Rücken der Langen Rhön, volksthümlich der Hohen Rhön, die ſich an ſechs Stunden von Norden nach Süden er⸗ ſtreckt, an deren Südoſtende ſich der romantiſch⸗erhabene
eine offene Rolle zu ſpielen hat, wird gewiß nicht über die Maßen angegriffen werden.
Kreuzberg lehnt, deſſen ſüdliche Fortſetzung die etwas düſtern Schwarzen Berge ſind. ſtreckten Rücken ſiehſt du die beiden großen merkwürdigen
und ſagenhaften Moore, den Stand- und Fundort ſeltener
Rhönpflanzen und Vögel. An dem Weſtende dieſes Ge⸗ birgsſtockes, welcher durchaus das Gepräge des Ernſten und Erhabenen trägt, ergötzt ſich unſer Auge an den unzähligen Viehhöfen, den Almen der ſitteneinfachen Rhöner, die gleich Schwalbenneſtern an die jähen Abhänge angeklebt ſind. Um dieſelben die braunen Rinder- und die ſchmucken Rhönham⸗ melheerden, welche mit Gier im fetten Graſe weiden.
Von dieſer ſchönen Landſchaft gleitet das trunkene Auge auf jene freundlichernſten Rücken, bedeckt mit ſonnigen Weiden, unter welchen du die berühmte Grasalpe des Dammers⸗ feldes hervorragen ſiehſt, um deren fetten Beſitz ſich einſt
die geiſtlichen Fürſten von Würzburg und Fulda gar weid⸗
lich herumſchlugen. Man nennt dieſen Gebirgszweig die Waldgebirgige Rhön, die den ganzen Zug im Süd⸗ weſten ſchließt; es trägt den Ausdruck des Romantiſch⸗Idyl⸗ liſchen.
Und auf dieſen luftigen Höhen, die nicht ſelten mit einer Seeiten zugänglich.
zerfallenen Ritterburg, oder einem ſtillen Kloſter, oder mit einem einſamen Kirchlein gekrönt ſind, welche reizende Fern⸗ ſichten! Ueber grüne Matten und wohlangebaute Felder, geſchmückt mit freundlichen Ortſchaften, ſchweift der Blick hinaus in die unendliche Ferne, deren zartes Blaugrau ſich mit dem Firmament verſchmilzt.
Trittſt du, lieber Wanderer, von der Höhe der Berge herab, belaſtet von der Kräuter beſten und edelſten, die dir allerwärts entgegenduften, in die ſanftausgebogenen Thäler und Gründe, dann vernimmſt du das trauliche Gemurmel der Waldbäche, die halb verſteckt zwiſchen Erlengebüſch da⸗ hinrinnen, und dann und wann das harmoniſche Geläute heimziehender Schafheerden.
Verfolgſt du deinen Weg weiter gen Süden, wo das
Bächlein gemeſſeneren Schrittes aus dem Gebirge tritt, ſo
kommſt du an manchen ſchönen Najadentempel, dort, wo aus der Berge tiefſtem Schooß in reichlicher Fülle köſtliche, heil⸗ ſame Quellen ſprudeln, Tauſenden von Nah und Fern die entſchwundene Geſundheit wiederbringend. Kennſt du die
Namen der Brunnentempel? Es iſt das ſtille, trauliche
Bocklet, das romantiſch⸗ſüße Brückenau und das ſtolze Kiſ⸗ ſingen von europäiſchem Rufe, köſtliche Perlen in der Krone des Gebirgs!
Wenn nun endlich dein Fuß müde iſt ob des langen
möchteſt du auch Feierabend halten. Siehe, dort winkt dir ein gaſtliches Dach! Ein freundlicher Wirth und eine noch viel freundlichere Wirthin führen dich in das wohnliche Stübchen des beſcheidenen Hauſes. Da hegt und pflegt man dich und ſpeiſt dich mit einem ſaftigen Rhönhammel⸗ braten oder mit einem hübſchen Rehrücken und mit ſchmack⸗ haften Forellen aus den klaren Waldgewäſſern. Zum Trunke reicht man dir aber würziges Bier oder ein Glas ganz trefflichen Weins, der an den Abhängen des ſüdlichen Vor⸗ landes gewonnen wird. Nach des Tages Laſt und Hitze, nach den Mühen und Beſchwerden, die immer mit einem Gebirgsmarſche verknüpft ſind, kannſt du dir nun gütlich thun. Vielleicht, ich darf es hoffen, wirſt du dich hier wohler befinden, als in dem erſten Hotel deiner groß⸗kleinen Reſi⸗ denzſtadt und deine Börſe, die bei ſolcher Gelegenheit immer
Auf dieſem langge⸗
iſt durch und durch romantiſch.
