Jahrgang 
1857
Seite
448
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übrigen Raſſen, welche das Land bewohnen, nur ſehr unvoll⸗

kommen ausgebildet. Allerdings war das Land, in welchem

das Grundeigenthum bis zur Revolution von 1848 in der

roheſten Weiſe feudal gebunden war, ziemlich gut angebaut; aber, wie alle rein agrikolen Stämme, verſtanden es die Be⸗ wohner nicht ihren Bodenproducten einen Abſatz zu verſchaffen. Sie erſtickten im Fett ihres Naturalreichthums, ſie verſtanden es aber nicht ihn zu verwerthen. Der Ver⸗ ſendung und Verwerthung ihrer ungeheuren natürlichen Reich⸗ thümer ſtellte ſich, außer der natürlichen Unfähigkeit des Volks zum Handel, die Unvollkommenheit und der meiſtens ſogar ganz troſtloſe Zuſtand ihrer Communikationsmittel ent⸗ gegen. Witterung war es unmöglich Laſten von einem Orte nach dem andern zu bringen. Die Donau und die übrigen Flüſſe

nach außen

Straßen gab es ſo gut als gar nicht, bei naſſer

im Bau begriffen, ſo daß in wenigen Jahren von jedem Punkte des überaus fruchtbaren Landes die Producte zu Waſſer oder zu Land an die Stellen des In- und Auslandes gebracht wer⸗ den können, wo ſie am beſten zu verwerthen ſind. Durch die Einrichtungen, welche in dieſen wenigen Jahren theils vor⸗ genommen theils projektirt worden ſind, wird dieſes Land im Lauf weniger Jahrzehnte eine Blüthe erreichen, von der man jetzt noch gar keine Ahnung hat.

Vor allem iſt es die Donau, auf welcher ſich unter Be⸗ günſtigung der durch den letzten Frieden errungenen politiſchen Vortheile ein ungeheurer Handel nach dem Oſten entwi⸗ ckeln muß. Der Aufſchwung dieſes Handels iſt von ſehr kurzem Datum und derſelbe hat noch lange ſeinen Höhepunkt nicht erreicht. Peſt wird der Mittel- oder Ausgangspunkt

dieſes Handels ſein und ſchon jetzt laſſen die großartigen An⸗

wurden, zum Theil in Folge von natürlichen Hinderniſſen, welche die Kunſt leicht hätte beſeitigen können, viel zu wenig

benutzt. Die Gebundenheit des Grundeigenthums aber und die Schwierigkeiten und Gefahren, denen man ſich beim An⸗ kauf von Ländereien in Ungarn ausſetzte, waren ebenſoviele Hinderniſſe gegen das Einſtrömen einer arbeitstüchtigeren und unternehmenderen Bevölkerung. Nun hätte man aller⸗ dings in Deutſchland ſchon im Jahr 1848 wiſſen ſollen, daß die Empörung eines feudalen Volkes, eines Volkes von lär⸗ menden, unwiſſenden, zwar kriegeriſchen aber durchaus faulen und großentheils bettelhaften Edelleuten weder etwas Gutes

zu Stand bringen noch überhaupt auf die Dauer gelingen

kann. Das einzige Gute dieſer Empörung beſtand darin, daß ſie in ihrer Niederlage die Gelegenheit bot, das alte ſchwerfällige Gebäude abzutragen und dadurch einen geſunden Boden für eine neue Cultur zu gewinnen.

Daß in den wenigen Jahren, welche ſeit der Wiederer⸗ oberung des Landes verfloſſen ſind, durch die allerdings rück⸗

