Jahrgang 
1857
Seite
431
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Bilder aus den deutſchen Gauen.

V. Skizzen aus der Rhön.

1. Allgemeines.

Wenn wir nach langem Verweilen im engen, dumpfen Stübchen von der anſtrengenden Arbeit müde und matt ge⸗ worden, dann eilen wir, den Gänſekiel, meinetwegen auch die moderne Stahlfeder, mit dem Knotenſtock vertauſchend, hinaus in die freie, friſche Natur, um Herz und Auge wieder zu kräftigen und zu ſtärken. Am liebſten wählen wir da wohl die Gebirgsnatur, welche durch ihren reinen Hauch am geeignetſten erſcheint, das zu gewähren, was wir ſuchen.

das mit finſtern Tannenwäldern bedeckte, mit Erzen erfüllte Urgeſtein und das dadurch bedingte gewerbthätige Weſen der Menſchen, nicht ſo viele Felſenpartien in tiefeingeſchnit⸗ tenen Thälern. Deſto reicher und mannigfaltiger iſt es aber in andern Beziehungen. Insbeſondere heben wir hervor die wunderbaren Baſaltkegel der Rhön, den großen Quellen⸗ reichthum, den üppigen Graswuchs, welcher der Viehzucht ihr fröhliches Gedeihen ſichert und die ſtattlichen, mit Wild aller Art belebten Laubholzwaldungen, welche die Hänge des Gebirgs aufs Lieblichſte bekleiden. Dazu noch die prächti⸗

Der heilige Kreuzberg.

Wir verlaſſen unſere einförmige hügel- und bergloſe Heimath gen, alpenähnlichen Seen in den nördlichen Vorbergen, in

und erklimmen die luftigen Höhen, wo der Erde niedere Sorgen zerrinnen, wie der graue Nebel vor dem jungen Strahl der Frühlingsmorgenſonne. Der Eine ſetzt ſeinen Wanderſtab in den Thüringerwald, ein Anderer nimmt ſich den Harz zum Ziele, noch Andere wandern in das Fichtel⸗ gebirg, oder gar in die mächtigen Alpen. Wir aber wählen keines von dieſen Gebirgen allen, ſondern werfen unſer Auge auf die von den bläulichen Fluthen der Werra, Saale und Fulda umſchlungene, weniger bekannte Rhön(das alte Bu⸗ chonien), die ja auch keine der letzten Stellen unter den Mittelgebirgen unſers lieben deutſchen Vaterlandes einnimmt.

Zwar vermag ſich unſer Gebirg in mancher Beziehung nicht mit den genannten Nachbarketten zu meſſen; es hat nicht

deren grünem Spiegel ſich die Spitzen der Berge zu baden ſcheinen.

Siehſt du dort im Weſten die zahlloſen, laubumhüllten, maleriſchen Bergkuppen, die dir ſo freundlich entgegenblicken, und die ſonderbaren, zuckerhut- und glockenförmigen Geſtal⸗ ten, welche zwiſchen ihnen und um ſie gelagert ſind? Es iſt derjenige Zweig des Gebirges, welchen man die kuppen⸗ reiche Rhön genannt hat. Dieſe Formen verleihen dem Gebirgsgliede den Charakter des Grotesken und Bizarren. Der Mittel- und Glanzpunkt deſſelben iſt die romantiſche Milſeburg, die gleich einer Königin die Huldigungen ihrer ſie umgebenden niedern Vaſallen herablaſſend entgegen⸗ nimmt. Uns öſtlich wendend, ſtehen wir ſtaunend auf dem