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keinem dieſer Schlöſſer mangelte. Schon bei Nennung des Namens läuft uns ein eiskalter Schauer über die Haut(die Henneberger ſagen, ſie kriegen eine Gänſehaut). Aber noch ein größerer Schauer bemächtigt ſich uns, wenn wir durch die auf der nördlichen Seite durch Herzog Bernhard von S.⸗Mei⸗ ningen gebrochene Oeffnung in das Innere des Gewölbes treten, das nur von oben durch ein rundes Loch ſpärlich er⸗ hellt wird. Durch dieſes Loch ſind unſtreitig die Unglücklichen herab in die kalte, feuchte Finſterniß gelaſſen worden, aus welcher ſie nimmer wiederkehrten. Denn das Winſeln und Wehklagen dieſer Aermſten der Armen hallte vergeblich an den 11“ dicken Wänden des Gefängniſſes wider und drang nicht zu den Ohren der Ritter, deren Herz noch härter war, als der Stahl ihrer Streitſchwerter. Denken wir uns erſt die menſchlichen Gerippe hinzu, die man beim Oeffnen des
Thurmes auf dem Boden umherliegend fand, dann haben
wir das grauſenerregende Bild in ſeiner ganzen Vollendung.
Doch wir eilen von dieſem ſchauerlichen Orte hinweg und ſchreiten hinaus in der Sonne ewigen Glanz, wo uns an der durch junge friſchgrüne Tannen gebildeten Brüſtung ein liebliches Bild entgegenlächelt. Denn der Berg beherrſcht eine weite reizende Fläche. Im Süden gleitet dein Auge über das alte Gemäuer hinweg auf den wellenförmigen Bo⸗ den des geſegneten Frankenlandes, der Kornkammer eines großen Theils der hennebergiſchen Länder. Dort auf dem
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giſchen Erbfolgekrieges die Würde und das Amt eines Statt⸗ halters von Thüringen. Von Wilhem VI. erhält das henne⸗ berger Land ſeine erſte Landesordnung(1539), die älteſte des Herzogthums Meiningen. Berthold, Georgs I. Sohn, ſitzt auf dem Kurfürſtenſtuhl zu Mainz. Und Otto von Botenlauben, durch ſeine Dichtung und die Ehe mit der frommen dem Orient entſtammenden Beatrix mit einer Glorie umgeben, glänzt als ein heller, freundlicher Stern in der langen Reihe der vielfach gegliederten Dynaſtie. Georg Ernſt, der die Reformation in ſeinem Lande einführte, war der letzte ſeines Stammes. Mit ihm erloſch da, wo ſein Haus Anfang und Namen gewonnen, die Dynaſtie und ihr Beſitz ging an das wettiniſche Haus, an Sachſen über. Er ſtarb in dem Trottiſchen Steinhaus zu Henneberg.
Von Mellrichſtadt aus drohte im Bauernkrieg der Burg der Untergang. Gleich nach Oſtern des Jahres 1525 be⸗ wegte ſich ein Haufe von 8000 Bauern, die in dieſer Stadt lagen, ſengend und brennend über den Rücken der Schanze, über welche die Straße ſteigt; ſie nahmen das Schloß, zün— deten es mit Feuer an und zerbrachen's, ſo feſt es auch war. Die An⸗ und Rädelsführer der Verblendeten wurden theils
durch den Biſchof Konrad zu Würzburg in Mellrichſtadt,
kahlen Rücken von den bläulichen Wellen der Saale umflu⸗
thet, liegt die höchſt intereſſante, geſchichtlich berühmte Salz⸗ burg, das alte Caſtrum Salz, wo Kaiſer Karl der Große öfters ſein Hoflager aufgeſchlagen. Etwas rechts erkennſt du, jedoch nur mit bewaffnetem Auge, die Zinnen der unbe⸗ zwungenen jungfräulichen Feſte Marienberg über dem jugend⸗ lichen Main, wo der feurige Leiſten und Stein glüht. Und hier, in dichter Nähe, müßteſt du das mauerumgürtete, mit maleriſchen Thürmen und Thoren gezierte Städtchen Mell⸗ richſtadt, am Anfange des fruchtbaren Streugrundes ſehen, wenn es nicht durch die Schanze, einen Theil der von der Rhön öſtlich nach dem Thüringerwald hinziehenden Main⸗ Weſer-Waſſerſcheide, verdeckt wäre. In der Nähe dieſes Städtchens befindet ſich das Schlachtfeld, auf welchem im Jahr 1078 den 8. Auguſt die entſcheidende Schlacht zwiſchen Heinrich IV. und Rudolph von Schwaben geſchlagen wurde. Hier fand auch Poppo I., der wahrſcheinliche Erbauer unſe⸗
rer Burg, den Heldentod und zwar auf eigenem Grund und
Boden. Zwar vernehmen wir aus dem Munde des Volkes, daß ſie ſchon im 5. Jahrhundert geſtanden; ebenſo hören wir von daher, daß es von fernher kommende Ritter geweſen, die ſie erbaut, und daß dieſelben ihr den Namen Henneberg nach einer vor ihnen auffliegenden Henne gegeben; allein urkundlich kommt die Burg erſt im Jahre 1037 vor, in welcher Zeit Graf Poppo als Erbherr des Schloſſes Henne⸗ berg erſcheint und der Berg trug ſeinen Namen ſchon, be⸗ vor die Burg erbaut worden.
