burg herbeizuführen verſprochen, eingetroffen ſein würde. Vier Tage ſpäter erſchien dieſes Hülfscorps und bezog bei dem Dorfe Teensbüttel ein Lager. In dieſem letzten Augen⸗ blick machten die Lübecker den Verſuch, das drohende Ver⸗ derben von Dithmarſchen abzuwenden. Es erſchien am 2. Juni ein Beamter der Stadt, der gelehrte Secretair Se⸗ baſtian Ehrſam, im Lager und mahnte die Fürſten in ein⸗ dringlicher Rede von ihrem Beginnen ab. Aber er ſprach zu tauben Ohren. Seine Vermittelungsvorſchläge wurden kurz abgewieſen und hoffnungslos trat er den Rückweg an.
Am Abend des 2. Juni ſetzte ſich das verbündete Heer in Bewegung und eröffnete den Kampf durch einen Schein⸗ angriff gegen die zum Schutz des nördlichen Landestheils errichteten ſtarken Feſtungswerke, die Süder- und Norder⸗ hamme. In der That ließen die Dithmarſchen ſich auch durch dieſe Liſt täuſchen. Während der Feind mit nur ge⸗ ringen Streitkräften gegen die Feſte Hammhuus und Tiele⸗ brügge vordrang, verließen an 500 der tüchtigſten Kämpfer Meldorf, und in der Nacht eilten noch viele in der Nähe lagernde Bauern, die in dem von dem fürſtlichen Hauptheere von allen Seiten bedrohten Orte beſſer hätten verwendet werden können, den in den Feſten befindlichen zu Hülfe. Inzwiſchen erſchien die von Ranzau befehligte Hauptmacht vor Meldorf.
Zu ſpät erkannten die in den Schanzen liegenden Bauern ihren Irrthum; aber ſtatt muthlos die Waffen wegzuwerfen, ſchickten ſie ſich vielmehr an, ihre Stellung gegen den an⸗ rückenden übermächtigen Feind kräftig zu vertheidigen. Es entſpann ſich ein hartnäckiger, mörderiſcher Kampf und lange ſchwankte die Entſcheidung, ja die von Wolfgang Schönweſen geführten Fußknechte und eine Reiterſchaar unter Dietrich von Holle erlitten anfangs ſo bedeutende Verluſte, daß es des eiligen Nachrückens neuer Truppen bedurfte, um das Gefecht zum Stehen zu bringen. Erſt als das auf dem Galgenberge aufgefahrene zahlreiche Geſchütz ſich verderben⸗ bringend auf die Stadt entlud und der ungeduldig gewordene Ranzau, den Degen in der Fauſt, die verzagten Truppen zum Sturm führte, wichen die heldenmüthig fechtenden Bauern immer weiter zurück. Ueber Trümmer und Leichen drangen die Sieger endlich in die Stadt, die nun der Schau⸗ platz ſcheußlicher Gräuel wurde. Verwundete wurden nieder⸗ gemacht, Weiber gemißhandelt und erwürgt, ſelbſt Kinder und hülfloſe Greiſe blieben nicht verſchont.
Sobald der Feind in die Stadt gedrungen war, hatten ſich die dem Tode entronnenen Dithmarſchen zum weſtlichen Thore hinausgeflüchtet; aber ſchon bei dem Dorfe Ammers⸗ wurth ſtießen ſie auf die Schaaren des Grafen von Olden⸗ burg. Abermals entbrannte ein mörderiſches Gefecht, und ſchon neigte ſich der Sieg auf die Seite der Bauern, als plötzlich Moritz Ranzau mit einer ſtarken Reiterabtheilung in ihre Reihen einbrach und ſie niederwarf. Das aus Meldorf gerettete Geſchütz und die Pulverwagen fielen den Siegern in die Hände.
Bis zum 6. Juni ruhte dann das fürſtliche Heer. Es hatte in dem Kampfe ſchwere Verluſte erlitten an Todten und Verſtümmelten, denn„die Dithmarſchen hatten ſich mächtig gewehret.“ Unter den Verwundeten befanden ſich der Reiterhauptmann Dietrich von Holle und der tapfre Schön weſen, welcher bereits am 4. Juni ſtarb.