Sparbrod und Oberwieſenbrunn in zwei Stunden.
ortes immer mehr. Wanderns und dein Leib der Pflege und Ruhe bedarf, dann
2. Ein Abend auf dem heiligen Kreuzberg.
Es war am 2. Auguſt, am Vorabend des berühmten Wallfahrtsfeſtes Portiuncula, als wir ſehr ermüdet, vom nahen Dammersfeld kommend, auf dem heil. Kreuzberg bei dem Franziskanerkloſter anlangten. Der Eindruck des 2855“ hohen Berges, der ſchon unten im Thale in ſeiner ganzen Größe vor uns lag, und einen Umfang von 6 Stunden hat, Der Scheitel breitet ſich zu einer geräumigen Hochwieſe aus, während ſeine Hänge aufs Lieblichſte mit dem ſchönſten Laubholz bekleidet ſind. Er liegt im Südoſten des Gebirgs und ſtürzt ſich gegen dieſe Himmelsgegend hin jäh in das Saalthal hinab. Im Nord weſt hängt er durch das Auerjoch des Guckas mit dem Feuer⸗ berg(Schwarze Berge) zuſammen; im Weſten dagegen iſt er durch die Schlucht des Kellerbaches kurz abgeſchnitten, und gen Norden endlich lagern ſich ihm in ſanfter Milde die Querthäler der vorderen Sinn und der Brend entgegen, die ſeinen ganzen Stock außer der Hauptwaſſerſcheide(am Dammersfeld) halten. Der erhabene Berg iſt von allen Von Biſchofsheim über Haſelbach er⸗ klimmt man ihn in einer guten Stunde; von Gersfeld über Von Neuſtadt über Brendlorenzen oder Hohenroth erreicht man ſeinen Gipfel in vier Stunden und von Brückenau herauf über Oberbach gebraucht man 3 ½ Stunden.
Des Berges Geſchichte reicht bis ins 7. Jahrhundert hinauf. Im Jahre 668 erſchien hier der Frankenapoſtel St. Kilian und ließ an die Stelle der Bildſäule der nordi⸗ ſchen Holla das Kreuz ſetzten. Aus dem Herrgottsbrunnen (zur Brend) ſoll der Heilige meiſt getauft haben, und die Bewohner des Kilianshofes ſollen die erſten Chriſten in der Rhön geweſen ſein, worauf ſich deren Nachkommen noch jetzt nicht wenig einbilden. Biſchof Julius Echter von Mes⸗ pelbrunn ließ geraume Zeit nachher, 1582, an die Stelle des umgeſtürzten hölzernen Kreuzes ein ſteinernes ſetzen. Zu gleicher Zeit kamen auf deſſen Befehl einige Franzis⸗ kaner von Dettelbach auf den Berg, um an hohen Feſttagen den Wallfahrern, die ſchon in großer Zahl hierherſtrömten, das Gotteswort zu predigen. Im Jahre 1598 wurden die erſten Hütten auf dem Berge erbaut zum Aufenthalte der Geiſtlichen. Während des Winters wohnten ſie in Biſchofs⸗ heim. Von da an verbreitete ſich der Ruf des Wallfahrts⸗ Doch wurde erſt viel ſpäter, im Jahre 1679, nach vielen Mühen und nach Ueberwindung mancher Schwierigkeiten, der Bau eines Kloſters begonnen, das zu⸗ nächſt für zwölf Geiſtliche beſtimmt war.
Es liegt weſtlich(217) unter dem Gipfel des Berges, am Saume eines herrlichen Buchenwaldes und ſeine Schiefer⸗ dächer glänzen weithin. Es iſt ganz maſſiv in zwei großen Flügeln erbaut, die ſich im rechten Winkel ſchneiden; die ſchöne Kirche mit dem niedlichen Thürmchen ſtößt an den öſtlichen Flügel. Hinter dem Kloſter befindet ſich der Garten, mit den beſten Gemüſen beſetzt. Gegenwärtig iſt daſſelbe von 4 Geiſtlichen und 6 Laienbrüdern nebſt 1 Schaffner be⸗ wohnt. Filiale des Kloſters ſind Sandberg und Waldberg, wo die Geiſtlichen während des Winters wohnen. Dieſes Kloſter erfreute ſich der beſondern Huld des Fürſtbiſchofs Georg Karl von Fechenbach, der hier bei Gelegenheit großer Jagden, bei welchen oft an 100 Stück Wildſchweine, ſelbſt


