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dringende große Heerſtraße zu decken, wenn ein Heer aus den baltiſch⸗polniſchen Stellungen Dünaburg⸗Modlin⸗Warſchau⸗ Brescz⸗Litewsk⸗Iwanogrod⸗Zamoscz hervorbricht.(Siehe:
Generalmajor v. Peucker's Beiträge für eine zukünftige Wehr⸗
verfaſſung Deutſchlands S. 17— 21).
Unterdeſſen iſt freilich ringsum die Luft vom rollenden Donner der Geſchütze, vom Geknatter eifriger Peloton⸗, Hecken⸗ und Tirailleurfeuer erfüllt. Doch glücklicherweiſe bloß zum friedlichen Schauſpiel oder richtiger zur harmloſen Uebung und
Gewöhnung, welche durch die Herbſtmanövers außerordentlich
gefördert wird. Nur von Uebungen der bekanntlich reorgani⸗ ſirten Bundescorps verlautet nichts, außer daß die Lübecker an den Oldenburger Scheinbataillen theilnehmen. Natürlich, es wird ja auch bloß ein friedliches Schauſpiel ſein, daß gerade jetzt däniſche Truppen nach Holſtein marſchiren, da dort die Stände⸗ verſammlung die ſtreng abgemeſſene Friſt von vier Wochen dazu benutzen darf, einen vieldeutigen, lückenhaften, hinterhaltigen Verfaſſungsentwurf zu prüfen. Darin bewährt ſich die„däniſche Mäßigung“ gegenüber der„deutſchen Unverſchämtheit“— wie der„Pays“, das halbofficielle Organ der franzöſiſchen Kabinets⸗ politik zu ſagen beliebte. Noch mehr deutſche Unverſchämtheit wäre es jedenfalls, wenn etwa bundesdeutſche Truppenzuſammen⸗ ziehungen, obgleich bloß für Scheingefechte, den gemäßigten Truppenmärſchen Dänemarks nach Holſtein entſprechen würden.
Die Manövers, die Verſammlungen der Wandervereine, die fallenden Blätter, der langerſehnte Regen und die frühen
Abende künden den nahenden Herbſt, obgleich die zum zweiten⸗
mal brütenden Störche und die abermals knospenden Bäume im Berliner Kaſtanienwäldchen berufenen Andenkens uns mit neuer Frühlingshoffnung täuſchen wollen. Unſer Frühling iſt gewiß und wahrhaftig vorüber, man mache ſich keine Illuſionen. Am 17. Oktober, dem Leipziger Schlachttage, tritt auch die Bundesverſammlung in dem von Oeſterreich neu angeſtrichenen Palais der Eſchenheimer Gaſſe wieder zuſammen.
Wir baben uns nun in der Welt umgeſehen, welche unſer politiſches Wetter macht und ſoeben ihre waffenglänzenden Herbſt⸗ vorſtellungen giebt— werfen wir jetzt einen Blick auf die Breter, welche die Welt bedeuten. Bekanntlich iſt Goethe als deutſcher, nicht bloß als bundesdeutſcher Dichterfürſt ausgerufen worden. Das iſt alſo heut ſozuſagen ein revolutionärer Begriff, beſonders da nach ſeinem Tode nicht gerufen werden konnte: Le roi est mort, vive le roi. Ohne monarchiſche Spitze lebt die Dichter⸗ republik fort und feiert dennoch alljährlich den Geburtstag des todten Herrn mit wehmüthig⸗ſtolzen Erinnerungen. Auch die
Gottfried Kinkel und Guſtav von Meyern.
nicht ausgeſprochen werden darf, theils bei der vorherrſchenden Apathie der Maſſen kein Auditorium zu finden beſorgt, flüchtet ſich jetzt zuweilen hinter die Poeſie, d. h. ſie bedient ſich des poe⸗ tiſchen Gewandes, um ſich den Späheraugen der Polizei zu ent⸗ ziehen und beim Publikum ſich Eingang zu verſchaffen. So hat die jüngſte Zeit zwei Dramen hervorgebracht, die man wohl beide als politiſche bezeichnen darf, ſo ſehr ſie von einander verſchieden ſind: Kinkel’s Nimrod*), ein Trauerſpiel, und Guſtav v. Meyern's Ein Kaiſer**), jenes der Vergangen⸗ *) Nimrod, ein Trauerſpiel von Gottfried Kinkel. Hannover, Carl Rümpler, 1857.
