Jahrgang 
1857
Seite
451
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von Friedensunterhändlernbitten ſollte. Zwei Prediger traten den ſchweren Weg an und kehrten noch an demſelben Tage mit dem Beſcheid zurück, daß die Fürſten ſich bereit erklärt hätten, mit den Regenten des Landes zu unterhandeln.

Am folgenden Tage ward eine große Landesverſammlung gehalten.So viel ihrer an Alten und Jungen gegenwärtig geweſen, ſind auf die Kniee gefallen, und haben Gott in⸗ brünſtig angerufen, er möge ihre Herzen lenken und regieren, ſich zu ergeben, oder ſo ſie ſich ferner vertheidigen ſollten, wolle er ihnen Muth, Stärke und Kraft verleihen, ihren Feinden tapfern Widerſtand zu thun. Und dann ſind die beiden Prediger, der Landesſecretair und fünf der achtund⸗ vierzig Regenten ins feindliche Lager gefahren. Manche der Ritter und Herren hatten bis dahin noch nicht glauben wollen, daß die Dithmarſchen an Ergebung dächten, ſie waren daher ſehr erſtaunt, als ſie die Deputation ankommen ſahen. Ein holſteiniſcher Ritter ſprang aus ſeinem Zelt und rief, indem er die Hände über den Kopf zuſammenſchlug:Gotts Duſend, de Buhr will ſick geven!

Aber waren die Dithmarſchen auch gekommen, um mit ihren Drängern über die Unterwerfung zu verhandeln, ſo waren ſie doch darum keineswegs gewillt, ſo ohne weiteres auf alle harten Bedingungen, welche ihnen geſtellt wurden, einzugehen. Vielmehr erbaten ſie ſich eine kurze Friſt, um dieſelben zuvor der allgemeinen Landesverſammlung zur Beſchlußnahme vorzulegen. Dieſe verwarf verſchiedene Artikel der Capitulation und beauftragte die am 18. Juni in's fürſt⸗ liche Lager zurückkehrenden Abgeſandten, bei dem Feinde den Wegfall oder die Milderung derſelben durchzuſetzen.

Die Sieger waren auch mittlerweile zu der Ueberzeugung gelangt, daß es gerathen ſei, den Bauern erträgliche Be⸗ dingungen zu bewilligen, und ſo verzichteten ſie denn auch endlich darauf, Feſtungen im Lande zu erbauen, das Volk zu Frohndienſten zu zwingen, das beſtehende Landesrecht ab⸗ zuſchaffen und den vollen Erſatz der großen Kriegskoſten zu verlangen. Dagegen mußten ſich die Dithmarſchen verpflichten, ihre Waffen abzuliefern,wozu ſie Ja ſagen, wenn es ein⸗ malnicht anders ſein könne, die vorhandenen Feſtungs⸗ werke zu ſchleifen, die Urkunden herauszugeben und den drei Fürſten die Huldigung zu leiſten.

Am 20. Juni unterzeichneten die Landesverweſer die

Unterwerfungsacte, die letzte Urkunde, ausgeſtellt im Namen

der Bevölkerung des Freiſtaates Dithmarſchen.

Und darauf haben die Beſiegten den Fürſten den Eid der Treue ſchwören müſſen. Um zehn Uhr Morgens, den 20. Juni haben ſich an 4000 Männer auf der Ebene bei dem Dorfe Lohe eingefunden. Das fürſtliche Heer war allda aufgeſtellt, und die Kriegsknechte nahmen die Waffen und Munitionen in Empfang, welche die Dithmarſchen zu über⸗ liefern kamen. Dann ward ein großer Kreis geſchloſſen, in den man ſie einließ. In der Mitte hielten hoch zu Roß

Herzog Johann, der Feldmarſchall Ranzau und die Herrn des Kriegsraths, ſogar der ſchwer kranke Herzog Adolf hatte ſein Pferd beſtiegen, um der Demüthigung der verhaßten Freibeuter zuzuſchauen. Als die Dithmarſchen alle in den Kreis getreten waren, mußten ſie die Häupter entblößen, niederknien und die Fürſten um Gnade anrufen. Dann ward ihnen der Eid vorgeleſen, den ſie laut nachſprechen mußten. Eine tiefe Stille trat ein, als die letzten Worte verhallt waren, und langſam erhoben ſich darauf die ſo tief Gedemüthigten, um in ihre verwüſteten Dörfer zurückzukehren.Nun geht nach Haus und eſſet warmen Kohl! rief der rohe Frevler Herzog Adolf ihnen nach,welches Vielen, ſagt der Chroniſt,ſo ihre angeborene Freiheit lieb, ſchmerzlich zu Herzen gegangen.

