Jahrgang 
1857
Seite
405
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Herzoge nur ſehr geringe eigene Geldmittel zur Verfügung ſtanden. Er blieb jedoch nicht ganz unthätig, denn ſchon im folgenden Jahre erfuhren die Dithmarſchen, daß er unter falſchem Namen ihr Land bereiſt und die Lage und Befeſti⸗ gungen der hauptſächlichſten Ortſchaften ausgekundſchaftet hatte. Die darüber ergrimmten Bauern ſchalten ihn nun laut einen elenden Spion, einen armſeligen Schlucker, der, nachdem er das Seine durchgebracht, Fremde zu berauben trachte ꝛc ꝛc. Solche Schmähungen entflammten nur noch mehr die Rachbegierde des ſtolzen Fürſten.

Trotz der Ungeneigtheit ſeines königlichen Bruders be⸗ trieb er jetzt eifriger denn je die Ausführung ſeines Plans. Im Jahre 1557 ließ er von dem gelehrten Adam Traziger in Hamburg eine Denkſchrift über die holſteiniſchen Anſprüche auf Dithmarſchen ausarbeiten und trat zugleich mit zwei an geſehenen Kriegshauptleuten wegen Anwerbung von Sold⸗ knechten in Unterhandlung. Dieſe beuteluſtigen Anführer entſprachen den Wünſchen des Herzogs ſo raſch, daß ſchon nach Verlauf weniger Monate ſtarke Kriegshaufen an der Grenze des Bremer Gebietes erſchienen. Ein weiteres Vor⸗ gehen ward aber nochmals verhindert durch die entſchiedene Weigerung des Königs, die Pläne des Herzogs zu fördern.

Im Jahre 1559 endlich geſtalteten ſich die Dinge günſtig für Adolf. Am 1. Januar ſtarb König Chriſtian und ihm folgte ſein jugendlicher Sohn Friedrich II. Sofort nahm der Herzog die Rüſtungen wieder auf, brachte auf dem Kieler Umſchlage(Meſſe) große Geldſummen an ſich und reiſte dann nach Wolfenbüttel, wo er ein Bündniß mit dem Herzog Heinrich von Braunſchweig abſchloß. Einer ſeiner Vertrauten, Daniel Ranzau, nahm inzwiſchen für ihn ein ſtarkes Regi⸗ ment Fußvolk unter Wolfgang Schönweſen und eine Reiter⸗ ſchaar unter Joachim Blankenburg in Sold. Die Anwerbung ſolcher Söldnerſchaaren hielt nicht ſchwer, denn Herzog Adolf war nicht der Einzige, der ein ſo großes Verlangen trug, die Dithmarſchen heimzuſuchen, eine große Anzahl kriegs⸗ und beuteluſtiger Feldhauptleute, die in den Heeren des Kaiſers in Italien und den Niederlanden gedient hatten, hegten die⸗ ſelbe Neigung. Sie alle hatten ja oft erzählen hören,wie die Dithmarſchen neben der Grafſchaft Holſtein ein Volk wären, das keinen Herrn habe und keinen Herrn dulden wolle und durch ſeinen großen Muth für ſeine Freiheit ſeinen Nachbarn und allen Fürſten gefährlich ſei⸗) und daß dieſe Dithmarſchen große Reichthümer beſäßen! Darum war denn auch einer der berühmteſten Anführer, Wolfgang Schönweſen, der Erſte, der in die Dienſte des Herzogs trat,denn er trug großes Verlangen, das Land zu ſehen, wo, wie man im Reiche erzählte, die Schweine aus ſilbernen Trögen fräßen.

Die Dithmarſchen beklagten ſich, ſobald ſie Kunde von den ſtattfindenden Rüſtungen erhalten, bei ihrem ſogenannten Schutzherrn, dem Erzbiſchof Georg von Bremen,**) und dieſer forderte nun den Herzog auf, etwaige zwiſchen ihm und den Freibauern entſtandene Mißhelligkeiten durch friedliche Verhandlungen auszugleichen. Ihm antwortete der Herzog: es ſei nicht ſeine Abſicht, den Erzbiſchof oder einen andern Reichsſtand zu bekriegen, die Rüſtungen würden nur unter⸗ nommen, weil König Philipp von Spanien ihn aufgefordert habe, ihm Beiſtand gegen Heinrich II. von Frankreich zu leiſten.

*) Worte Chriſtian I., als er den Kaiſer bat, ihm das Land Dith⸗ marſchengnädigſt zu vergönnen, nachdem es nicht gut wäre, daß ein Volk ohne ein Haupt und Fürſten lebe.

**) In alten Zeiten war Dithmarſchen der Zankapfel zwiſchen den holſteiniſchen Grafen, den däniſchen Königen und den Biſchöfen von Bremen, bis es endlich gegen Ende des zwölften Jahrhunderts ganz unter die geiſtliche und weltliche Herrſchaft des Erzbisthums Bremen kam. Auch als Freiſtaat erkannte es gewiſſe Hoheitsrechte des Erzbiſchofs an.