**) Ein Kaiſer, politiſch⸗dramatiſche Studie in vier Aufzügen, von Guſtav v. Meyern. Gotha, Hugo Scheube, 1857.
Die Politik, welche in Proſa theils„aus polizeilichen Gründen“
demokratiſch geſinnten Theater hatten namentlich ſeit der Säcu⸗ larfeier dieſes Geburtstages die Gewohnheit angenommen, den 28. Auguſt mit einem Goetheſchen Schauſpiel zu bezeichnen. Schon voriges Jahr haben mehre Hoftheater dieſen Mißbrauch wieder eingeſtellt, dies Jahr fanden ſie zahlreiche loyale Nach⸗ folger. Es traf ſich für ſolche conſervative Intentionen auch recht glücklich, daß der Goethetag auf einen Freitag fiel, welcher an vielen Theatern kein Spieltag iſt. Da brauchten ſie nicht, wie es z. B. Mannheim that, mit recht banalen Niaiſerien des Tages Bedeutungsloſigkeit noch wie abſichtlich zu verhöhnen. Die deutſche Bühne hat überhaupt ſo vollkommen Recht, ſich von ihren frühern Traditionen loszuſagen, ſie erlebt ja ſoeben eine Periode des herrlichſten Aufſchwunges, wie weltbekannt iſt. Und wenn etwa Jemand von einem kläglichen Vorfall reden wollte, ſo findet der neue Prätendent für den erledigten deutſchen Dichterthron, Karl Gutzkow zu Dresden, für paſſend, ſich mit einer Philippica gegen die Aufführung klaſſiſcher Dichter— häuslich zu unterhalten. Als Mann von„Welt und Herz“ er⸗ kennt er darin eine Gefahr für das heutige Theater. Goethes, Schillers, Leſſings, Shakespeare's Dramen ſind ja auch den heutigen erhabenen Bedürfniſſen kaum„ein weißes Blatt“; ſich an ihnen erheben und erbauen, iſt nur ein„Zopf“ des Schlen⸗ drians ohne Schwert; ſie zum Vorbild nehmen, heißt„das Ur⸗ bild“ vergeſſen. Was iſt Hamlet, Lear, Fauſt, Götz, Fiesco, Don Carlos gegen„Liesli,“„Patkul,“„Uriel“? Wir müſſen's nur recht verſtehen, dann hat Jeder Recht. Vor Allem mögen aber ſolche Bühnen dieſe trefflichen Bemerkungen beherzigen, welche ſich äußerlich oder innerlich reorganiſiren, wie Braun⸗ ſchweig und Strelitz, oder Wiesbaden, oder Weimar. Auch München wird ein neues Theaterleben ſehen, da neben die große, von einem Gensdarmerieoffizier geleitete Nationalbühne noch ein ſpecielles Theater für höchſtes und allerhöchſtes Publikum tritt. In Wien haben ſie dagegen große neue Häuſer für die Hoftheater zu bauen beſchloſſen, damit das weitere Publikum darin Platz finde, in Darmſtadt ſtudiren ſie eine Oper Hamlet von Stadtfeld, in Dresden einen Mazeppa von Gottſchall, in Karlsruhe eine Cäcilie von Prechtler, in Frankfurt gar nichts Neues, da Herr Friedrich Hagſe ſeine alten Paradepferde fleißig vorreitet— und wir ſollten am Aufſchwunge der deutſchen Bühnenkunſt zweifeln? Nein, gewiß nicht. Aber nur keine „Claſſicitäten“ mehr aus den oben erwähnten Gründen! Selbſt für das Goethe⸗Schillerfeſt zu Weimar wäre„der Königslieu⸗ tenant“ von Gutzkow und am zweiten Tage etwa Laube's„Karls⸗ ſchüler“ anzurathen geweſen.
heit, dieſes der Zukunft zugewandt, jenes allgemein, ſo zu ſagen univerſal, dieſes national. Daß Kinkel wieder etwas von ſich hören ließ, iſt in jedem Fall erfreulich; noch erfreulicher iſt es zu ſehen, daß er durch und durch ein Dichter geblieben und es mag für diejenigen, welche eben nur den Dichter in ihm lieben, wohlthuend ſein, zu finden, daß auch in dieſem politiſchen Drama, welches die Bildung des Staates, zumal des Großſtaates, auf den Trümmern der Unabhängigkeit freier Völker und unter dem ſteten Widerſtand der letzteren darſtellt, der Poet den Politiker weit überwiegt; während andererſeits auch diejenigen, welche Kinkel politiſch näher ſtehen, Gelegenheit haben, zwar ſeine dich⸗ teriſche Kraft zu bewundern, auch im Einzelnen ihm einen feinen hiſtoriſchen Sinn zuzuerkennen, dagegen ſeinen Scharfblick in der Politik der Gegenwart entſchieden zu bezweifeln. Wenn Kinkel in einem dichteriſch ſchönen Vorwort ſagt:


