Jahrgang 
1857
Seite
402
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in der nebenſtehenden erſten Abbildung wiedergegebene pracht⸗

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volle, in gothiſchem Styl erbaute Triumphpforte gegenüber

dem Landungsplatz; weiterhin der(ebenfalls hier abgebildete)

ernſte Bau, den die Peſther Lloyd⸗Geſellſchaft in gothiſchem

und Flaggen, die der leichte Wind emporhebt.

N Styl zur Begrüßung des Kaiſerpaares errichtet; auf hohem Poſtament in der Halle des Unterbaues ſe ir die große Statue der Auſtria nach der Donau blick ud über ihr ſteigt in Zacken und Spitzen der Bau thurmartig in die Höhe, die umliegenden Häuſer weit überragend. Der Ernſt des Styls wurde freundlich gemildert durch zahlloſe Fahnen Auch das Volk Israel, das allenthalben durch leichtſinnige Adelswirth⸗ ſchaft angelockt wird und ſich deshalb im Ungarlande ſehr zahlreich eingeniſtet hat, wollte nicht zurückbleiben und errich⸗ tete eine eigene(nebenan abgebildete) Säule zum Empfang ſei⸗ nes Kaiſers. Die Loyalität der Israeliten in Ungarn war bekanntlich während der Bewegungszeit ſehr anrüchig ge⸗ worden und der durch ſeine ſtrategiſchen Concentrirungen nach rückwärts bekannt gewordene Feldmarſchall Welden

hatte einſt den Peſther Juden ſchwere Geldbußen auferlegt

wegen ihrer Theilnahme an der Revolution. Ob mit oder ohne Grund wiſſen wir nicht; doch wurden ſie ſpäter durch die Gnade des Kaiſers erlaſſen. Die Ariſtokratie und die Geiſt⸗

lichkeit erſchien vollzählig und in ihrem ganzen Glanze, um

ihren Herrſcher würdig zu empfangen; die beiden Städte, Ofen und Peſth, wurden herrlich beleuchtet und boten Alles

auf, um das Kaiſerpaar während ſeiner Anweſenheit zu un⸗

terhalten und von der Treue des geſammten ungariſchen Volkes zu überzeugen. Aber mitten unter dieſen Huldigun⸗ gen vergaßen doch die vornehmen und reichen Herren die

Hauptſache nicht, ihre lang beſeſſenen unverjährbaren po⸗

litiſchen Rechte, und ſie ſetzten eine Bittſchrift auf, in welcher

ſie in der loyalſten Form, aber dennoch mit allem Nachdruck

die Zurückgabe derſelben, die Wiederherſtellung der alten ungariſchen Verfaſſung verlangten. Der Primas ſollte ſie dem Kaiſer überreichen.

Man iſt bis heute nicht klar darüber, was aus dieſer Bittſchrift geworden iſt. Nach der einen unmittelbar darauf bekannt gewordenen Verſion hätte der Kaiſer bei der zum Zweck der Ueberreichung Statt gehabten Audienz gegen den Primas geäußert:Sie haben eine Bittſchrift für mich; behal⸗ ten Sie ſie. Ich will nicht wiſſen, wer ſie unterzeichnet hat; ihren Inhalt kenne ich ſchon. Das wäre nun für die Magyaren ein wenig tröſtlicher Beſcheid. Allein neueſtens kommt eine ganz andere, weit wahrſcheinlichere Verſion in Umlauf. Der Kaiſer hätte, dieſer zu Folge, die Bittſchrift freundlich entgegengenommen und geſagt:Sie iſt in den beſten Händen. Daß auf den weitgreifenden Inhalt der⸗ ſelben nicht ſofort, daß nur nach reiflicher Erwägung darauf reſolvirt werden kann, verſteht ſich von ſelbſt.

Rückblicke auf die deutſche Vorzeit. Die(etzte fFehde.

Ein dithmarſches Geſchichtsbild von A. Wulfert. I.

Im Weſten des ſchönen, reichen Herzogthums Holſtein, umrauſcht von den Wellen der Nordſee, der Elbe und der Eider, liegt die Landſchaft Dithmarſchen, einſt durch mehrere Jahrhunderte eine ſelbſtſtändige, freie Bauern⸗Re⸗ publik, jetzt ein durch mancherlei werthvolle Privilegien be günſtigter Bezirk des Herzogthums Holſtein und wie dieſes der däniſchen Regierung unterthan. Es iſt ein von der Natur reich geſegnetes Land, dieſes Dithmarſchen: ſo weit man

ſchauen kann von Süd nach Nord und von Oſt nach Weſt, überall wechſeln üppige Wieſen und Weiden mit unabſehbaren Kornfeldern, prangen die ſtattlichen Gehöfte der reichen Bauern und die mit gewerbfleißigen Menſchen gefüllten großen Dörfer und Flecken.Hier lebt man gewiß wie Gott in Frankreich! hat mancher Soldat des deutſchen Heeres ausgerufen, als er während des letzten Krieges dieſe reiche, blühende Landſchaft durchzog, oder im Quartier lag bei den