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nutt.
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Inhalt: Des Geldes Fluch. Novelle von Theodor König. Fünftes Kapitel.(Schluß.)— Die Bilanz des Lebens. Von Hugo Oelberm ann.— Bilder aus den deutſchen Gauen. V. Skizzen aus der Rhön.— Julius Fröbel. Aus Amerika. Von G. D.— Die Kartoffelknolle und ihre Erkran⸗ kung. Von Dr. J. Speerſchneider. II.(Schluß.)— Skizzen aus Rom. Von Emma Niendorf, II. Sonnenuntergang auf dem Palatin.—
Aus dem Weltleben.— Was beliebt: Kaiſerliches Dekret vom 13. Auguſt.— Ludmilla Aſſing über die Gräfin Eliſe von Ahlefeldt.— Die
Fürſtin Daſchkoff.— Ueber Hölderlin.
Des Geldes Fluch.
Novelle von Theodor König.
Ffünftes Rapitel.
(Schluß.)
Ja, er that, was er thun konnte; und was an dämo⸗ niſcher Bosheit und Tücke in ſeiner ſchwarzen Seele wohnte, das wandte er auf, um dem unglücklichen, exal⸗ tirten, kranken Richard das nur noch flackernde Licht der Vernunft vollends auszublaſen und ihn ganz in die Fin⸗ ſterniß des Wahnſinns zu ſtürzen. Er reizte ſtündlich ſeinen Argwohn, ſtachelte ſeine Furcht und verdächtigte Alles, was den Unglücklichen umgab. Ja, er verſchaffte dem im höchſten Grade aufgeregten, kranken Menſchen, bei dem jeden Augenblick ein Gehirnſchlag zu befürchten
1 war, noch ſchwere, hitzige Getränke, wodurch er, wenn
ſeine Natur nicht ſo kräftig geweſen wäre, ſeinen Tod her⸗ bboeigeführt haben würde.
Vergebens wandte Karoline im Vereine mit dem An⸗ walt alles an, um den Kranken, Exaltirten zu beruhigen; vergebens ertrug ſie mit der Geduld einer barmherzigen Schweſter ſeine Launen, Verdächtigungen und Belei⸗ digungen. Anton, gegen welchen ſie ja nicht den gering⸗ ſten Argwohn hegen konnte, wußte ihre Bemühungen nicht nur fruchtlos zu machen, ſondern dieſelben geradezu als ſchnöden Eigennutz darzuſtellen, ſo daß ſich der Hilfloſe, Verblendete am Ende ganz ſchroff gegen Karoline benahm, ihr jeden heilſamen Schritt zu ſeinen Gunſten unmöglich machte und gleichſam im Sturmſchritt ſeinem Verhängniß zueilte.— Bei dem Begräbniſſe ſeines Vaters legte
Richard zum erſten Male Spuren von wirklichem Irrſinn an den Tag. Als der Geiſtliche die Grabrede hielt und— nach dem Grundſatze: de mortuis nil nisi bene!— von den guten Eigenſchaften des Verſtorbenen ſprach, von ſeiner Loyalität, ſeiner unermüdlichen Thätigkeit und ſeiner großen Mäßigkeit im Genuſſe!— brach Richard plötzlich, indem er düſter umher blickte, in ein lautes, wildes Gelächter aus. Und als er nach Hinabſenkung des Leichnams die üblichen drei Handvoll Erde in's Grab werfen ſollte, rief er mit Gebärden des Abſcheus und der Entrüſtung:„Nein, er hat mir Nichts hinterlaſſen, und ſo geb' ich ihm auch Nichts mit!— Wir ſind quitt, ha ha!“
Nach Beendigung der Feierlichkeit näherte ſich der Anwalt Karolinen und ſagte:„Es bleibt Ihnen Nichts mehr zu hoffen. Und was mich betrifft, ſo bin ich ge⸗ zwungen, noch heut Abend abzureiſen. Die Frau Gräfin war ſo gnädig, mir ihr Mandat zu entziehn; und Herr Karl trieb ſeine Höflichkeit ſo weit, mir zu ſagen, daß man meiner in keiner Weiſe mehr bedürfe.“
„Aber mich hat man noch nicht verjagt, alſo werde ich bleiben,“ entgegnete Karoline feſt.„Und eh' es zum Aeußerſten kommt, werd' ich noch einmal mit Karl ſprechen.“
„Was nennen Sie das Aeußerſte? Das Aeußerſte iſt geſchehn. Nach dem, was ſoeben am Grabe vorgegangen, ſteht feſt, daß Richards Gemüth und Geiſt in der That


