Schließlich verordneten die Fürſten noch auf Ranzau's Rath die Einſetzung eines Kriegsraths, deſſen Gutachten vor jeder Action gehört werden ſollte.
So ward denn das dem Verderben geweihte Ländchen von allen Seiten eingeſchloſſen und mit einem umſichtig vor⸗ bereiteten furchtbaren Angriffskriege ſeiner ergrimmteſten
Todfeinde bedroht. Auf fremde Hülfe durften die Dith⸗ marſchen nicht rechnen, denn die drohende Haltung der ver⸗ bündeten Fürſten erſchreckte die freundlich geſinnten Hanſe⸗ ſtädte und den ohnehin machtloſen Erzbiſchof von Bremen.
Am 17. Mai 1559 zogen die Fürſten ihr 24000 Mann ſtarkes Heer bei Hohenweſtedt zuſammen.
Volkswirthſchaftliche Skizzen.
Von H. Schulze⸗Delitzſch.
II. Das Eigenintereſſe, die Hewegende Macht im Haushalt der geſecſchaft.
Iſt der von uns im Vorigen aufgeſtellte Satz richtig: daß die menſchliche Geſellſchaft ein Naturprodukt iſt— mit andern Worten, daß die Menſchen von Natur ſo
geartet ſind, daß ſie mit innerer Nothwendigkeit zum geſelli⸗
gen Zuſammenleben hingedrängt werden: ſo muß es einmal eine natürliche Triebkraft geben, welche das Ganze in Bewegung ſetzt, ſo zu ſagen die Räder der Maſchine ſpielen läßt, und ſodann eine feſte Ordnung, einen Regulator,
der die Wirkungen jener Kraft nach allen Seiten hin zu einem
harmoniſchen Ganzen zuſammenfaßt und ihnen ebendadurch den einheitlichen, d. h. geſelligen Charakter verleiht. Um Beides aufzufinden, müſſen wir das Weſen der Geſell- ſchaft einer genauen Unterſuchung unterwerfen, und da die⸗ ſelbe, wie wir ſahen, nichts Anderes als eine aus vielen Einzelweſen beſtehende Geſammtheit iſt, ſo finden wir uns wiederum auf das Weſen dieſer Einzelnen zurückge⸗ wieſen, welche ausſchließlich ihre Träger ſind, auf die Men
ſchennatur alſo, deren Geſetze, wir wiederholen es, zugleich die Geſetze der Geſellſchaft, auch auf wirthſchaftlichem Felde, ſein müſſen.
Nehmen wir nun den Menſchen, wie er von Natur
iſt, ſo ſehen wir zunächſt in ihm ein Weſen mit angebornen Bedürfniſſen und Fähigkeiten. In jedem Bedürfniſſe liegt der Trieb nach Befriedigung unmittelbar einge ſchloſſen, welche letztere jedoch ein Thun, ein Bemühen unſe rerſeits vorausſetzt, ohne welche man in der Regel nicht dazu gelangt. Sobald daher dieſer Trieb ſtark genug wird, den Abſcheu vor der Anſtrengung, die Trägheit zu über winden, welche jedem Menſchen angeboren iſt, ſpornt er die verſchiedenen Fähigkeiten an, ſich zur Erreichung des genann⸗ ten Zieles der Befriedigung— in Bewegung zu ſetzen und entwickelt dieſelben durch Uebung zu Kräften. Dieſer einfache Vorgang enthält den ganzen Lebensprozeß des Men⸗ ſchen. In dem Bedürfniß, dem Triebe nach Befrie digung, welchen es einſchließt, haben wir den Anſtoß zu
aller Bewegung, welcher das Uhrwerk in Gang bringt, und
um ſo unwiderſtehlicher wirkt, als er mit dem Selbſter haltungstriebe, dem ſtärkſten bei allen lebendigen Ge ſchöpfen, zuſammenfällt. digung als Ziel und Ruhepunkt, ſo jedoch, daß aus ihrem Schooße fortwährend neue Bedürfniſſe erwachſen, um im ewigen Kreislaufe von Neuem wieder darin begraben zu werden. Da nun der Menſch ein mit Selbſtbewußt ſein und Selbſtbeſtimmung begabtes Weſen iſt, ſo ver mag er einerſeits die Nothwendigkeit jenes Kreislaufs zu erkennen und deſſen regelmäßige Wiederkehr vorauszuſehen; andererſeits aber kann es nicht fehlen, daß er darin nach eignen Zwecken einzugreifen eine beſtimmte Stellung dazu, eine Einwirkung darauf zu gewinnen ſich bemüht. Dabei
Laufbahn geben.