Während die Verbündeten ſodann am 6. Juni vor Bruns büttel in Süder⸗Dithmarſchen einen äußerſt mörderiſchen Kampf beſtanden und nach Erſtürmung der Befeſtigungen den Ort beſetzten, beſchloſſen die zu Hemmingſtedt lagernden Dithmarſchen, einen raſchen Angriff auf das von nur wenigen
8 Truppen beſetzte Meldorf zu wagen und das feindliche Lager anzuzünden. Aber der Plan wurde verrathen, und die Bauern ſahen ſich genöthigt in ihren Verſchanzungen zu bleiben. Hätte ein kriegskundiger, entſchloſſener Oberbefehls⸗ haber damals an ihrer Spitze geſtanden, dem ſich die Mann⸗ ſchaft aller Kirchſpiele unterordnen mußte, ſo wäre das Unter⸗ nehmen dennoch wohl zu Stande gekommen; weil aber die einzelnen Abtheilungen und deren Anführer faſt immer je nach Belieben agirten und nur ſchwer zum gemeinſchaftlichen Auftreten zu bewegen waren, trat eine gefährliche Verwirrung ein, die das Gelingen ſelbſt unbedeutender Angriffe oft un⸗ möglich machte.
Am Abend des 12. Juni brachen die Fürſten mit der Hauptmacht nach Norder⸗Dithmarſchen auf, um die dort befindlichen Schaaren der Bauern aufzureiben. Und aber⸗ mals führte ein Scheinangriff die Freiheitskämpfer irre. Als ſie nämlich am Morgen des 13. Juni Walterthumb und Moritz Ranzau gegen Hemmingſtedt vorrücken ſahen, glaubten ſie, der Feind beabſichtige, dort eine große Schlacht zu liefern und zogen deshalb von allen Seiten Verſtärkungen an ſich. So ward denn der Tieleburg und der Aubrückſchanze, welche den Weg nach Heide beherrſchten, der größte Theil der Be⸗ ſatzung entzogen, und faſt ohne Kampf konnten die feindlichen Regimenter dieſe wichtigen Punkte beſetzen.
Aber kaum hatten die Dithmarſchen ihren Irrthum be⸗ bemerkt, als ſie ſich auch ſchon zur energiſchen Vertheidigung der Hauptorte ihres Landes anſchickten. Es entſpann ſich auf der Ebene ein mörderiſcher Kampf, und zu dreien Malen gelang es den Dithmarſchen, den Feind zurückzuwerfen. Aber endlich erlahmte ihre Kraft, nach einem vielſtündigen blutigen Gemetzel wichen ſie langſam auf Heide zurück. Ihr Verluſt war ein ſehr bedeutender, denn weit über 1000. Mann be⸗ deckten todt oder verwundet das Schlachtfeld; aber auch das fürſtliche Heer hatte ſtark gelitten; unter Andern war auch Herzog Adolf ſchwer verwundet worden und König Friedrich nur mit genauer Noth lebend davon gekommen.
Noch an demſelben Tage gegen Abend ſchritt Ranzau zum Sturm auf Heide. Die Einwohner ergaben ſich nicht, ſondern Männer und Jünglinge, ja ſelbſt Weiber warfen ſich dem andringenden Feinde entgegen und ſuchten ihn in die Ebene zurückzutreiben, und als das nicht gelang, fochten ſie mit Löwenmuth auf den Schanzen und vor den verrammel⸗ ten Straßen, deren Eingänge die ſtürmenden Soldaten zu gewinnen ſuchten.„Sie ſetzten ſich,“ ſagt die Chronik,„wie tapfern Männern eignet und in ſothaner äußerſter Noth wohl anſteht, mit ihren ſtarken Gliedmaßen und uner⸗ ſchrocknen Herzen halsſtarriglich zuwider, und hat Jeder ſeine Stätte, darauf er zu ſtehen kam, lieber mit ſeinem Leibe be⸗ decken und mit dem Antlitze, welches er dem Feinde geboten, die Erde küſſen wollen, als dieſelbe durch eine ſchändliche Flucht verlaſſen, und ſind nicht auf eine, ſondern viele empfangene Wunden gefallen.“
Bald brannte der ganze Ort, und von allen Seiten er⸗ ſtiegen die Söldner die Schanzen und Verhaue. Unter dem zu⸗ ſammenſtürzenden Gebälk der brennenden Häuſer verröchelten die letzten Bewohner des dem Verderben geweihten Fleckens.
So ging Heide zu Grunde, ſo kam das ganze Land in der Feinde Gewalt. Aber noch einmal ſammelten ſich die dem Tode entronnenen Dithmarſchen zu Wöhrden, um über die Fortführung des Kampfes zu berathen. Diesmal jedoch drang nach langer Verhandlung die Stimme der Männer durch, die ferneren Widerſtand für unmöglich anſahen, und mit blutendem Herzen entſchloß ſich die Verſammlung, eine
Deputation an die Fürſten abzuſenden, welche um Zulaſſung


