Jahrgang 
1857
Seite
438
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Die Kartoffelknalle und ihre Erkrankung.

Von hr.

J. Speerſchneider.

II. Die Rartoffelkrankheit.

(Schluß.)

Verfolgt man mit dem Mikroskop den Hergang der Er⸗ krankung, ſo ſieht man die Pilzſporen( Fig. V. a) aus ihrem Inneren Schläuche hervortreiben(Fig. V. b), die durch die Korkzellen der Schale

4(Fig. V. A) hindurch zu dringen ſuchen. Iſt

z dieſelbe dünn, ſo ge⸗ lingt ihnen dieſes mit X Leichtigkeit; iſt ſie aber ſchon dick, be⸗ ſteht ſie aus vielen Zellenlagen(Fig.

fig. V. VI. A), ſo gehen die zarten Pilzſchläuche in dem derben, lufthaltigen, und jeder nährenden Subſtanz entbehrenden Gewebe zu Grunde

(Fig. VI. D). Die⸗ ſer Umſtand erklärt manche räthſelhafte Erſcheinung. Er läßt beurtheilen, warum manche Knollenſor⸗ ten(dickſchalige) we⸗ niger, andere(dünn⸗ ſchalige) mehr ange⸗ griffen werden, und wie es dabei wieder darauf ankommt, ob die Knollen in früher Jugend oder in ſpä⸗ terem Alter, bei hin⸗ Trockenheit mit den Pilz⸗

fig. VI.

reichender Feuchtigkeit, oder bei ſamen in Berührung kommen.

Zu den obigen Experimenten, die ich wohl hundertmal in verſchiedenſter Weiſe anſtellte, die immer gleiche Reſultate lieferten, und die Jeder, bei Beobachtung der erwähnten Vorſichtsmaßregeln, mit ſicherem Erfolge ausführen kann, bin ich durch den Befund gelangt, daß ich die Samenkörner

des Blattpilzes nicht blos auf der Oberfläche der Felder, auf denen kranke Kartoffeln ſtanden, ſondern ſelbſt tiefer in der Ackerkrume und ſelbſt auf den Knollen aufſitzen ſah.

Das Weſen der Kartoffelfäule erklärt ſich nach dieſen Ver⸗ ſuchen ſehr einfach. Ein ſchmarotzender Pilz giebt die Urſache ab. Er ſiedelt ſich zunächſt auf den Blättern der Kartoffel⸗ pflanzen in größerer Anzahl an, zerſtört dieſelben, bringt Früchte hervor und ſtreut ſie aus, welche an andere Blätter, an den Stengel, an dieSchnalle und hauptſächlich an die Knolle gelangen und daſelbſt keimen. Letztere iſt nach ihrer

anatomiſchen Bedeutung(wie im früheren Artikel gezeigt wurde) mit dem Blatte der Pflanze nahe verwandt; es iſt

alſo gar nichts Wunderbares, wenn ſich der Pilz daſelbſt in ähnlicher Weiſe wie im Blatte verhält. Der Schimmelpilz wuchert in dem Fleiſche der Knolle, zerſtört daſſelbe und treibt neue Früchte, die aber, wie es ſcheint, die Knolle nicht von neuem anſtecken können, ſondern höchſt wahrſcheinlich unter gewiſſen Bedingungen wieder das Blatt angreifen.

Es iſt demnach nicht die geſtörte Athmung des erkrankten Blattes die Veranlaſſung zur Krankheit der Knolle, ſondern die dort erzeugten Schimmelpilzfrüchte geben die unmittelbare Urſache ab. Die Pilzſporen gelangen auf die Knollen rein zufällig, aber eben dadurch erklärt ſich manche, ſonſt durch⸗ aus räthſelhafte Erſcheinung, z. B. warum einzelne Pflanzen, deren Blätter vollkommen geſund ſind, doch kranke Knollen tragen können und umgekehrt.

Nur noch zwei Umſtände, an denen der Laie Anſtoß nehmen könnte, halte ich für der Erwähnung bedürftig. Iſt es mög⸗ lich, daß Pilzſporen durch eine oft mehrere Zoll tiefe und feſte Erdſchicht bis in die Nähe der Kartoffelknollen gelangen?

In Bezug auf dieſe Frage muß erwidert werden, daß die Ackererde, wenn ſie auch noch ſo dicht iſt, doch immer eine Menge Ritzen und Löcher hat, die mehr als hinreichend weit ſind, um die kaum eine zweihundertſtel Linie großen Früchte des? Blattpilzes in die Tiefe gelangen zu laſſen. Dringt doch der Regen noch weit tiefer und ein einziger Waſſertropfen kann ſicher Hunderte von ſolch kleinen Körpern mit ſich führen.

Können ferner zwei der äußeren Form nach ſo verſchiedene Pilze, wie der an dem Blatt und der Knolle vorkommende Schi mmel, ein und daſſelbe Gewächs ſein?

Bei dieſer Frage erinnere man ſich nur, daß im Thier⸗ reiche, beſonders in den niederen Klaſſen deſſelben, ein und daſſelbe Weſen häufig in verſchiedener Form erſcheint, z. B. der Schmetterling als Raupe und Puppe. Dürfen wir leugnen,

daß ähuliche Umwandlungen auch im Pflanzenreiche vorkom⸗ men können? Daß dieſes aber wirklich geſchieht, dafür kann die Botanik Zeugniß ablegen und namentlich ſind es die nie⸗ deren Pilze, die erwieſenermaßen ſolche Umwandlungen bei ihrer Entwicklung durchmachen. Unſer Kartoffelpilz giebt für dieſe Entdeckung nur einen neuen Beleg. Es iſt freilich bis jetzt noch nicht gelungen, aus dem Pilze der Knolle wieder den des Blattes hervorgehen zu laſſen, allein ſicher liegt dem Mißlingen nur die Unkenntniß der ferneren Entwicklungsbe⸗ dingungen zu Grunde.

Erklärung der Figuren.

Querdurchſchnitt durch eine eben erkrankte Stelle eines Kartoffelblattes, dreihundertmal vergrößert. a. Obere Schicht der Oberhaut⸗(Epidermis)⸗Zellen. b. Untere Schicht der Oberhautzellen. c. Schicht der ſenkrechtſtehenden, cylindriſchen Parenchymzellen. d. Eine Spaltöffnung im Querdurchſchnitt. e. Die ſe Schließzellen der Spaltöffnung. f. Athem⸗ höhle. g. Zmiſchem und in den Parenchymzellen des Blattes umherwuchernde Pilzfäden. Drei aus einer Spaltöffnung(a.), deren unterer Blattfläche herangewachſene Stämmchen des Blatt⸗ pilzes(c.), die bei d. Früchte tragen. Bei b. die zwei Schließz zellen von oben geſehen. Die Figur iſt bei 200 maliger? Vergrößerung gezeichnet. Fig. III. Durchſchnitt durch ein Stückchen einer kranken, mit einem Pilzhäufchen beſetzten Knolle, in natürlicher Größe gezeichnet. Unter A. der Durchſchnitt dieſes Schimmmelhäufchens, der zwei Zonen erkennen

Fig. J.