Jahrgang 
1857
Seite
404
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dem Kriege entnahmen, den wir in dieſem Aufſatze zu ſchildern beabſichtigen.

Während der eben erwähnten Umgeſtaltungen und Wirren in Dithmarſchen kam es nämlich einige male vor, daß Landesangehörige wegen vermeintlich gekränkter Rechte, für die ſie Selbſtrache an dem ganzen Lande nehmen wollten, ſich als Landesfeind erklärten, als ausgetreten aus dem bisherigen Volks⸗ und Landesverbande. Einer der merk⸗ würdigſten Fälle dieſer Art ereignete ſich 1539 zu Meldorf. Es lebte daſelbſt ein reicher, angeſehener Bauer, Namens Wieben Peter, der ſich wahrſcheinlich in Hoffnung reich⸗ lichen Gewinns einſt veranlaßt fand, einem unbemittelten Verwandten, der ſich außer Stande ſah das vermeintliche Recht zu einer ihm ſtreitig gemachten Erbſchaft zu verfolgen, dieſelbe abzukaufen. Wieben Peter, der überall im Lande großes Anſehen genoß, mochte wohl glauben, es würde ihm leicht gelingen, ſeine Anſprüche durchzuführen; aber er hatte ſich verrechnet. Die Achtundvierziger*) entſchieden gegen ihn. So appellirte er an das ganze Land. Die Landesvollmacht, d. h. die Achtundvierziger, die Landes⸗ beamten und die Kirchſpielgeſchwornen, traten auf dem großen Marktplatze zu Heide zum Gericht zuſammen und die ſtreiten⸗ den Parteien erſchienen an dem feſtgeſetzten Tage. Eine un⸗ abſehbare Volksmenge hatte ſich eingefunden, um den Spruch in dieſer großen Aufſehen machenden Sache zu vernehmen. Auch die Landesvollmacht entſchied gegen Wieben Peter.

Da beſtieg der vor Wuth ſchäumende Mann ſein ſchönes weißes Pferd, hielt das Landesbuch(die Sammlung der Landesgeſetze) hoch empor und rief mit gewaltiger Stimme: Gebt mir nach dieſem Buche Gerechtigkeit, oder ich erkläre mich von nun an als Landesfeind und gehe den an mir be⸗ gangenen Frevel vor Königen und Fürſten, Edlen und Unedlen zu klagen! Dann riß er ſein Pferd herum und ſprengte davon.

Aber Könige und Fürſten, an die der ſteifköpfige Dith⸗ marſcher Bauer ſich nun klagend wandte, hörten ihn zwar an, verhalfen ihm jedoch nicht zu ſeinem vermeintlichen Rechte, und ſo führte er denn ſeinen Entſchluß aus, ein Landesfeind zu werden. Zunächſt verband er ſich mit einer Anzahl ver⸗ wogener Kerle, zog mit denſelben plündernd durch das Land und brannte ſogar das Dorf Schafſtedt nieder. Solchem Unfuge zu ſteuern, ſandte die Obrigkeit Häſcher gegen ihn aus, von denen er bald ſo in die Enge getrieben ward, daß er ſich genöthigt ſah landflüchtig zu werden. Mit ſeinem Bruder und ſechzehn angeworbenen Kriegsknechten begab er ſich nach der Inſel Helgoland, wo er ſich unter dem Namen Hans Pommerenning niederließ, um Seeraub zu treiben. Von ſeinem Schlupfwinkel aus griff er nun vorüberſegelnde Handelsſchiffe an plünderte ſie und mißhandelte die Beſatzung derſelben. Das ging eine gute Weile ſo fort, bis endlich den ſo oft beſchädigten Dithmarſchen, auf deren Fahrzeuge der Räuber es vorzüglich abgeſehen hatte, die Geduld riß.

Sie beſchloſſen jetzt, dem verwegenen Landesfeinde das Handwerk zu legen. Unter Anführung des Achtundvierziger Olde Klaus Suhlen ſegelten am 19. Mai 1545 hundert Mann auf zwei Schiffen nach Helgoland. Sie waren mit Lebensmitteln für mehrere Wochen ausgerüſtet, hatten auch vierundzwanzig Tonnen Biers mitgenommen. Um 9 Uhr Morgens erſchienen die Schiffe bei der Inſel. Man gedachte, den Wieben Peter hinauszulocken und hatte den größten Theil der Mannſchaft unter Deck verborgen gehalten; aber der Räuber ließ ſich nicht blicken, denn er hatte nur geringe

*) Die oberſte Landesbehörde bildete ein Collegium von achtund⸗ vierzig Männern, die Achtundvierziger, auch Richter, Regenten und Verweſer genannt.