trägt ſich die Stetigkeit des Vorgangs, ſeine regelmäßige Wiederkehr auch auf dieſen Hang des Menſchen über, welcher dadurch zu einem unabläſſig rege gehaltenen Streben, zu einer dauernden Eigenſchaft bei ihm wird, dem Eigenin⸗ tereſſe.
Das Eigenintereſſe(Selfinterest bei den Englän— dern), die Allen eingeborene Sorge für ihr Ich, die natür⸗ liche Selbſtliebe, haben wir demnach aufzufaſſen als das ſtetige Verlangen und Streben des Menſchen, ſeine Bedürfniſſe in immer vollkommenerem Grade und mit immer leichterer Mühe zu be⸗ friedigen. Prüfe ſich nur Jeder ſelbſt, darauf läuft doch ſein ganzes Dichten und Trachten auf wirthſchaftlichem Ge⸗ biete hinaus:„ſo wenig als möglich zu thun, und ſoviel als möglich dafür zu haben.“ Und ſicher iſt dies höchſt weiſe von der Natur ſo eingerichtet, ſicher konnte ſie uns keinen mächtigern Sporn als Mitgift auf unſere Denn in dieſer heilſamen Ausgleichung zwiſchen der Nothwendigkeit der Anſtrengung, in der wir uns befinden, und der Scheu davor, die uns beſeelt, liegt gerade der Grund alles wirthſchaftlichen Fortſchritts. Die Scheu vor der Anſtrengung und das in ihr wurzelnde Inter⸗ eſſe des Menſchen, ſich dieſelbe zu ſparen, oder doch zu er⸗ leichtern, ſind es hauptſächlich, was denſelben erfinderiſch macht und zu allen denjenigen Hülfsmitteln und Methoden der Arbeit führt, welche deren Produktivität vermehren, und ſo ihm bei geringerer Mühe einen größeren Ertrag ge⸗ währen.
Daß wir ſonach im Eigenintereſſe die natürliche Triebfeder haben, welche die einzelnen Menſchen auf wirth⸗ ſchaftlichem Gebiete in Thätigkeit ſetzt und erhält, wird von Niemand beſtritten. Nur dagegen erheben ſich vielfache Zweifel, daß demſelben ſeiner Natur nach eine geſe llſchaft— liche Tendenz beigemeſſen werden könne. Gerade weil das Eigenintereſſe— ſo ſagt man— die Einzelnen bei ihren Beſtrebungen ſo ausſchließlich regiert, muß man dem⸗ ſelben im Intereſſe der Geſammtheit entgegen treten. Denn
wird ihm freier Spielraum gelaſſen, ſo faßt Jeder bei ſeinem
Ihm gegenüber ſteht die Befrie⸗
Thun und Laſſen lediglich den eignen Vortheil in das Auge und ſucht ſein Wohl unbedenklich auf Unkoſten der Andern, was am Ende zur Auflöſung aller Gemeinſchaft führen müßte. Deßhalb thut ein Gegengewicht gegen jenes der Geſellſchaft feindliche Sonderintereſſe noth, welches daſſelbe in Schranken hält und auf keinen Fall in den natürlichen Trieben und Neigungen der Einzelnen geſucht werden kann, weil ja dieſe ſämmtlich unter der Herrſchaft des zu bekämpfen⸗ den Elements, des Sonderintereſſe, ſtehen.
Unmöglich kann dieſe Anſicht die unſere ſein. Der Menſch iſt ein von der Natur zur Geſelligkeit beſtimmtes Weſen,


