Jahrgang 
1857
Seite
441
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In der Literatur beginnt überhaupt nach längerem Sommer⸗ ſchweigen neue Regung. Brachvogel'sFriedemann Bach, ein Roman, deſſen Druck unter Fanfaren befreundeter Poſaunene ſtöße geräuſchvoll genug beendet ward, liegt uns vor. Tiefes

Mittel äußerſten Nachgebens erſchöpft ſeien? Und ſind ſie etwa erſchöpft? O nein. Wir haben noch lange Hoffnung, jene Stärke c bewundern zu dürfen, die ſich im Weichen offenbart. Das aber iſt eben die rechte Größe und Machtſtellung Deutſchlands.

T 3 7 3. 3 4 ſte Da ſolchermaßen alle nationalen und politiſchen Bedenken Schweigen enttäuſchter Ernüchterung folgte der lärmenden Ge⸗

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des Patriotismus außerordentlich ſichergeſtellt ſind, kann man burtsfeier. Dafür trompetet man jetzt von gewiſſen Seiten mit

ſich mit gewohnter innerer Befriedigung den Intereſſen der gleichem Eifer fürWiener Bilder in Verſen von Bauernfeld, Kunſt, Literatur und Pietät wieder hingeben. Es iſt nun in welche doch erſt zu Weihnachten die Welt entzücken ſollen. Da⸗ dieſer Beziehung von allerhöchſter Wichtigkeit, daß in Italien gegen liegt, ſtill und würdig zur Vollendung gediehen, ein Werk

die reichen Kunſtgönner neueſtens eine beſondere Liebhaberei für abgeſchloſſen vor, welches jedenfalls von tiefſter Bedeutſamkeit 6 Gemälde aus den neapolitaniſchen Schulen des 17. und 18. Jahr⸗ iſt: Viſchers Aeſthetik. Und mit ſeiner Abhandlung über hr,

hunderts zeigen. Das war aber nicht etwa die äſthetiſche Blü⸗ Muſik ruft es wehmüthige Erinnerungen an einen zu früh hin⸗ theperiode, dagegen die farbenbunteſte und geleckteſte. Und die geſchiedenen Poeten von echtem Schrot und Korn wach. Denn Kunſtbegeiſterung dafür iſt alſo etwa eben ſo hoch zu halten, als Köſtlin, der Dichter K. Reinhold, iſt deren Verfaſſer, wie Viſcher die Luſt an Rococomöbeln und Renaiſſanceporzellan. Beides mit pietätiſcher Offenheit erzählt. Auch in der naturwiſſen⸗ fabrizirt nun bekanntlich die ſpekulative Induſtrie der profanen ſchaftlichen Literatur iſt ein Werkerſchienen, welches vom natür⸗- Gegenwart mit alterthümlichem Anſtriche ganzecht; und auch lich höchſt unbefangnen Verleger als epochemachend bezeichnet die italieniſchen Maler ſind keineswegs ungeſchickt darin, den wird. Es nennt ſich:Erde und Ewigkeit, die natürliche Ge⸗ Kneſen, Bojaren, Lords und andern kunſtkenneriſchen Größen ſchichte der Erde als kreiſender Entwicklungsgang im Gegenſatze V

faſt farbenfeuchte Arbeiten als alte Meiſterſtücke anzubieten. zur naturwidrigen Geologie der Revolutionen und Kataſtrophen Schlechte Zeichnung wird in ſolchen Fällen naive Technik, grelle von G. H. Otto Volger. Jedenfalls iſts ein Buch in wunder⸗ Färbung ungebändigtes Farbenfeuer, Imbecillität des Gedankens licher Schreibart. In der Gabe des Menſchen,nachzuſinnen

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us, kindliche Unbefangenheit genannt. Man muß jedem Dinge nur über ſein eignes Selbſt findet es eineverhängnißvolle Gabe, die ddeen rechten Namen geben; daraus quillt oftmals der Born der in der Frage nach des Menſchen Herkunft einenungenügſamen en Berühmtheit. Wir werden ſicherlich nächſtens von der Wieder⸗ Wunderwitz und zugleichdie unverſiegbare Quelle menſchlichen den auffindung mancher verloren gegangener Bilder glänzender Entzückens und menſchlicher Qual.Die ängſtliche Beſorgniß nen Meeſſter leſen, von denen wir vorläufig wenig weiter wiſſen, als des Nachdenkens über unſer Weſen heißt es weiter, das g⸗ Eihre Namen. Unterdeſſen hat ſich wenigſtens ein berühmtes ſträubende Grauen vor der löſenden Hand des Todes beruht der Bild Raphaels eingeſtellt, welches verloren gegeben war. Näm⸗ darauf, daß in uns das Selbſtbewußtſein in vollkommenerem

lich ſeine Madonna di Loretto, die man unter altem Gerümpel Grad entwickelt iſt, als das Bewußtſein des innigen Zuſammen⸗ eines Privathauſes in Florenz hervorzog. Eine neue Auflage hanges und Einklanges unſerer Wirklichkeit mit der ganzen 44

der leider nicht genugſam verbreitetenAnleitung in 24 Stunden wirklichen Welt des Daſeins. Solche Sätze des Vorworts ein Kunſtkenner zu werden vom ſeligen Reichsminiſter Detmold nennen ſicheinen Friedensgruß Vorübergehenden und Eintre⸗

V iſt dringend zu empfehlen. tenden. Wir unſerntheils gehen vorüber.

