dungscurſus kennt, welchen ein Mann durchgemacht haben muß um zu einer gewiſſen Stellung, zu einem gewiſſen Amte, zu einem gewiſſen Titel zu kommen, giebt es andere Erken⸗ nungsmittel der Bildung als die gebildete Erſcheinung. Hier (in der nordamerikaniſchen Republik) aber fehlen dieſe und
ie nicht ſagt was der Menſch iſt,
die Erſcheinung, wenn ſi
ſagt wenigſtens was er zu ſein prätendirt. Und dieſes Präten⸗
diren erhält hier gerade eine bedeutende, ja eine principielle
Wichtigkeit. Auf der Prätenſion der Gleichheit, nicht auf der wirklichen Gleichheit ſelbſt beruht die ganze Republik; man kann alſo auch ſagen, daß ſie auf einer gewiſſen Gleich— heit der Formen des Lebens beruhe. Wer nicht durch ſeine Erſcheinung, ſeine häusliche Einrichtung, ſeine Sitten und
ſeine Sprache die Prätenſion der Gleichheit an den Tag legt, der beweiſt einen Mangel an politiſchem Ehrgeſühl und alſo
an republikaniſchem Geiſte.“ Es iſt dies eine ungemein feine Bemerkung zur Charakteriſtik des amerikaniſchen Weſens und man dürfte ſie auch in gewiſſen europäiſchen Kreiſen beher⸗ zigen. Der kleine Farmer, der unſern Bauern und Tage⸗ löhnern gleich ſteht, iſt in ſeinen häuslichen Einrichtungen, ſeinen Sitten, ſeinem Benehmen, ſeiner Sprache von den höchſten Kreiſen der amerikaniſchen Geſellſchaft durch keine ſo ungeheure Kluft getrennt, wie in Europa die entſprechen⸗ den beiden Extreme der Geſellſchaft. Es finden ſich nur Unterſchiede des Grades, nicht der Art.„Ueberall in Amerika,“ ſagt Fröbel,„beſtehen in jenen niedrigſten Schichten der Geſellſchaft Formen des Lebens, in welchen der Europäer aus den roheſten Volksclaſſen, oft ſelbſt aus den Mittel⸗ ſtänden, als ein vollkommener Flegel erſcheint und dieſe Formen, welche dem Herrn„Heulmaier“ ſo wenig conve⸗ niren als dem„Bürger Wühlhuber,“ welche aber nach mei⸗ ner Anſicht ein ſehr werthvolles ſittliches Gut des amerika⸗ niſchen Volkes ausmachen, leiten ſehr oft das Uxtheil des Fremden irre.“
Wer indeſſen nach dieſen Proben Fröbel für einen unbe⸗ dingten Bewunderer der nordamerikaniſchen Republik gegen⸗ über den feſtländiſchen Monarchien Europas halten ſollte, würde ſich bedeutend irren. Es iſt überhaupt nicht die Sache eines Mannes wie Fröbel zu bewundern, ſondern zu be⸗ greifen. Und Fröbel begreift Amerika als etwas in ſocia⸗ ler wie in politiſcher Hinſicht noch durchaus unfertiges. Das anglo⸗amerikaniſche Leben iſt ihm ein im Uebergang zu ſelbſtändigen Bildungsformen begriffener Colonialzuſtand. „So lang dieſer Colonialzuſtand dauert iſt die Geſell⸗ ſchaft naturgemäß von einem Gleichheitsdrang erfüllt, welcher ihrem atomiſtiſchen Charakter entſpricht. Dieſer Gleichheits⸗ drang wird unterhalten durch die Leichtigkeit ökonomiſcher und ſocialer Erfolge, welche auf eine für Viele verlockende, für keinen drohende Weiſe deſſen Befriedigung verſprechen, indem ſie den in Europa unmöglichen Muth geben die Gleichheit in den oberſten Regionen der Geſellſchaft aufzuſuchen. Man irrt ſich jedoch unvermeidlich wenn man glaubt ein ſolcher Zuſtand, welcher nur den Namen einer Colonialdemokratie verdient, könne dauern, ohne zu fortſchreitenden Compro⸗ miſſen der Idee mit einer entgegengeſetzten Wirklichkeit ge⸗ nöthigt zu werden.“ Das dem Staatsweſen zu Grund liegende Gleichheitsprincip wird ſich im Lauf der Zeit immer mehr in Widerſpruch finden mit gewiſſen breiten Thatſachen, die nicht die geringſte Luſt bezeugen, jenem Princip zu weichen, wie denn ſchon jetzt in den vereinigten Staaten die politiſche Partei, welche den Grundſatz der demokratiſchen Selbſtre gierung auf ſeine Spitze treibt und die den Namen der demo⸗ kratiſchen Partei für ſich in Anſpruch nimmt, zugleich die⸗ jenige iſt, von welcher jetzt faſt ausſchließlich die Sklaverei
aufrechterhalten und ihre Ausbreitung über neue Territorien betrieben wird.
