Jahrgang 
1857
Seite
478
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hier 1602 den 2. Mai geboren und ſtarb zu Rom 1680 als Profeſſor der mathematiſchen Wiſſenſchaften. Eine gute Viertelſtunde vor Geiſa liegt im ſchönen Wieſengrunde aus⸗ gebreitet das anſehnliche Dorf Borſch, über dem rechten Ufer der Ulſter, an der Bremen.

Südlich über dem Städtchen erhebt ſich hinter dem mit drei Kreuzen geſchmückten Boxberg der in Laub gehüllte kegelförmige Rockenſtuhl, deſſen 1604 hoher Giöpfel einſt eine Burg trug, von welcher jedoch nur noch einige unſchein⸗ bare, von Buchengeſtrüpp verdeckte Mauerreſte vorhanden ſind. Die Burg war der Sitz des Amtes Rockenſtuhl, welches aber im 17. Jahrhundert, als das Schloß anfing baufällig zu werden, nach Geiſa verlegt wurde. Eine herr⸗ liche Ausſicht, beſonders auf den romantiſchen Ulſtergrund, belohnt die Mühe des Erklimmens.

Am öſtlichen Fuße des Rockenſtuhls, an der Apfelbach,

Weſtlich von Geiſa, hinter einem ſteilen Kalkrücken, über

welchen die Straße nach Hünfeld und Fulda geht, liegt an

dem zur Ulſter gehenden Tafteflüßchen das anſehnliche heſſi⸗ ſche Pfarrkirchdorf Rasdorf. Es hat daſſelbe eine ſchöne Kirche, und über ihm ſteht auf einem belaubten Bergkegel, dem Gehülfersberg, die Kapelle zu den 14 Nothhelfern. Wie jene oben erwähnten Orte, ſo iſt auch dieſes Dorf durch

den Rückzug Napoleons bekannt geworden. Zu jener Zeit⸗

vernahmen unſere Väter, auch wohl die ältern Leſer dieſes Blattes in nicht allzugroßer Entfernung eine heftige Kano⸗ nade. Es war das grobe Geſchütz des Grafen Platow, der dicht vor dem Orte die flüchtigen Franzoſen angriff, vor deren Andringen die Dorfbewohner mit Hab und Gut in die nahen Berge flohen. Er brachte ſie zwar in einige Verwir⸗ rung, konnte ſie jedoch nicht aufhalten, da er zu ſchwach war. Das war dem Fürſten Wrede vor Hanau vorbehalten. Aber

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Das Kloſter Veſſra im Hennebergiſchen.

die hier in die Ulſter mündet, ruht das ſtille, von fruchtba⸗ ren Obſtbäumen umgebene Dörfchen Motzlar(Mutzleres im Graffeld). Dieſes Dörfchen gibt uns ein Beiſpiel von der Macht des Gebetes und des Vertrauens zu Gott. Vor etwa 300 Jahren wüthete hier, wie in mehreren umliegenden Orten, die Peſt auf eine ſo grauenvolle Weiſe, daß von ſeinen Bewohnern nur noch der Pfarrer und der Schulze und noch ein Mann übrig geblieben waren. Da gelobten ſie, der Jungfrau Maria und dem Herrn ein Dankopfer mit großer Prozeſſion bringen zu wollen, wenn die Seuche nachließe, und ſiehe, ſie verſchwand. Weil nun an jenem denkwürdigen Tage, am 6. Auguſt, ein ziemlich hoher Schnee gefallen, ward das Feſt, das nun alljährlich am ſelbigen Tage ge⸗ feiert wird, Maria Schnee genannt. In andern Orten erinnern eherne Marienſäulen, wie in Fulda, an jene ſchreckensvolle Zeit.

gar manches Französlein fand ſeinen frühen Tod und ſein kühles Grab fern von der Heimath nach dem blutigen Tage⸗ werk, wie uns die Leute von Rasdorf erzählen.

4. Aus den Vorlanden der Khön. Die Ruine Henneberg.

Wenn du, lieber Wandersmann, auf der belebten würz⸗ burger Straße von der freundlichen Reſidenzſtadt Meiningen kommend, deine rüſtigen Schritte gen Süden hin lenkeſt, ſo gewahrſt du in einer Entfernung von zwei guten Stunden von letzterer dich links oder öſtlich wendend, auf einem mäßig⸗ hohen wohlgeformten Kalkrücken aus dem friſchen Grün der Buchen, mit welchen deſſen Haupt bedeckt iſt, die ſtattlichen

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