Wölfe erlegt wurden, reſidirte. Er verſorgte das Kloſter reichlich mit Wildpret und ſchenkte ihm das letzte Maulthier, welches allein, nur in Begleitung eines Hundes, nach Neu ſtadt ging, um das Fleiſch für die Küche herbeizuſchaffen.
Da wir heute wegen des Feſtes kein Unterkommen im Kloſter finden konnten, woran uns doch ſo viel gelegen war, ſo wünſchten wir, uns wenigſtens in demſelben umſehen zu dürfen und etwas zu genießen. Wir wurden vollkommen befriedigt. In dem geräumigen Refectorium, deſſen Fenſter ruüt ausländiſchen Gewächſen und deſſen Wände mit ſchönen Oelgemälden geziert ſind, labten wir uns an dem köſtlichen Ba aiaſſät, das allda ſprudelt und an dem berühmten Kreuzberger Bier, von den Mönchen ſelbſt gebraut, bei deſſen übermäßigem Genuß man den Kreuzberg, wie Baur in ſeinem Buche über denſelben ſagt, für eine große Baßgeige anſieht.
Wir waren alſo gezwungen, in das dem Kloſter gegen überliegende Gaſthaus zu gehen, ob wir da eine Herberge fänden. Wir fanden ſie. Nachdem wir unſere Reiſetaſchen, die uns ziemlich beſchwerlich geworden waren, in dem uns angewieſenen, etwas unſauberen Kabinet, einer großen Stube im erſten Stock, abgelegt hatten, ſtiegen wir hinab in das noch geräumigere Gaſtzimmer, das nicht viel reinlicher ſchien. Daſſelbe war mit Wallern beiderlei Geſchlechts aus Nah und Fern angefüllt, die ſich bei Speis und Trank wohl ſein ließen. Beim Eintritt in die Stube ſtrömte uns eine dicke Luft entgegen, die aber nichts weniger als einladend war. Zum Ueberfluß war dieſe Atmoſphäre noch durch einen dich leibigen altväteriſchen Ofen bis zum Unerträglichen erhitzt. Das alles bildete freilich einen wunderbaren Kontraſt zu der äußern Umgebung des Hauſes. Hier Reinheit und Klarheit, dort Ekel und Schmutz!
Als wir der Ruhe gepflegt und unſern Leib durch Speis und Trank geſtärkt hatten, eilten wir hinaus in die kräftige Bergesluft, die gar bald alle noch etwa zurückgebliebene Müdigkeit aus unſern Gliedern vollends verſchwinden machte. Denn es war uns viel daran gelegen, noch zu rechter Zeit des Berges G ipfel zu gewinnen, um von demſelben die Aus ſicht und den Sonnenuntergang zu genießen, und wir betraten die ſteinernen Stufen, die vom Kloſter an bis auf die Spitze führen.
Alles wimmelte von Menſchen. Die Mehrzahl derſel ben beſtand aus Weibern. Sowohl einzeln als in Gruppen zogen die frommen Waller betend und ſingend bergauf, bergab, von Station zu Station, die oben mit einer ſchönen Kreuzigung enden.
Die Abendſonne warf ihre magiſchen Strahlen auf ohnehin bunten Gewänder der Rhönerinnen, deren Kopf in blendendweiße Tücher gewunden war. Die Sangesweiſen der Waller erinnerten ſo ſehr an jene alten, melodienreichen Volkslieder, welche man noch hie und da im Fränkiſchen unter der frohen Jugend vernimmt, und aus ihrem Chor, der mit Solo abwechſelte, ſtachen gar liebliche Stimmen gleich Engelsſtimmen hervor, mit welchen ſich die etwas rauhen Männerſtimmen nicht unſchön vermiſchten.
Um und zwiſchen dieſen Gruppen bewegten ſich andere, profanerer Art. Es waren jugendliche, in Lumpen gehüllte Bettler, Knaben und Mädchen vom nahen Sandberg, die hier ihr Weſen trieben, hoffend bei ſolcher Gelegenheit eine reiche Ernte zu halten. Wie blutgierige Mücken umſchwärm ten ſie, wer ihnen in den Weg kam, nicht eher ablaſſend, bis man ihnen ein Almoſen gereicht. Da half kein Schelten und Drohen; ſie verſtanden ihr Handwerk zu gut, als daß ſie ſich mit leeren Worten hätten abſpeiſen laſſen. Wir be
dauerten nicht Maler zu ſein; eigenthümlichen, ausdrucksvollen Haltung, in ihrer lichten Färbung hätten einen prächtigen Vorgrund zu der ſchönen warmen Landſchaft geben müſſen, die ſich rings vor unſern überraſchten Blicken ausbreitete.
