Jahrgang 
1857
Seite
439
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läßt, von welchen die eine a. dem früchtetragenden Theile der Pilzfäden, wie ein ſolcher unter Fig. IV. ſtark vergrößert dargeſtellt iſt, entſpricht, die an dere b. dem tieferen Theile jener Fäden angehört. B. der mit Pilzfäden durchzogene, gebräunte, O. der von keinen ſolchen Schmarotzern durchwucherte, ge ſunde Knollentheil; D. Knollenſchale, Korkſchicht. Oberer Theil eines 300 mal vergrößerten, bei a. eine reife, bei b. und c. eine ganz jugendliche Spore tragenden Pilzfadens(Fusisporium Solani) der kranken Kartoffelknolle.

Zarter Schnitt aus einer eben erkrankenden jungen

Fig. IV.

Fig. V.

V

Knolle, 200 mal vergrößert. Bei A. die junge aus wenigen Schichten von Kortzellen beſtehende Schale; bei B. Stärkemehlkörner führende Paren chymzellen. a. Frucht(Spore) des Blattpilzes (Fig II.) die einen ſich veräſtelnden Schlauch b ge trieben hat.

Schnitt aus einer älteren Knolle 200 mal ver größert. A. die aus zahlreichen Schichten von Korkzellen beſtehende Schale; B. Parenchymzellen; O. eine Spore des Blattpilzes, die zwar auch einen Schlauch getrieben hat, der aber in der dicken Schale zu Grunde gegangen iſt.

Fig. VI.

Skizzen aus Ram.

Von Emma Niendorf.

II. Sonnenuntergang auf dem Palatin.

Quel conte! meldete Natalina, das Padrona in Via de' Condotti.Welche rQuel conte Gi..... Corsica! beſann ſich die Kleine. Wir pflegten den berühmten Reiſebeſchreiber und Geſchichtsforſcher dieſer vor ihm noch beinahe unbekannten Inſel,Graf von Corſica zu nennen; denn hat er ſie nicht im Geiſte erobert und ſich ſelbſt damit belehnt? Auch hätten ſich die Purpurlippen und Perlzähnchen meiner Camerina nimmermehr mit den Lauten Ferdinand Gregorovius vertragen. Er kam mich zu einer jener Wanderungen zu holen, bei denen der Genius Führer war, leibhaftig, in der Geſtalt unſeres in die Poeſie der ewigen Roma aufgehenden Freundes.

Es war zwei Uhr,dopo meridiano, wie man ſich hier ausdrückt. Um den Weg abzukürzen kamen wir an dem alten hiſtoriſchen Kloſter St. Sylveſter vorbei, dem man die Erhaltung der Antoninsſäule auf der Piazza Colonna ver⸗ dankt. Bald ging es die Cordonata*) zum Capitol hinan, deren Ziegelpflaſter ſich ſchon bedeutſam in der antiken Aehren⸗ form, dem Auge wohlgefällig, unter die Füße breitet, indeß vor uns der Senatorenpalaſt aufſteigt mit der Doppeltreppe Michelangelos und den Flußgöttern am Brunnen; und mit den die Flügel bildenden Zwillings⸗Palazzi auf beiden Seiten, dem der Conſervatori und dem des Muſeo. Dieſen Letzteren, zur Linken, betretend, ſahen wir uns im Hofe empfangen von der, bei der Fontana gelagerten koloſſalen Statue des Rhenus, Marforio**) genannt, weil er zunächſt dem Forum des Auguſtus und dem Tempel des rächenden Mars gefunden ward. In ſo fern eine Zeus⸗Karikatur, als er die Phyſionomie des olympiſchen Monarchen, jedoch mit einem gewiſſen Stempel geiſtiger Beſchränktheit darbietet.*) Gleichwohl ſpielte er eine große Rolle, und zwar eine äußerſt moderne. Nämlich, unter früherem Governo, in einer eigenthümlichen Art von Journaliſtik, als Gegner des be⸗ rühmten und berüchtigten Pasquino: Während die Oppoſition ihre Epigramme an dieſes nach einem witzigen Schneider ge⸗ taufte ſrrn) althelleniſche Fragment an der Ecke vom Palaſte Braschi heftete, belud die offizielle Gewalt mit ihren Ant⸗ worten unſern Marforio. Dürfte es nicht für mehr als rein zufällige Bedeutung gelten, daß der conventionelle römiſche

