermanns wollte er ſchon machen.

Kaum war deshalb auch der Anker in die Tiefe gerollt und ſeine Flagge aufgezogen, als er in die Cajüte ging, die er jetzt in Beſchlag genommen hatte, dort ſeine Ufer⸗ toilette machte, und nun langſam wieder an Deck ſtieg, an Land zu fahren und dort dem Kaufmann, für den ihre Ladung beſtimmt war, ſeinen Bericht abzuſtatten.

Ein von Malayen bemanntes Boot hatte ſchon, wie es dort Gebrauch iſt, ſeine Dienſte angeboten, und Meier ſtand, die Blechbüchſe mit den Papieren unter dem Arm, an Deck.

Zwiſchen den Schiffen durch, vom Lande her, ruderte da ein Boot, in dem unter einem Sonnenſegel zwei Euro⸗ päer ſaßen.

mann, der neben ſeinem Vorgeſetzten ſtand,das Ding ſieht gerad' ſo aus wie unſere alte Jolle und ſie hal⸗ ten auch genau auf uns zu.

Der Unterſteuermann ſagte gar Nichts, aber es kam ihm bald ſelber ſo vor, und geſpannt erwartete er das Nahen des Bootes, das gleich darauf dicht neben dem

nichts weiter erwähnen.

Hol's der Teufel, Meier, ſagte da der Zimmer⸗

malayiſchen langſeit lief. Wer darin ſaß, hatte er wegen des Sonnenſegels noch nicht erkennen können.. Jetzt kamen die beiden Europäer darunter vor, und

als da einer von ihnen den Kopf hob, rief der Unterſteuer⸗ mann ordentlich erſchreckt aus.

Hol' der Teufel der Capitain!

Guten Tag, Meier, ſagte dieſer aber vollkommen ruhigIhr ſeid hölliſch lange ausgeblieben, daß wir Beide, in der Nußſchale von einem Ding, da eine Spazier⸗ fahrt machen und Euch doch wieder überholen konnten.

In dem Boot ſind Sie aber doch nicht nach Batavia

gefahren? rief der Unterſteuermann, und behielt den

Mund vor lauter Erſtaunen offen. Der Capitain klet⸗ terte, ohne dem Unterſteuermann für jetzt weiter Rede zu ſtehen, von ſeinem Oberſteuermann gefolgt, raſch an Deck, und gab hier ſo ruhig ſeine Befehle, als ob er nicht einen Augenblick den Fuß an Bord geſetzt hätte.

Sind das alle die Papiere, Meier? frug er dabei, indem er nach der Blechbüchſe griff.

Ja Capitain, ſagte Meier, noch vollſtändig verblüfft, aber aber wie um Gottes Willen ſind Sie denn eigentlich

Ich will Euch etwas ſagen, Meier, meinte der Ca⸗

pitain freundlich, indem er ihn an einem Knopf faßte und

Ich will von jenem Abend an Bord Das nächſte Mal aber, wenn ich Euch wieder Grog geben laſſe, dann bedenkt hübſch, daß Ihr mit als Officier des Schiffes vor allen Anderen nüchtern bleiben müßt. Es iſt kein Spaß zu zweien ein ſolches Schiff zu regieren, und daß ich dabei über Bord fiel, wahrhaftig kein Wunder. Zum Glück hing das Boot dahinten ſo, daß es der Oberſteuermann allein niederlaſſen konnte ich wäre ſonſt verloren geweſen, denn mit den Kleidern iſt ſchlecht ſchwimmen. Wie uns übrigens das Schiff, das der Oberſteuermann allein nicht beilegen konnte, ohne Mann am Steuer, ſtatt durch den Wind zu drehen, davon lief, glaubt ich meiner Seel nicht mit dem

bei Seite führte.

Leben davon zu kommen. Glücklicher Weiſe hat uns noch

ein Amerikaner gefunden und aufgenommen, und da Alles gut abgelaufen iſt, und Ihr das Schiff ordentlich in den Hafen gebracht habt, mag es dießmal darum ſein, und ich will weiter keine Anzeige davon machen.

Aber Capitain

Schon gut; Steuermann ſeht nur vorn nach dem Anker, daß er ordentlich liegt, denn es kann hier manch⸗ mal ganz verwünſcht wehen. Ich will mich nur umziehen und dann gleich an Land fahren, und damit tauchte er in ſeine Cajüte unter.

Guten Tag Meier, ſagte der Oberſteuermann, der jetzt ebenfalls an den Fallreeps herauf kam und nach dem Quarterdeck zu ginghabt Ihr gehört was Euch der Alte geſagt hat?

Ja aber ſtammelte Meier, der noch immer nicht wußte, was er aus dem Allem machen ſolle.

Na dann iſt's gut; dann thut es auch, aber apropos unterbrach er ſich plötzlich, als er vor Meier ſtehen blieb und ihn aufmerkſam betrachtete.Ich glaube gar, Ihr habt da eins von meinen Hemden an?

Ja Steuermann, ich ich dachte

Na geht nur hinunter und zieht es wieder aus, denn bei der Arbeit könnte es ſchmutzig werden, und dann ſeht nach dem Anker. Und ohne ſich⸗ weiter mit dem Ver⸗ blüfften einzulaſſen, folgte er dem Capitain in die Cajüte.

Meier ſtand wirklich da wie vor den Kopf geſchlagen;

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