Während die Fürſten nach Meldorf aufbrachen, wo die Kriegsbeute getheilt werden ſollte, ſchlichen die Dithmarſchen ſtumm und traurig auf den Schlachtfeldern umher und ſuchten die Leichen ihrer Verwandten und Freunde auf, um ſie in den Gräbern der Vorfahren zu beſtatten. Die Zahl der Ge⸗ fallenen war ſehr groß. Aber ſie hatten alle ihr Leben theuer verkauft, denn auch vom fürſtlichen Heere waren Viele, und darunter angeſehene Männer, geblieben. Der Graf von Oldenburg, deſſen großes Hülfscorps beſonders ſtark gelitten, ſoll hernach in ſeinem Lande an 700 Wittwen durch dieſen Krieg gehabt haben.

Uebrigens erkannten auch die ehrenwerthen unter den Feinden den Heldenmuth der Dithmarſchen gebührend an; ſo ſchreibt der Chroniſt,daß der Feldmarſchall Johann Ranzau und andere Officiere, wie ſie der Dithmarſchen un⸗ verzagtes Herz, Geſchwindigkeit im Streit, nützlichen Ge⸗ brauch der Kanonen, ſtarke Statur und Natur(daß, wenn ſie ſchon ein oder andermal verwundet, dennoch, ehe ſie gänz⸗ lich gefallen, ſich an ihren Gegnern redlich gerochen), geſehen und erfahren, ſich deſſen zum höchſten verwundert und be⸗ kennet, daß, wenn die Dithmarſchen ſich nicht alſo durch das ganze Land zerſtreut gehabt, beſonders die vornehmſten Oerter und Päſſe wohl beſetzet gehalten und erfahrene Kriegs⸗Ober⸗ ſten gehabt, welche ſie vortheilhaft, vornehmlich gegen die Reiter, anzuführen gewußt, wäre es, menſchlich zu reden, denen Fürſten unmöglich geweſen, damalen das Land zu ge⸗ winnen.

Am 8. Juli ſchon nahmen die drei Fürſten zu Rendsburg eine vorläufige Theilung des eroberten Landes vor, und im folgenden Jahre beſtätigte der deutſche Kaiſer,alle Zeit Mehrer des Reichs, die Unterwerfungs⸗Acte der Dith⸗ marſchen. Aber der Erzbiſchof von Bremen klagte wegen ſeiner Anſprüche, worauf eine Commiſſion zuſammen trat, welche ſich ſo gründlich mit der Sache beſchäftigte, daß ſie noch 1571 Sitzungen hielt. Später fand man das Erzſtift mit Geld ab.

So endete die letzte Fehde mit dem Untergange des Sreiſtaates Dithmarſchen.

Volksmwirthſchaftliche Skizzen. Von H. Schulze⸗Delitzſch. III. Die Künſtliche Organiſation der Zeſelſchaft im gegenſatz zur natürlichen. Die Hrüderlichkeit als Wirthſchaftsprincip.

Um die Richtigkeit des von uns im Vorigen aufgeſtellten

Satzes außer Zweifel zu ſetzen: daß, mittelſt der freien Be⸗ wegung des allen Menſchen von Natur eingebornen Eigen⸗ intereſſe, ſich der Haushalt der Geſellſchaft in der Formel

keine Leiſtung ohne Gegenleiſtung, Nichts ohne Entgelt von ſelbſt regele, brauchen wir nur die entge⸗ gengeſetzte Anſicht, wornach dem Eigenintereſſe der Ein⸗ zelnen eine die Geſellſchaft zerſtörende Wirkung beigemeſſen