ſichtslos eingreifende Thätigkeit der Regierung für die Cultur, umſchränktheit, welche die öſtreich'ſche Staatsgewalt in dieſem

für die Production von Reichthümern, für die Ausbeutung der natürlichen Hilfsquellen des Landes Unermeßliches ge⸗ leiſtet worden iſt, wird weder der fernſtehende und unbethei⸗ ligte Beobachter, noch auch der vernünftige Magyare läugnen können. gariſchen Reichstag, ſelbſt unter Vorausſetzung von Intelli⸗ genz und gutem Willen, zu leiſten möglich geweſen, was die Regierung in dieſen wenigen Jahren durchgeführt hat. Ein neues bürgerliches Recht iſt im ganzen Lande zur Geltung gebracht, der Feudalismus zerſtört, die Sicherheit des Eigen⸗ thums verbürgt, der Ankauf von Ländereien nicht bloß er⸗ leichtert, ſondern erſt möglich gemacht worden. Nächſt dem aber ſind durch das ganze Land, von Weſt nach Oſt und von Nord nach Süd Schienenwege theils bereits hergeſtellt, theils

läugbare Wohlthat geworden. Nicht in hundert Jahren wäre dem alten un⸗

ſtalten hier die künftige commerzielle Bedeutung dieſes Punk⸗ tes ahnen. Auf der nebenſtehenden Abbildung erblicken unſre Leſer die Schiffswerfte von Altofen, jenes ungeheure Eta bliſſement, in welchem ſämmtliche Donauſchiffe die Dampf⸗ maſchinen ausgenommen gebaut werden. Bei Altofen liegen in der Donau mehre Inſeln; neben der Stadt fließt ein kleiner Arm des Stromes, der durch die Nähe und die hohen Bäume dieſer Inſeln vor rauhen Nordwinden und Eisgän⸗ gen geſchützt wird, weshalb er im Winter ſämmtlichen Peſt⸗ Ofner Schiffen und Mühlen einen ſichern Zufluchtsort ge⸗ währt. Dieſe kleine Inſel, die mit dem Donauufer durch eine improviſirte Floßbrücke verbunden iſt, ward von der Donaudampfſchiffahrtsgeſellſchaft zur Anlegung ihrer groß⸗ artigen Schiffswerfte erwählt. Schon jetzt von großer Be⸗ deutung, hat dieſe Anſtalt unter dem Einfluß der zunehmenden Productions⸗ und Handelsthätigkeit des Landes eine uner⸗ meßliche Zukunft.

In dieſer gewaltſamen Umgeſtaltung des rechtlichen, po⸗

litiſchen und ökonomiſchen Zuſtandes von Ungarn iſt die Un⸗

Lande ſeit 9 Jahren charakteriſirt, zwar für die Zeitgenoſſen vielfach drückend, aber für die Zukunft des Landes eine un Es kommt nun darauf an daß die angeſehenen Perſönlichkeiten der ungariſchen Natio⸗ nalität dieß mehr und mehr anerkennen und daß man all⸗ mälig zur Klarheit darüber gelange, wie die nationalen Frei⸗ heiten, in deren Beſitz die Nation ſeit Jahrhunderten geweſen, mit den neuen Einrichtungen, die einen weſentlichen Fortſchritt bezeichnen, vermittelt und in Einklang gebracht werden können. Dazu iſt durch die Kaiſerreiſe jedenfalls ein bedeutſamer Schritt geſchehen und es iſt kaum noch zweifelhaft, daß die wohlthätigen Folgen derſelben bald in äußeren Thatſachen ſich bekunden werden.

Rückblicke auf die deutſche UVarzeit.

Die letzte fehde. Ein dithmarſches Geſchichtsbild von A. Wulfert.

Inzwiſchen waren auch die Dithmarſchen nicht unthätig geblieben. Als ſie ſahen, daß von ihren Freunden und ehe⸗ maligen Verbündeten kein Beiſtand zu erwarten war, be⸗ ſchloſſen ſie, den Kampf mit der Uebermacht allein aufzu⸗ nehmen. Nur Wenige ſprachen von Unterwerfung, ja ſo

II.

allgemein und groß war die Begeiſterung des heldenmüthigen Volks, daß ſelbſt Weiber ſich bewaffneten und die Zaghaſten durch Wort und That zu männlichen Entſchlüſſen anſpornten. Wie vor dem Kriege mit König Johann, ſo ermahnten ſie auch jetzt ihre Männer und Söhne,daß ſie wohl bedächten,