Jahrgang 
1857
Seite
486
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das am Beſten erläutern. gegen die Wirkungen des Eigenintereſſe im Verkehr, welche ſich, wie wir in Nr. II. dieſer Skizzen ſahen, mittelſt

der Formel:Leiſtung gegen Leiſtung, Nichts ohne

77 Entgelt bethätigten, iſt der Raub. Im ungezügelten Begehrungstriebe, aus Scheu vor oder aus Unfähigkeit zu

der Arbeit, läßt ſich der rohe, ungebildete Menſch hinreißen,

anſtatt ſich ſeine Bedürſniſſe durch eigne Thätigkeit zu ſchaf⸗ fen, Früchte fremden Fleißes zu dieſem Behufe wider den Willen des Beſitzers ſich anzumaßen, und dieſem Gewalt anzuthun. Jemehr indeſſen die Kultur fortſchreitet, das ſtaatliche Leben ſich ausbildet, deſto gefährlicher und unmög licher wird es, offnen Raub zu üben und das Gelüſt, auf fremde Koſten zu leben, ſieht ſich daher genöthigt, andre Wege einzuſchlagen, um zum Ziele zu gelangen. Zunächſt den der Ueberliſtung, des Betrugs, indem man ſich den Schein giebt, für das, was man in Anſpruch nimmt, Etwas zum Rekompens zu geben, dabei aber den Andern über die Realität der Gegenleiſtung täuſcht, und nicht ſelten etwas ganz Nichtigem einen illuſoriſchen Werth beilegt. Dies iſt unter Anderem die Art, wie ſich Prieſterkaſten vor Alters die Herrſchaft über die Gemüther und Beutel des Volkes ver⸗ ſchafften, indem ſie ihm, gegen Ueberlieferung des ſchnöden Mammonn die Vermittelungüberirdiſcher Schätze verhießen und ſich als Hüter an die dunklen Pforten des Jenſeits ſtellten*).

*) Der Herr Verfaſſer will damit ohne Zweifel nicht ſagen, daß der

Der älteſte und roheſte Eingriff

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Und noch heute übt jeder Charlatan, jeder, der die

Geſellſchaft über die Nothwendigkeit ſeiner Leiſtungen zu

täuſchen, ſich ihr als unentbehrlich aufzudringen weiß, jeder, der vom fremden Schweiße ohne irgend eine nützliche Thätig⸗ keit ſeinerſeits lebt, dieſe durch hohe Vorgänge geadelte Kunſt. Da indeſſen auch ihr die ſteigende Bildung und öffentliche Gerechtigkeit immer engere Schranken zieht, ſo hat ſich die Eigenſucht auf einen dritten Ausweg geworfen, verderb⸗ licher und ſchwerer zu bekämpfen, als beide vorige zuſammen, da er die Mittel beider, Liſt und Gewalt, in ſich vereinigt. Gerade weil das Geſetz es iſt, mit der hinter ihm ſtehenden öffentlichen Macht, vor denen Raub und Betrug die meiſte Furcht haben, ſo war es ein Meiſterſtreich ihrerſeits, ſich ſelbſt mit der Autorität des Geſetzes zu bekleiden, ſich ſelbſt der öffentlichen Gewalt zu bedienen, um die Früchte fremder Arbeit an ſich zu bringen. Wirklich ſteht die Sache gegenwärtig ſo, und der Raub(die zwangsweiſe Aneignung fremden Gutes ohne Entgelt) unter der Aegide des Ge⸗ ſetzes iſt die Loſung unſerer Tage, das erſehnte Ziel, wel⸗ chem jene Schmarotzer der Geſellſchaft auf den man nigfachſten Wegen gierig nachjagen.

Entſtehung des bevorrechteten Prieſterthums die Abſicht des Betrugs hung g

und der Ausbeutung zu Grunde liege es wäre dies nach unſrer

Ueberzeugung eine unrichtige geſchichtliche Auffaſſung ſondern nur,

daß die einmal gewonnene prieſterliche Autorität vielfach zu Ausbeutung

und Betrug misbraucht worden. D. Red. (Schluß folgt.)

Die plaſtiſchen Darſtellungen der Pilze.

Von Ludwig Köhler.

