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Ruinen einer Burg. Das iſt das alte Schloß Henneberg, die Stammburg der einſt ſo berühmten Grafen gleiches Namens.
Auf einem ſchmalen Pfädchen, das ſich vom Dorfe aus im Zickzack durch wogendes Getreide hinaufwindet, erreichen wir gemächlich des Berges Gipfel, uns rechts und links um⸗ ſchauend nach der ſich allmälig erſchließenden ländlichen Um⸗
mächer hohen Fenſtern auf die ſonnengebräunten gewappne⸗ ten Männer herabſchauten, da halten bei nächtlicher Weile der Fuchs und der Baummarder ihr Stelldichein und die lichtſcheue Brut der Eulen, die in altem Gemäuer ihre Woh⸗ nung aufgeſchlagen, ſtimmt ein gräulichſchönes Konzert an. Einen ſchreienden Gegenſatz dazu bilden freilich die jeweilig
hier veranſtalteten Feſte, wo der friedliche Reigen ertönt und die ſaftige Bratwurſt, der Leckerbiſſen der Henneberger, mit Luſt verſpeiſt wird. V
Hier ſtarren uns aus hohem verrastem Schutt die voll⸗ runden Bogen der innern Gemächer bis nahe an die Kapi⸗ täler entgegen. Dort ſtehen traurig auf halbverſunkenen, verſchütteten Gewölben jene langgeſtreckten hohen Wände der Weſtſeite der Burg mit ihren hohlen Fenſteröffnungen, durch
gebung. Nachdem wir zuletzt einige hundert Schritte im Schatten des üppigen Laubwaldes gewandelt ſind, aus wel⸗ chem der klangvolle Ruf des ſcheuen Kukuks zu unſerm Ohre dringt und das Girren des argloſen wilden Taubenpaars, das die Nähe des über ihm kreiſenden Habichts nicht ahnt, ſtehen wir unvermerkt vor dem noch immer tiefen Wallgraben der Burg, hinter welchem auf ſchroffen Felſenklippen, in dieſe wie eingegoſſen, mit mächtigen Strebepfeilern geſtützt, ſich
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Die Ruine Henneberg.
welche der ſcharfe Nordweſt pfeift. Es ſcheinen dies die Ueberreſte der im byzantiniſchen Styl erbauten Hauptgebäude der Burg geweſen zu ſein, deren Fronte dem Dorfe zugekehrt war. Und uns zur Linken, auf der nördlichen Seite dees Hofes ſchauſt du den Stumpf des coloſſalen runden, aus Kalkſteinquadern erbauten, etwa 50“ hohen Thurmes, auf welchem ſich im Laufe der Zeiten Kiefern von zum Theil nicht unbeträchtlicher Höhe, friedlich nebeneinander wohnend, an⸗ geſiedelt haben. Auf ihrem herabhangenden Gezweige ſitzt das Finkenmännchen und klagt bei bedecktem Himmel in langen, trüben Tönen ſein Leid und das heißere Gekrächze der Raben dort auf dem alten Birnbaum leiſtet ihnen ge⸗ treulich Beiſtand. Ueber den Namen und die Beſtmmung dieſes Thurmes, von welchem unſer Bild eine flüchtige An⸗
die hohen zerbrochenen Wände derſelben erheben. Noch eine kleine Krümmung, nach Nordoſt, und wir ſind vor dem äußern Burgthor. Es hindert uns nichts, ſogleich einzu⸗ treten,— denn es ſteht längſt offen.
Die gewichtigen Ketten der Zugbrücke raſſeln nicht mehr; dieſe iſt hinabgeſunken und das aus der deutſchen Eiche ker⸗ nigtem Holz gezimmerte Thorgebälke iſt aus den Angeln ge⸗ hoben und vermodert. Alles hinieden iſt vergänglich, auch das Härteſte und Zäheſte!— Beim Eintritt in den weiten,
länglichviereckigen, von Mauern umgebenen Burghof ergreift uns noch mehr ein eigenes, wehmüthiges Gefühl von dem ſteten Wechſel der Zeiten. Denn alles iſt öde und leer, iſt todt und ſtille. Da wo einſt Ritter und Knappen unter dem
ſchmetternden Horn des Thorwarts vom ſiegreichen Strauß
heimkehrend, ſich auf muthigen Roſſen tummelten und die ſicht gibt, wirſt du nicht lange in Ungewißheit bleiben. Es
zarten Burgfräulein mit liebeſtrahlendem Auge aus der Ge⸗ iſt das Burgverließ, ein Gebäude, welches, wie es ſcheint,“
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