öffentlichten Theiles vorgelegt. Wir freuen uns, nunmehr berichten zu können, daß unſre Vorausſagung, der zweite Band werde den erſten an Intereſſe überbieten, ſich vollſtän⸗ dig bewahrheitet hat, und wir geben unſern Leſern nun auch eine kurze Skizze des Inhalts dieſes neuen Bandes, dem, wie wir hören, in einigen Monaten der dritte folgen ſoll, nach⸗ dem von der engliſchen Ausgabe, nicht eben zum Vortheil des deutſchen Verlegers, bereits drei Bände erſchienen ſind. Um ſo mehr darf man ſich freuen, daß das deutſche Publikum durch eine ſehr bedeutende Theilnahme die Anſtrengungen des deutſchen Verlegers anerkannt und einen zweiten Abdruck des erſten Bandes veranlaßt hat.
Wir verfolgen zunächſt wieder die äußeren Schickſale und Erlebniſſe Dr. Barths, die Deutſchland und Europa ſo lange in Spannung und Ungewißheit gehalten und viel dazu beigetragen haben, auch ſeinem Reiſewerke Theilnahme zuzu⸗ führen. Wir haben ihn in Geſellſchaft des Engländers Richardſon und des Deutſchen Overweg in Taghelel in der Landſchaft Damerghu zurückgelaſſen, wohin Annur, der gei⸗ zige aber ehrliche und zuverläſſige Kelowi⸗Häuptling von Air perſönlich die auf ihrem Zug durch die Wüſte von den räuberiſchen Tuaregs ausgeplünderten Reiſenden geleitet hatte. Bis zum Eintreffen neuer Nachſendungen aus Europa waren die Mittel der Expedition äußerſt beſchränkt, was theilweiſe den Entſchluß, ſich zu trennen und Jeder für ſich ſein Glück zu verſuchen, veranlaßt haben mag. Richardſon wandte ſich öſtlich, um über Sinder nach dem Reiche Bornu, in deſſen am Tſadſee gelegene Hauptſtadt Kukaua vorzudringen; Barth und Overweg wanderten zunächſt ſüd⸗ lich, trennten ſich aber in der Nähe von Teſſaua ebenfalls, indem Overweg ſich weſtlich nach Gober wandte, Barth in ſüdlicher Richtung nach Katſena und Kano weiterzog. Die Hauptſtadt des Bornu⸗Reiches Kukaua am Tſadſee wurde als Wiedervereinigungspunkt der verſchiedenen Elemente der Expedition bezeichnet und als Zeit der Beginn des April(die Trennung erfolgte im Januar 1851) feſtgeſetzt, bis zu wel⸗ cher Zeit man hoffen durfte, daß die Umſtände der Expe⸗ dition ſich durch neue Nachſendungen verbeſſert haben würden.
Barths Wanderung führte nun meiſt durch wohlange— bautes, fruchtbares Land, auf welchem jetzt auch Baumwollen⸗ felder erſcheinen. Das eigentliche Negerland war betreten; Teſſaua, die erſte bedeutendere Stadt des Sudan, machte einen durchaus behaglichen, freundlichen Eindruck: Heiterkeit, eine ſanfte Zuneigung zum weiblichen Geſchlecht, Luſt zu Geſang und Tanz ohne widerlichen Exceß charakteriſiren hier die ſchwarze Bevölkerung, unter der es ſelbſt hier noch immer manche Heiden gibt und die zu den noch unabhängigen Hauſſa⸗ Stämmen gehört, welche ſich bis jetzt ſowohl von der Herrſchaft der Kelowi im Norden, wie von der drohenderen der Fulbe oder Fellani im Süden frei zu erhalten gewußt. Katſena bildet die Grenzſtadt im Reiche der letzteren und nicht ohne bange Beſorgniß betrat ſie der nun auf ſich allein geſtellte Reiſende, dem faſt Nichts mehr zu Gebot ſtand um die Begehrlichkeit und Habgier der Fürſten, Statthalter und Miniſter zu befriedigen. In der That erfuhr Barth alsbald, daß der faſt unabhängige Gouverneur von Katſena ein be⸗ deutendes Geſchenk von ihm zu erhalten hoffte und im andern Falle gewillt ſei ihn an der Fortſetzung ſeiner Reiſe zu hin⸗ dern. Dieß beſtätigte ſich denn auch vollſtändig; der Statt⸗ halter, unbefriedigt durch die wenigen Geſchenke, die Barth geben konnte, und in der Meinung, daß der Europäer ſeiner Zeit ſchon ausgelöſt werden würde, ließ Dr. Barth nicht weiterziehen. Er erklärte ihm dies in der artigſten Form, aber in Wahrheit ſollte Barth der Gefangene des Statt⸗
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halters ſein, bis er ihm genügende Geſchenke gemacht. Dieſe mußten denn auch wirklich, ſelbſt mit Schulden, aufgebracht
werden: ein ſammtner Kaftan, ein Teppich nebſt etwas Weih⸗
rauch, ein Bleiſtift und zwei ſtarke Doſen Glauberſalz bil⸗
deten das Löſegeld für unſern Landsmann. Noch einige an⸗ dere Arzneien wurden nachgeliefert.