Eines der wunderbarſten Gebilde der großen Werk⸗ meiſterin Natur ſind die Pilze oder Schwämme, jene krypto⸗ gamiſche Pflanzenfamilie, die man erſt in neueſter Zeit in ihrer vollen Bedeutſamkeit zu würdigen begonnen hat. Kin⸗ der einer Nacht, erreichen die Schwämme meiſt in ſehr kur⸗ zer Zeit, wenn es hoch kommt, in wenig Tagen ihre volle Entwickelung und fallen dann mit einem Male in Staub und Aſche zuſammen, ohne, wie die Obſtarten, einen zweiten Gährungsproceß durchzumachen; die wenigſten leben über vierzehn Tage; die meiſten erreichen nur ein Alter von drei bis vier Tagen. In der Regel ſind die Pilze klein und er⸗ ſcheinen nur als Staub oder Fäden, die größeren, und von dieſen ſoll nur hier die Rede ſein, als Kugeln, Walzen und Hüte, meiſtens nur einige Zoll hoch, ſelten über eine Spanne groß; doch ſahen wir erſt jüngſt einen eßbaren Pilz(Pistu- lina hepatica), der über zwölf Pfund wog und zwei Fuß im Durchmeſſer hatte. Ueber die Entſtehung der Schwämme iſt man noch nicht ganz im Klaren. Sie ſcheinen zum Theil durch Erzeugung aus organiſirbarem Schleime zu entſtehen; die Samen, die eigentlich nur Keimkörner ſind, liegen ent⸗ weder loſe zwiſchen dem Zellgewebe oder in häutigen Behält⸗ niſſen. Da ſie höchſtens aus Haut, Samenbehälter und einem Stamm beſtehen, gehen dieſen Gebilden viele charak⸗ teriſchen Merkmale der phanerogamiſchen Pflanzenwelt ab; ſie haben weder Blüthe noch Blatt, weder Aſt noch Wurzel, wenigſtens iſt die letztere nur äußerſt ſparſam vorhanden. Der Hut erſcheint bei den mehr ausgebildeten Schwämmen in der Regel als ein fleiſchiger, haut⸗ oder knochenartiger, holziger Körper, auch wohl als ein bloßer Knorpel, eine Gallerte. Die Form derſelben iſt bald kreisrund, bald ge⸗

wölbt, im Alter oft vertieft, oben ausgebreitet, auch in der Mitte erhaben, bald ohne beſtimmte Geſtalt, bald als eine über große Flächen ausgebreitete Haut. Er trägt dann an der unteren Seite den Samenbehälter, beſtehend aus einer mehr oder minder dünnen Haut, worauf dünne Röhrchen, kleine Schläuche, Blättchen, Stacheln, Falten oder wachs⸗ artige Runzeln als die eigentlichen Samenträger ſich befinden. Die Samen ſelbſt erſcheinen dem unbewaffneten Auge als ein feiner, oft geſtaltloſer Staub, in der Regel von der Farbe der Hautoberfläche. Der ſogenannte Stamm kommt faſt immer lang geſtreckt, walzig vor, ſonſt auch wohl gewunden, veräſtelt, nicht immer ſenkrecht, ſondern bisweilen in ſchiefer oder wagrechter Lage, und geht zu⸗ weilen unmerklich, ohne Abſatz in den Hut über. Manche Schwämme finden ſich vor ihrer vollſtändigen Entwickelung in eine Hülle eingeſchloſſen, ſo daß ſie in dieſer Bekleidung unkenntlich erſcheinen. Umgiebt dieſe Hülle ſowohl Hut als Strunk, dann nennt man ſie Scheide, und dieſe ſieht man dann nur bei ganz jungen Schwämmen vollſtändig, ſpäter zerriſſen, als kleine Fetzchen, Wärzchen auf Hut und Stamm (z. B. beim Fliegenſchwamm). Geht dagegen jene Umhül⸗ lung bloß vom Hutrand nach dem Stamm hin, ſo heißt ſie Schleier, von dem dann bei weiterer Entwicklung am Stamm ein Kranz, Ring genannt, übrig bleibt, der zuweilen ver⸗ ſchiebbar, zuweilen feſt angewachſen iſt. Die Scheide iſt von dichterer Subſtanz, als der Schleier, letzterer häufig nur ein ſpinnwebartiges Netz, das bei der Reife in Fetzen zwiſchen Hut und Stamm ſchwebt. Als Schmarotzer wachſen die Schwämme auf allen Pflanzentheilen, vorzüglich auf den Wurzeln der Bäume; ſie wachſen raſch empor bei feuchtem

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