der eine, der andere aber lachte.
theils durch den Grafen Wilhelm VI., der zu dieſer Zeit re⸗ gierte, vor dem Schloſſe zu Maßfeld enthauptet. Da woll⸗ ten ſie auch zwei Bauern von Sülzfeld, beide Ziegelbrenner, ihren Lohn geben. Es waren dies die Einzigen, die von den Bewohnern des Orts übrig geblieben. Als dieſe den Weg gehen ſollten, von welchem Keiner wiederkehrt, weinte Auf die Frage nach dem Grunde dieſes Gebarens antwortete der erſte: wer denn nun die herrſchaftlichen Gebäude mit Ziegeln verſehen würde, wenn er todt wäre? Der zweite ſprach: wohin er ſeinen Hut ſetzen ſolle, wenn er keinen Kopf mehr hätte? Da man aber damals noch etwas auf einen guten Humor hielt, ſelbſt wenn ſich derſelbe bei einem ſo ernſten Auftritt kundgab, ſo ließ man beiden ihre Köpfe, dem einen, damit er Ziegel brenne, wie zuvor, dem andern, daß er ſeinen ſchäbigen Dreimaſter, der zu jener Zeit ebenſo beliebt war, als in unſern Tagen die Schlapphüte unſerer Damen, wieder unter⸗ oder vielmehr aufbrächte.
Weſtlich hinter dem am Fuße des Berges ruhenden Dorfe ſchauſt du den niedlichen herzoglichen Wildpark, Faſa⸗ nerie, mit einem netten Luſtſchlößchen am ſüdweſtlichen Saume deſſelben, und hinter dieſem den ehemaligen großen,
nun zu Wieſen umgeſchaffenen hermannsfelder Teich, der
Graf Poppo, jedenfalls ein Nachkomme der alten Gau⸗
grafen, die während der Gauverfaſſung Deutſchlands unter Karl d. Gr. aufkamen, ſtand wie viele ſeiner Nachkommen in großen Ehren bei den deutſchen Königen, insbeſondere bei Konrad II. und Heinrich III. und IV. und erwarb ſich um Kaiſer und Reich großes Verdienſt. Der ritterliche Graf
Poppo VII. erſcheint in dem Heereszug der Hohenſtaufen
gegen die Sarazenen, außerdem glänzte er durch häusliche Tugenden. Ein Hermann I. begleitet während des thürin⸗
nebſt Zöllen, Zinſen, Wäldern, Wonnen, Weiden und Gütern, deren eins das jetzige herrſchaftliche Gut zu Henneberg aus⸗ macht, zur Erhaltung der Burg gehörte. Ueber dieſem Teiche erheben ſich in maleriſcher Gruppirung die Vorberge der Rhön, der koniſche, in Laub gehüllte, mit einer hennebergi⸗ ſchen Burgruine geſchmückte Hutsberg, der ebenfalls wal⸗ dige ſchroffe Neuberg mit einer hübſchen Felſenpartie und der langgedehnte, mit fruchtbarem Artland bedeckte Rücken der Geba, die ob ihrer großartigen Fernſicht weit und breit bekannt iſt. Den herrlichen Proſpekt ſchließen die bläulichen Streifen der langen Rhön ſelbſt.
Wendeſt du dich endlich gen Norden, ſo ſchweift dein Blick über die liebliche Werragegend hinweg nach dem nord⸗ weſtlichen Theil des romantiſchen Thüringerwaldes, aus welchem wie ein König der majeſtätiſche Inſelsberg ſich erhebt.
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