4. 6 Was heliebt. ehr daß für Der Moniteur vom 13. Auguſt enthält folgendes kaiſ erliche lebenden deutſchen Militärs, welche während der franz. Revolu⸗ lĩih Dekret:Um durch eine beſondere Auszeichnung die Krieger zu tionskriege die Waffen gegen ihr deutſches Vaterland und ihre

ehren, welche unter Frankreichs Fahnen in den großen Kriegen deutſchen Brüder getragen haben, vom franzöſiſchen Kaiſerdurch ilch von 1792 bis 1815 gefochten, haben wir beſchloſſen und beſchließen ei ne beſo ndere Auszei ch nung gee hrt w erden 4. Das und wie folgt: Art. 1. Eine Denkmünze wird allen denjenigen fran⸗ iſt alſo eine Sache, welche jeden Deutſchen ganz direkt angeht ete zöſiſchen und ausländiſchen Militärs der Land⸗ und See⸗ und über welche ſich auszuſprechen Pflicht der deutſchen Preſſe din h Heere verliehen, welche unter unſern Fahnen von 1792 bis 1815 iſt. Wir glauben, daß unter Deutſchen von Nationalgefühl und lic gekämpft haben. Dieſe Denkmünze ſoll von Bronze ſein und auf Selbſtachtung darüber keine D ifferenz der Meinung möglich iſt, öt. der einen Seite das Bild des Kaiſers, auf der andern die In⸗ und daß es Pflicht der deutſchen Regierungen, wenn ſie anders ſchrift tragen: campagnes de 1792 à 1815. A ses com- wiſſen was nationale Ehre gebietet, wäre ihren Unterthanen, pagnons de gloire sa dernière pensée 5. Mai 1821. Dieſe auf welche ſich jenes Dekret beziehen kann, ſofort die Annahme he Medaille wird an einem grünen und rothen Band im Knopf⸗ jener franzöſiſchenAuszeichnung zu verbieten bei Gefahrwegen d loche getragen. Art. 2. Unſer Staatsminiſter und der Groß⸗ Tragens landesverrätheriſcher Abzeichen vor Gericht geſtellt zu 4 anzler unſres kaiſerlichen Ordens der Ehrenlegion ſind, jederin werden. Dieß wäre namentlich für Preußen ein Gebot der and dem, was ihn angeht, mit Ausführung gegenwärtigen Dekrets Selbſtachtung, da der heldenmüthige, ſo ungemein blutige its⸗ beauftragt. So gegeben im Palaſt von St. Cloud 12. Auguſt. Kampf gegen den fremden Unterdrücker die ſchönſten Blätter der hen Nopoleon. Man ſieht, daß es ſich hier nicht bloß um eine innere preußiſchen Geſchichte bildet. Freilich würde ein ſolches Auf⸗ oyi⸗ Angelegenheit Frankreichs, ſondern um eine Maßregel von weit⸗ treten ſchlecht zu derpreußiſchen Politik in Conſtantinopel ſtimmen, wl reichender Beziehung nach außen handelt, die man am wenigſten und wir haben Grund zu glauben, daß man in Berlin indieſem cen in dem Augenblick unterſchätzen darf, wo der franzöſiſche Cäſa⸗ Fall Conſequenz zeigen wird. Um ſo mehr muß es die Preſſe für doch rismus, begünſtigt durch die unausſprechliche Politik gewiſſer ihre Pflicht halten dem öffentlichen Gewiſſen zugleich eine ich, 1 deutſcher Staaten und durch andre Umſtände, welche ihm in die Mahnung und einen Ausdruck zu geben. Es gehört nicht bloß der⸗ 1 Hände arbeiten, mit großer Sicherheit zu einem immer größeren eine eherne Stirne, ſondern vor allem eine tiefe Verachtung V ge? Einfluß auf die europäiſchen und deutſchen Angelegenheiten fort⸗ der deutſchen Regierungen dazu, um franzöſiſcher Seits nd ſchreitet. Durch jenes Dekret ſollen die noch in großer Anzahl mit einem Dekret hervorzutreten, deſſen Ausführung, wenn man alle

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