Fremden ſchielte, ob dieſer nicht indeſſen mit den Händen ſeinem Arbeitstiſch zu nahe komme,„wiegt etwas über V drei Pfund— nicht viel— nur halb Loth etwa— iſt etwa werth, halben Dollar Pfund macht ein und halben Dollar.“
„Ein und halben Unſinn,“ brummte der Capitain vor ſich hin, den gleichwohl dabei ein höchſt unbehagliches Gefühl beſchlich—„anderthalb Dollar für drei Pfund Gold— das glaub' ich, Alter, das wäre ſo ein Morgen geſchäft. Du biſt weiter kein Jude.“
„Drei Pfund Gold?“ lachte aber der alte unver⸗ wüſtliche Chineſe,„ja, ſchönes Gold. Wenn das Gold wäre, wollte Sing Fua bald ein reicher Mann ſein— Iſt Metall!“ 4
„Ja, das weiß ich daß es kein Porzellan iſt, Holz—
kopf“ murmelte der Seemann vor ſich in den Bart— „aber was für Metall iſt es?— Gold, und wenn Du den richtigen Preis nicht dafür giebſt, kannſt Du Dich auch d'rauf verlaſſen, daß ich nicht dumm genug bin, es Dir zu verkaufen.“
Der Chineſe zuckte die Achſeln, antwortete aber weiter Nichts und begann wieder an ſeiner vorher unterbrochenen Arbeit.
Der Seemann blieb noch eine Weile bei ihm ſtehn, da Jener aber nicht die geringſte Miene machte den Handel noch einmal anzuknüpfen, wickelte er ſeine Barre wieder ein, drehte ſich auf dem Abſatz herum und verließ pfeifend den Stand des Alten.
„Metall!“— das Wort ging ihm jedoch im Kopf her⸗ um— wenn der alte Hallunke am Ende doch Recht hatte, wenn das kein Gold geweſen wäre, und er jetzt, ein paar hundert Dollar wegen, ſein Schiff, ſeine Anſtellung, ſeine ganze Exiſtenz aufgeben hätte?— Aber es war nicht möglich; es mußte Gold ſein, und der alte Schlaukopf hatte ihn nur um die Stange betrügen wollen. Ehe er um die Ecke bog, rief er ihn gewiß zurück. An der Ecke blieb er ſtehn und ſah ſich nach dem Chineſen noch ein mal um; der aber kauerte unbeweglich über ſeiner Arbeit, und kümmerte ſich gar nicht mehr um ihn.
(Schluß folgt.)
Bilder aus den deutſchen Gauen.
V.
Skizzen aus der Rhön.
(Schluß.)
3. Eine Wanderung durch den untern Allſtergrund.
weimariſche Städtchen Vacha, die Nordgrenze der Rhön, auf dem linken Ufer der Werra, über welche hier eine ſchöne Brücke von rothem Sandſtein führt. Das Städtchen iſt
Annenberge erbauten St. Annenkirche und durch die Bild⸗ ſäule des heil. Vitus, des Schutzheiligen der Stadt, die einen der Marktbrunnen ziert; in neuerer Zeit aber durch Napo⸗ leon I., der nach der Schlacht bei Leipzig hier ein Frühſtück einnahm. Wie er aber im beſten Eſſen war, hieß es plötz⸗ lich: die Koſaken, die Koſaken! und Alles im Stiche laſſend, auch ſein koſtbares Tiſchbeſteck, eilte er über Hals und Kopf davon, ſo ſehr flößten ihm die ruſſiſchen Lanzenreiter Furcht ein. Durch das ſüdliche Thor ſchreitend, werfen wir einen flüchtigen Blick auf eine alte gothiſche Grabkapelle aus dem 14. Jahrhundert und treten dann, uns der Frankfurt⸗ eeipziger Straße anvertrauend, wohlgemuth hinaus, den intereſſanten Marſch zu beginnen. Nachdem wir zwei kleine Dörfchen paſſirt haben, gelangen wir nach drei Stunden zu der Poſtſtation Buttlar. Anfangs zieht ſich unſer Weg bald eben, bald wellenförmig, doch immer ſanft anſteigend wiſchen rothem Sandſtein nach jenem Orte hin. Zur Linken ſchaut der ſtolze mit einem bedeutenden Baſaltfelde oedeckte Kegel des Ochſenberges und der etwas höhere, ſattelförmige und fernſichtige Dietrichsberg auf uns herab,