Endlich hatten wir uns durch das Gedränge hindurch gearbeitet bis zu dem 70“ hohen Kreuze, das auf der höchſten Wölbung ſtolz gen Himmel ragt. Wir beſtiegen das dabei ſtehende Obſervatorium, zu welchem ſowohl die Franzis kaner, als auch der Wirth den Schlüſſel hat. Welch ein erhabenes Rundgemälde breitet ſich hier aus! Weit, bis auf 30 und mehr Stunden ſchweift das trunkene Auge in die Ferne. Mit unbewaffnetem Blick ſiehſt du 182 Ortſchaften die 70 Thurmſpitzen von verſteckten Dörfern nicht mitge rechnet. In mannigfachen Schattirungen liegen vor dir die Städte und Dörfer des mittleren Maingebietes, alſo das herrliche Frankenland mit ſeinen blühenden Saatfeldern, wie auf einer großen Karte, deſſen klare Flüſſe bis zu ihrem Urſprung ſich verfolgen laſſen. Dort kreiſt dein Auge an den gebirgigen Landen der Heſſen und hier an dem Gebirgs kamme der Thüringer. Nur die friſchen Matten des nahen Dammersfeldes ſetzen ihm weſtlich eine Grenze
Gen Oſten trägt der Blick über Neuſtadt und Salz zburg hinaus nach Königshofen, Sternberg, zu der Altenburg bei Bamberg, S Staſſelſtein bis zum Ochſenkopf des Fichtelgebirgs. Im Südoſt ruht das Städtchen Münnerſtadt. Ueber daſ ſelbe hin ſchauſt du den Steigerwald, Stollberg, den Zobel ſtein mit dem alten Schloſſe und ſeinem Obſervatorium. Südlich erſcheinen dir hinter Kiſſingen und Aſchach und der Botenlaube die Thürme von Werneck, in weiter Ferne der Schwammberg bei Ipshofen und Kaſtell. Wendeſt du dich nach Südweſt, ſo gleitet dein Auge von Kiſſingen aus auf die Kreuzkapelle von Sulzthal, Triml bach, Saaleck, Soden berg, den Gramſchatzer Wald, Nikolausberg bei Würzburg und auf mehrere Orte im Ochſenfurter Gane; in duftiger Ferne bei Mergentheim auf die Berge von Schönthal, das Schloß im Guttenberger Walde, und das Jägerhaus im Irdenberger Walde an der Heerſtraße nach Biſchofsheim an⸗ der Tauber. Richten wir den Blick gegen Abend, ſo gewah ren wir zunächſt den ſchönen Kegel des Schildeck und des Dreiſtelz, das Dammersfeld und hinter demſelben die bläut lichen Streifen des Taunus mit dem Königſtein und dem Feldberg und die Vogelsberge. Nordweſtlich geht der Blick über waldige Flächen, die Silberhöfe, Rothenrain, auf den Wachtküppel und den Stoppels Bberg tief im Heſſiſchen. Im Norden liegt vor uns die Oſterburg, hinter dieſer dann die berühmte Eube mit dem Pferdskopf, die Abtsröder Kuppe, die Milſeburg, die Steinwand, die lange Rhön und in weiter Ferne zeigt ſich der Brocken. Nordöſtlich endlich ſehen wir über das zu unſern Füßen liegende Biſchofsheim die Lichten burg, die Ruine Henneberg, den Dolmar und den majeſtä tiſchen Inſelberg.
Die Sonne naht ihrem Untergang. Lange vorher ſchon liegen die nahen Thäler in ihrem dunkeln, violetten Abend gewand, das unruhige Treiben der Menſchenkinder in fried liche Stille verwandelnd, während der gewaltige Feuerball noch ſichtbar iſt, in deſſen goldenem Scheine die Spitzen der höheren Berge zittern. Immer tiefer ſenkt er ſich hinab, bis er ſich endlich hinter goldgeränderten Wöllchen verliert. Doch ſiehe, plötzlich tritt er noch einmal mit aller Pracht hervor, nachdem er den Himmelsrand in Glut und Feuer getaucht und drückt dann verſchwindend der Mutter Erde den letzten Abſchiedskuß auf die ſchmachtenden Lippen.
ſchön iſt's freilich nur an einzelnen Sommertagen.
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denn dieſe Gruppen in ihrer


