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er den Zeiger derſelben vorſichtig mit dem Finger gefühlt, ſprang er erſchreckt aus ſeiner Coye und an Deck.
Alles war hier todtenſtill. Er blieb ſtehn und rieb ſich die Augen, denn er glaubte noch fort zu träumen— aber der durchſchwärmte Abend fiel ihm wieder ein, und er ſchüttelte leiſe vor ſich hin mit dem Kopf:
„Schöne Geſchichte das“ murmelte er dabei—„Wie es ſcheint biſt Du der einzige nüchterne Menſch an Bord, Meier, den Mann vielleicht am Steuer ausgenommen, der—*
Er hielt mitten in ſeinem Selbſtgeſpräch ein und blieb vor Staunen ſtumm vor dem leeren Steuerrad ſtehen. Dann warf er einen raſchen erſchreckten Blick nach den
Die beiden Flüchtigen hatten indeſſen ihre Maaß⸗ regeln ganz vortrefflich genommen, und feſt vor dem Wind, mit der Stelle auf der ſie ſich befanden ganz genau bekannt, und mit eben genug Wind ihr leichtes
Boot raſch über die Wogen zu treiben hielten ſie auf die
Südſpitze von Malacca zu, erreichten dieſe gegen Abend, umſchifften ſie, und landeten am nächſten Morgen glücklich in Singapore, wo ein einzelnes Boot, das man zu einem
der Schiffe gehörig hielt, natürlich gar nicht weiter auffiel.
indeß durch den Wind gedrehten Segeln hinauf, und ſah
ſich verwundert rings an Deck um. Jetzt ſchlugen die Blöcke wieder hinten gegen das Schiff an, und er ſchritt zum Deck, lehnte ſich mit den Armen auf die Schanzklei⸗ dung und ſah hinüber.
In der Stellung blieb er wohl eine Viertelſtunde. Er
ſah die hinunter gelaſſenen Blöcke, ſah daß das Boot fehlte,
und immer noch nicht recht klar im Kopfe zuckten ihm die
Gedanken, was hier wohl vorgefallen ſein könne, herüber
und hinüber durch das Hirn.
Erſt ganz allmählig dämmerte ihm auch die mögliche Wahrheit des Vorgefallenen, wenn er ſich auch noch immer nicht denken konnte, daß der Capitain und Ober⸗ ſteuermann das eigene Schiff auf offener See verlaſſen haben ſollten. Aber er taumelte doch wieder in die Cajüte hinunter, zu ſehen ob der„Alte“ in ſeiner Coye wäre und erſt als er dieſe leer, ſonſt aber Alles in der gewöhn⸗ lichen Ordnung fand, erſt als er den Oberſteuermann ebenfalls nirgends ſehen konnte, begann er das Ganze zu begreifen.
Mit dem Bewußtſein wurde er aber auch auf einmal vollſtändig nüchtern, und verſuchte jetzt von Anfang an das Unmögliche, nämlich die übrige Mannſchaft eben⸗ falls munter und an Deck zu bekommen. Das war aller⸗ dings leichter unternommen als ausgeführt; nur den Zimmermann rüttelte er endlich wach und theilte ihm die wunderliche Entdeckung mit.
Dieſer wollte es allerdings im Anfang gar nicht glauben; es blieb ihnen aber zuletzt kein Zweifel mehr. Das fehlende Boot zeigte ihnen nur zu deutlich, daß die beiden fehlenden Hauptperſonen des Schiffes auch mit dem Boote verſchwunden waren, und ein kurzer Kriegs⸗ rath wurde jetzt gehalten was zu thun ſei: die Flüchtigen aufzuſuchen, dann ihren bisher eingehaltenen Cours zu verfolgen, dann ſich weder um Capitain noch Steuer⸗ mann weiter zu kümmern.