Auch die Sklavenfrage wird von Fröbel mit ſteter Po⸗ lemik gegen den abſtrakten Radikalismus und in einer ſo umfaſſenden und tief eingehenden Weiſe, mit ſo wiſſenſchaft⸗ lichem und politiſchem Geiſte beſprochen, daß wir unſere Leſer nur dringend bitten können, den Abſchnitt im Buche ſelbſt nachzuleſen. Fröbel hält die Inferiorität der Neger⸗ raſſe für unzweifelhaft, iſt aber weit entfernt ihr die Cul⸗ turfähigkeit abzuſprechen. Ebenſo kommt er zu dem Er⸗ gebniß, daß gezwungene Arbeit nicht ſchlechthin, nicht princi⸗ piell zu verwerfen, vielmehr in jedem Staate mehr oder weniger anzutreffen ſei. Dagegen verwirft Fröbel, wie natür⸗ lich, die Form dieſer gezwungenen Arbeit in den Sklaven⸗ ſtaaten. Aber er verwirft ſie nicht blos, ſondern er hält das Syſtem auch für unhaltbar in ſeiner jetzigen Form und iſt der Meinung daß es fallen wird, im ſchlimmſten Fall dadurch, daß es durch ſeine eigenen Laſter zu Grunde geht.„Wenn, ſagt er, die Sklavenſtaaten ſich verſtockt den Anforderungen eines gebildeten Zeitalters und veränderter Verhältniſſe widerſetzen und es verſäumen von ſich aus die Formen des allmäligen Uebergangs in ein anderes Syſtem zu ſuchen, kann die Trennung der Union nicht ausbleiben, welcher eben⸗ ſo unvermeidlich nicht nur der innere Verfall der ſich ſelbſt überlaſſenen Sklavenſtaaten, ſondern auch ihre Conflikte mit der dann ſich ungehemmt entwickelnden Union des Nordens und ihre endliche Reduktion durch Waffengewalt folgen müſſen.“ Fröbel fügt hinzu, daß die unausbleibliche Betheiligung der europäiſchen Seemächte an einem ſolchen Kampfe zu Un⸗ gunſten der Sklaverei ausſchlagen müßte.„Wenn man, ſagt er, in den Sklavenſtaaten ſich mit umgekehrten Hoff⸗ nungen ſchmeichelt, ſo beruht dieß auf ſehr kurzſichtigen Re⸗ flexionen und auf einer vollſtändigen Verkennung der Macht, die in Europa das moraliſche Verdammungsurtheil der öffent⸗ lichen Meinung gegen die Sklaverei erhalten hat— eine Macht, welche die betheiligten europäiſchen Regierungen, weit entfernt ſich ihr zu widerſetzen, vielmehr zu ihrem Vortheil benutzen würden.“ Man ſieht wohl, Fröbel gehört nicht zu denen, welche eine ununterbrochen fortſchreitende Ausbreitung des amerikaniſchen Staatsweſens und eine eben⸗ ſo fortſchreitende Rückwirkung deſſelben auf die europäiſchen Einrichtungen einſeitig annehmen; er ſcheint vielmehr eine ſehr beſtimmte Einwirkung Europas auf Amerika vorauszuſehen. Dieß aber um ſo mehr, je unumwundener er eingeſtehen muß, daß die eigentliche Aufgabe der Reform in der Stlaven⸗ frage, die allmählige Ueberführung der Sklaverei in eine humanere Art der Unterordnung— denn daß die weiße Raſſe nicht auf dem Fuß der Gleichheit mit der ſchwarzen, ja auch nicht mit der gelben, ehineſiſchen leben kann, ſteht ihm feſt— von den ſüdlichen Politikern nicht entfernt begriffen wird, die, blind, einem entſetzlichen Schickſal entgegentreiben.
Zu demſelben Hauptergebniß, der Annahme großer Kata⸗ ſtrophen in der Zukunft Amerikas, gelangt Fröbel in dem der amerikaniſchen Politik vorzugsweiſe gewidmeten dritten Buche ſeiner Schrift, dem Beſten, was überhaupt zur Orien⸗ tirung in dem amerikaniſchen Staatsweſen je von einem Deutſchen geſchrieben wurde.
Er geht von den einfachſten Grundformen aus um das Parteiweſen in Nordamerika verſtändlich zu machen.„Wir ſehen, ſagt er, in den Staatenbildungen der Menſchen zwei entgegengeſetzte Richtungen des politiſchen Willens. Die eine derſelben beginnt unmittelbar mit der ſittlichen Foderung, daß ſich die Geſellſchaft einem einheitlichen Willen unter⸗
p,