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) Der für die Anweſenheit Karls V. angelegte Aufgang. **) Zuſammengezogen aus:Martis Forum.

) Vermuthlich aus den Tagen Domitians.

) Die Gruppe des Ajax mit dem Leichnam des Patroklus.

öchterlein der

Typus⸗Träger des herrſchenden Willens, der erlöſte freie Griechen⸗Styl jenes verſtümmelten Torſo aus den ewigen Tagen des Phidias: Herold des Volksgeiſtes ward?

Es war noch einmal eine Wanderung durch Rom, die große Treppe hinanzuſteigen, zwiſchen den im Remus⸗Tempel an der Via ſacra gefundenen alten Plan der Siebenhügel ſtadt, welcher ſich über die Wände breitet bis zum obern Corridor, wo uns ein Herrſcherblick erwartet über das Forum nach dem Gebirge. Treten wir gleich in den erſten Saal voll lauter Meiſterwerke, welcher nach dem ſterbenden Fechter da in der Mitte genannt iſt, der ſtillverblutend ſinkt. Dort das begeiſterungsvolle Haupt des vergöttlichten Alexanders, als Helios, mit wallenden Stirnlocken. In dieſer Büſte der diont ſſiſchen Ariadne haben neuere Forſcher einen ganz jugend lichen Bacchus zu erkennen gemeint; uns erſchien die Bildung weiblich. Wir ſahen die Göttin; nicht das Individuelle des Portraits, aber das Weſenhafte ſo völlig erfaßt; alles Weiche, träumeriſch Süße in Mund und Auge; den Stolz oben an der eigentlich, gegen die griechiſche Schönheitslinie, etwas einwärts gebogenen Naſenwurzel. Der bewunderte Antinous dürfte wahrſcheinlich Hermes heißen.Hier die Büſte des jüngern Brutus wenn er es iſt! ſagte mein Begleiter. DieſesWenn, das uns faſt bei den meiſten Schätzen des Alterthums verfolgt, iſt der Fluch von Rom.

In den folgenden Räumen feſſelten uns vorerſt an Sar cophagen die ſchönen Griechengedanken, welche oft noch durch ſchimmern aus dem ſpätern Römerwerk. Beſonders die er zählenden Reliefs der Endymionsſage: Diana ſteigt herab den Schlafenden zu beſuchen. Ueber ihm ſchwebt der Traum, neben dieſem der Berg, ebenfalls durch eine Gottheit perſo⸗ nifizirt. Auf der andern Seite erhebt ſich ſo lieblich und auch naiv Aurora, mit dem Haupte auftauchend faſt wie der Sonnengott vom Giebelfelde des Parthenon es iſt beinahe ſchon eine Auferſtehung aus dem Grabe. Ueber ihr fliegt der kleine Genius mit der Fackel, und die Nacht da neben entweicht. Oben an dieſem Sarcophag erkennt man die Parzen. Ferner auch eine Seele, die vor Pluto und Proſerpina erſcheint. Dann die Bildniſſe des Ehepaars, welches vermuthlich in der gemeinſamen Marmortruhe ruhte. Auf der andern Seite die Seele des vielleicht zuerſt Verſtor benen von ihnen, eine kleine tief verhüllte Figur, in der Idee überraſchend verwandt jenem geflügelten Seelchen in Kinder⸗

geſtalt am Sterbebette der Maria auf altdeutſchen Gemälden.

Der Reichthum des capitoliniſchen Muſeums, vorzüglich