als wollten ſie den Wanderern das Geleite geben. Rechts feeſſelt den Blick der ſchroffe in Laubholz gehüllte Ulſterberg. Selbſt die Spitze des ſchön gewölbten Bayer aus dem nahen Feldagrunde lächelt uns freundlich zu. 1 Bald merken wir, daß wir uns mit raſchen Schritten dem Gebirge nähern; denn der Boden hebt ſich ſichtbar, und friſcher, doch nicht zurückſtoßender Hauch weht uns entgegen. Links und rechts erhebt ſich nun Berg an Berg, die äußer⸗ ſten nördlichen Vorpoſten der Rhön; maleriſche Kegel, einer immer ſchöner als der andere, treten nach und nach, ſich aus *
Zu unſerm Ausgangspunkt wählen wir das freundliche
berühmt durch die Ruinen der von Bonifazius auf dem 3
dem Chaos der Berge abhebend, in unſern Geſichtskreis herein, eine Erſcheinung, welche nicht verfehlt einen ganz eigenthümlichen, wunderbaren Eindruck auf den Wanderer zu machen.
Immer reizender wird die Landſchaft, bis ſich endlich eine gute halbe Stunde von Buttlar der liebliche mit hellen Ortſchaften beſetzte Ulſtergrund vor unſern überraſchten Blicken öffnet, deſſen Südweſtrand die violetten und grotes⸗ ken Spitzen der Kuppenreichen Rhön ſchließen, unter welchen ſich in flüchtigen Umriſſen die majeſtätiſche Milſe⸗ burg zeigt.
Auf der großen Retirade kam Napoleon I. auch durch Buttlar, das am Fuße des mit einer Kapelle gekrönten Michelsberges liegt. General Berthier ſaß in ſeinem Wagen, von einer Abtheilung Gardes d'honneur begleitet, während er ſelbſt tiefſinnend zu Fuß einherſchritt. Die guten Bäuerlein trugen ein Gelüſte nach den vollen Geld⸗ kiſten der Franzoſen und machten ſich kecklich an die Wagen, auf welchen das Geld war. Aber unſere Franzoſen verſtan⸗ den weder Deutſch noch Spaß, ſetzten ſich zur Wehr und ließen ſchließlich den rothen Hahn über die Hütten der Zu⸗ dringlichen fliegen, wovon die Wahrzeichen noch zu ſehen ſind.
Vor jenem unvergleichlichen Bilde, wenn es zumal in der warmen Abendbeleuchtung ſteht, das ſich mit jedem Schritte verändert und verſchönert, das in den glänzend ſten Farben ſpielt, welche je auf der reichſten Palette eines Land⸗ ſchaftsmalers gefunden wurden, verweilt der gefühlvolle Wanderer ſtaunend, und zögernden Schrittes bewegt er ſich vorwärts, fürchtend, es möge ſich ſeinen Blicken zu bald ent⸗ ziehen. Aber dicht vor Geiſa, das wie eine Braut im grünen Kleid der Hoffnung auf einem ſanften, von den blauen Bändern der Ulſter umflatterten Hügel thront, ent⸗ faltet es ſich noch einmal mit aller Pracht und Herrlichkeit.
Das gewerbthätige, zum Eiſenacher Oberlande gehö⸗ rende Städtchen Geiſa birgt eine ſchöne gothiſche Kirche aus dem 15. Jahrhundert und ein Schloß. Es iſt der Geburts⸗ ort des berühmten Jeſuiten Athanaſius Kircher. Er wurde