Auch dem königlichen Statthalter Heinrich Ranzau ent⸗ ging das verdächtige Treiben des Herzogs nicht, und ſchleu⸗ nigſt wurden nun der König und Johann Ranzau, des Statt⸗ halters Vater, von allem benachrichtigt. Es geſchah dies jedoch nicht ſowohl, um einem Bruch der beſtehenden Verträge zuvorzukommen, als vielmehr um zu verhindern, daß der Herzog Dithmarſchen allein bekriege und ſich zueigne. In dieſem Sinne ſprach ſich auch der greiſe kriegserfahrene Johann Ranzau gegen Adolf aus, als dieſer ſeine Dienſte begehrte, und der gelehrte Statthalter war bemüht, den an⸗ fangs dem Unternehmen durchaus abholden König für den Plan ſeines Oheims zu gewinnen. Nach längerem Schwanken beſchloſſen der König und Herzog Johann mit Adolf in Unter⸗ handlung zu treten. Die Zuſammenkunft ſollte am 24 April zu Nortorf ſtattfinden.

Die beiden Fürſten mit ihren Räthen trafen zur verab⸗ redeten Zeit in Nortorf ein, Herzog Adolf aber, der ſich offenbar nur mit großem Widerwillen in eine Verbindung mit ſeinen Verwandten einlaſſen mochte, weil er gar zu gern das reiche Ländchen für ſich allein zu erobern wünſchte, ließ mehrere Tage auf ſich warten, und wirklich kam auch erſt am 1. Mai nach langwierigen Verhandlungen ein Bündniß zwiſchen den drei Regenten zu Stande. Dithmarſchen ſollte von den vereinigten Streitkräften der Fürſten angegriffen⸗ und nach vollbrachter Eroberung zu gleichen Theilen getheilt werden. Die von Adolf bereits verausgabten Summen er⸗ hielt er vergütet; alle ferneren Koſten ſollten gemeinſchaftlich getragen werden. Auf den dringenden Wunſch der Fürſten erklärte Johann Ranzau*) ſich bereit den Oberbefehl in dem bevorſtehenden Kriege zu führen.

Es muß wohl zumeiſt dem Einfluſſe dieſes kriegser⸗ fahrenen Feldherrn zugeſchrieben werden, daß man dießmal bei den Vorbereitungen zum Kampfe mit der größten Umſicht zu Werke ging. Ranzau wollte die ihm anvertrauten Truppen nicht zu einem luſtigen Treibjagen, ſondern zu einem ernſten, blutigen Kriege gegen ein mannhaftes, kampfgewohntes Volk führen, das genugſam den Beweis geliefert, daß es allezeit entſchloſſen war, ſeine Freiheit und Selbſtſtändigkeit auch gegen die größte Uebermacht zu vertheidigen. Zudem hatte ja auch Herzog Adolf aus eigener Anſchauung das Land und deſſen zum Theil ſehr ſtarke Befeſtigungen kennen gelernt, und er gab daher willig den Vorſchlägen des Oberbefehls⸗ habers Gehör, der die Aufſtellung ſelbſt einer ſehr großen Truppenmacht für ungenügend erkärte, falls man ſich nicht zugleich entſchließen würde, viele allerdings koſtſpielige, aber nothwendige Vorſichtsmaßregeln zu treffen. So wurde denn befohlen, alle holſteiniſchen Veſten mit Geſchütz und ſtarken Beſatzungen zu verſehen, um bei einem etwaigen Rückzuge Stützpunkte zu erhalten, ſodann die Dithmarſcher Seeküſte und die Elbmündung durch zahlreiche däniſche Kriegsſchiffe zu blokiren und eine allgemeine Bewaffnung der Einwohner der Kremper⸗ und Wilſtermarſch und der eiderſtedtiſchen Frieſen anzuordnen. Ferner wurden zahlreiche Schiffbrücken angefertigt und 1000 Schanz⸗ und Deichgräber in Sold genommen. Dem holſteiniſchen und däniſchen Adel, der ſich in großer Anzahl zum Dienſt einſtellte, ward ſtreng unter⸗ ſagt, überflüſſige Pack- und Rüſtwagen mit ſich zu führen.

*) Johann Ranzau war einer der berühmteſten Feldherrn ſeiner Zeit. Im Jahre 1521 befand er ſich mit auf dem Reichstage zu Worms und trat dort in Verkehr mit Luther, deſſen Reformationswerk er in Dänemark und den Herzogthümern ſpäter kräftig fördern half. Von ſeinem Sohne Heinrich, einem der größten Gelehrten jener Zeit, exiſtirt eine ſehr werthvolle in lateiniſcher Sprache geſchriebene Geſchichte des Dithmarſcher Krieges.