Die Letzteren hatten aber jedenfalls mit dem kleinen ſcharfgebauten Boot einen tüchtigen Vorſprung— wenn ſie wirklich deſertirt waren. Die genaue Richtung die ſie genommen, ließ ſich ebenfalls nicht ermitteln, denn ſie konnten ebenſogut mit dem Nord⸗Oſt Monſuhn nach Süd⸗
Oſt wie nach Süd⸗Weſt geſegelt ſein, alſo blieb ihnen
nichts anderes übrig als ihren Cours beizubehalten, und einfach im nächſten Hafen die Flucht des Capitains wie des erſten Steuermanns pflichtſchuldigſt anzuzeigen. Den Berechnungen nach, die der Capitain in der letzten Zeit auf der Karte angegeben, glaubte der Unterſteuermann auch, daß ſie ganz in der Nähe von Batavia wären, und
das, oder Java überhaupt, getraute er ſich ſchon allein
zu finden.
Hier nun übernahm der Capitain den Verkauf ihres Goldes, während der Steuermann unter einem von den Malayen gekauften Sonnenſegel von geflochtenen Matten zurückblieb und den Schatz bewachte.
Der Capitain hatte übrigens nur eine einzelne Barre in ſein Taſchentuch gewickelt, und ging damit langſam in die Stadt hinauf, irgendwo einen Goldſchmied aufzu⸗ treiben, bei dem er einen kleinen Theil ihrer Barren viel⸗ leicht verwerthen konnte. Wußte er dann erſt einmal den genauen Preis den das Gold hier hatte, ſo ließ ſich viel⸗ leicht mit einem der größeren Engliſchen Geſchäftshäuſer ein vortheilhafter Kauf über das Ganze abſchließen. Wenn ſie auch einige Procente daran verloren, ſo ſchadete das ja nichts. Geld verwandelten, deſto ſicherer waren ſie vor Entdeckung.
Singapore iſt ein merkwürdig belebter Ort; die Stra⸗ ßen wimmelten von Chineſen und malayiſchen Laſtträgern, und Laden reihte ſich an Laden wohin er immer ging. Nur Goldſchmiede ſchien es entſetzlich wenig zu geben, und der Seemann hatte in der glühenden Sonnenhitze die winkligen Gaſſen wohl eine Stunde die Kreuz und Quer durchwandert, ehe er endlich einen alten Chineſen in einem offenen Laden mit dem Löthen eines Ringes beſchäftigt fand.
Der Capitain blieb erſt eine Weile unſchlüſſig vor dieſer unſcheinbaren Werkſtatt ſtehen. Einzelne, auf dem Werktiſch umhergeſtreute goldene Zierrathen ſagten ihm aber doch, daß der Mann da drin jedenfalls zu dem Handwerk das er ſuche gehöre, und ihm, wenn er auch nicht ſelber reich genug ſei das Gold zu kaufen, doch viel⸗ leicht einen Ort anzugeben vermöge, wo er weitere Nach⸗ frage halten könne.
Eine andere Schwierigkeit war mit der Sprache, denn die Chineſen verſtehen gewöhnlich nur ihr eigenes Kau⸗ derwelſch, und höchſtens noch Malayiſch, das ihnen zur Mittelſprache mit den Europäern dient. Der Alte hier machte jedoch glücklicher Weiſe eine lobenswerthe und ſehr erwünſchte Ausnahme von der allgemeinen Regel, denn wenn man auch nicht ſagen konnte daß er Engliſch ſprach, ſo radebrechte er es doch auf eine Weiſe, die den Capitain hoffen ließ, ſich ihm verſtändlich zu machen. Nach kurzer Einleitung— der Frage um den Preis dieſes oder jenes dortliegenden Gegenſtandes, erkundigte er ſich endlich bei dem Alten, ob er ſelber Gold kaufe, und als dieſer dazu freundlich mit dem Kopfe nickte, wickelte er ſeine ſorgſam eingehüllte Barre aus dem Tuch heraus und gab ſie dem alten Chineſen mit der Frage: wie hoch er das Stück da taxire?
„Das da?“ frug der Langzopf, betrachtete ſich das fragliche Stück flüchtig und legte es endlich, ohne es einer weiteren Prüfung zu unterwerfen, auf eine neben ihm be⸗ findliche Wage, die größtentheils aus einem langen ein⸗ gekerbten eiſernen Stab beſtand—„das hier“ wieder⸗ holte er, während er ſich vorbog die Kerben genau zu er⸗ kennen, dabei aber doch auch wieder vorſichtig nach dem
Je raſcher ſie nur die Barren in baar
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