bewaffnete Macht zur Stelle, da die meiſten ſeiner Leute nach dem Feſtlande hinüber waren, um Leb ittel zu holen. Als er die Schiffe vor der Inſel kreuzen ſah, trat er auf den Kirchhof hinaus und ſpähte umher, wobei erzwei Knoten in ſeinen gelben Bart ſchlug. Endlich landeten die Dith⸗ marſchen, und Peter, der nun wohl vermuthen mochte, es ſei auf ihn abgeſehen, ſchickte den Prediger Lüder zu den Be⸗ waffneten, um ſie über den Zweck ihres Erſcheinens zu be⸗ fWieben Peter ſoll ſich auf Dithmarſchen-⸗Recht

fragen. ergeben! lautete die Antwort. Das wollte er nicht: ſeine Landesherren an. Da

Sache ginge aun den holſteiniſchen

erklärten die Dithmarſchen:Will er ſich nicht auf Dith⸗ marſchen⸗Recht geben, ſo wollen wir ihn darauf nehmen! und rüſteten ſich zum Angriff.

Aber Peter blieb auch nicht unthätig. Nachdem er ſeinen Leuten tapfer zugetrunken, ging er an die Arbeit. Er legte zwei eiſerneBarſen und einenernen Haken auf die Kirchhofsmauer und gab aus denſelben Feuer auf die An⸗ rückenden. Weil er jedoch dabei zu raſch verfuhr, traf er nicht, und nun ſtürmten die Dithmarſchen ſo haſtig auf den Kirchhof los, daß(ſo fügt die Chronik hinzu)Klaus Fake dabei ſeine Pantoffeln hat ſtehen laſſen. Als der Räuber ſah, daß er ſich hinter der Mauer nicht länger zu halten ver⸗ mochte, floh er mit den Seinen in die Kirche und yerſperrte deren Eingang. Aber die Dithmarſchen rannten das Thor ein, und nun entſpann ſich in dem Gotteshauſe ein blutiges Gefecht. Peter zog ſich endlich auf den Dachboden zurück, wohin die Angreifenden ihm nicht folgen konnten, dieſe aber feuerten nun durch die Bretter, bis ſie nach Verlauf einer Stunde bemerkten, daß Blut heruntertropfte. Wieben Peter lag da mit dreimal durchſchoſſenem Kopfe. Seinen verwun⸗ deten Bruder und einen Söldner ſchlugen die Bauern todt, einen Schreiber dagegen, der ſich auf den Hahnenbalken be⸗ geben hatte, ließen ſie am Leben.

Als die Blutarbeit vollbracht war, richtete man ein großes Mahl an, an welchem auch die Helgoländer Theil nahmen. Dabei wurdenwohl vier Tonnen Bier erledigt. Dann ging's am 22. Mai wieder zurück nach der Heimath, um daſelbſt die Todten und Gefangenen abzuliefern. Als die Schiffe aber bei Diekſand angekommen waren, fiel es Einigen erſt ein, daß man die Fleiſchfäſſer und Körbe mit Lebensmitteln auf Helgoland zurückgelaſſen, und gleich wur⸗ den fünf Mann abgeſchickt, ſie zu holen. Sie wären aber faſt zu ſpät gekommen, denn in der Wohnung des Voigtes hatten ſich Männer und Weiber ſchon darüber hergemacht. Jedoch verſtändigte man ſich freundſchaftlichſt, die Fäſſer wurden abgeholt, das Fleiſch dagegen blieb da,deß ſich die Hillige⸗Lander bedanket.

Hatten die Dithmarſchen ſich nun auch mit den Inſu⸗ lanern und deren Voigt freundlich verſtändigt, ſo ſahen doch der däniſche König und die Herzöge von Holſtein die Sache anders an. Sie betrachteten die Expedition gegen den Landes⸗ feind Wieben Peter als eine Gebietsverletzung, weil ihrer Behauptung nach die Felſeninſel zum Antheil des Herzogs Adolpf gehöre. Aber eine ernſtliche Störung des Friedens trat auch jetzt noch nicht ein. 3

Erſt im Jahre 1552 begann Herzog Adolf die Aus⸗ führung ſeines Eroberungsplans vorzubereiten. Viele kaiſer⸗ liche Kriegsvölker waren nach der Aufhebung der Belagerung von Metz, an welcher Adolf Theil genommen hatte, ent⸗ laſſen worden, und er ſtand im Begriff ſie anzuwerben. Aber König Chriſtian, dem er ſeine Abſicht mittheilte, wollte nun einmal von einem Feldzuge gegen Dithmarſchen nichts wiſſen, und ſo mußte die Anwerbung unterbleiben, zumal da dem

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