Nachdem ſo durch Verhandlungen, die im Bericht faſt nur einen heitern Eindruck machen, die aber für einen ver⸗ armten, bereits mit Schulden belaſteten Reiſenden in einem wildfremden Lande einen weniger heitern Charakter gehabt haben mögen, der Friede mit dem Statthalter von Katſena hergeſtellt war, ſetzte Barth ſeine Reiſe nach Kano fort. „Mein Herz hüpfte vor Freuden,— erzählt er ſelbſt,— als ich mit meinem kleinen Reiſetroß das ſüdöſtliche Thor von Katſena erreichte. Es war, als enteilte ich einem Ge⸗ fängniß und wieder im vollen Genuß meiner Freiheit athmete ich tief auf.“ Die Reiſe nach dem ſüdöſtlich gelegenen Kano wurde in wenigen Tagen ohne weitere Abenteuer zurückge⸗ legt. Hier fand Barth den vorausgeſandten, in Waaren beſtehenden Reſt ſeiner Baarſchaft, mit welcher nicht bloß ſehr beträchtliche Schulden bezahlt, ſondern auch die weitere Reiſe beſtritten werden mußte und zum Unglück traf es ſich, daß auch gerade die Preiſe jener Artikel in Kano ſehr gedrückt waren, ſo daß Barth Mühe hatte, für ſeine augenblickliche Verlegenheit einen öſterreichiſchen Thaler darauf zu leihen und, von Gläubigern verfolgt, von ſeinen Dienern verſpottet, zugleich die Nothwendigkeit vor ſich ſah, dem Statthalter von Kano abermals ein Geſchenk zu machen, um ſeinen For⸗ ſchungen ungeſtört ſich hingeben zu können. Gewiß keine beneidenswerthe Lage, in der es nicht eben leicht war, ſich den Geiſt friſch zu erhalten. Noch verſchlimmert wurde dieſe Lage durch einen Brief des Herrn Richardſon an den Statthalter, in welchem derſelbe ſeine Ankunft mit reichen Geſchenken zum Voraus ankündigte, ohne Barths irgend Erwähnung zu thun, ſo daß der aufgebrachte Statthalter Barth zu Rede ſtellen ließ, wie er es wagen könne, ſeine Stadt zu betreten, während Herr Richardſon doch ſchon lange vorher ihm ſeine ſpätere Ankunft angezeigt habe. Herr Dr. Barth erblickt in dieſem jedenfalls ganz unſtatthaften Verfahren Richardſons eine„kleinliche Intrigue“ und zieht daraus den Schluß,„daß ein einzelner Reiſender, welcher allein von ſeiner Energie und ſeinem eigenen Willen ab⸗ hängig, nicht zu fürchten hat, daß ſeine beſten Plane durch⸗ kreuzt und zerſtört werden möchten durch die neidiſche Hand⸗ lungsweiſe eines Mitreiſenden, oft im Stande iſt unendlich mehr zu leiſten, als eine große zahlreiche Expedition, deren Mitglieder, anſtatt ſich gegenſeitig zu ergänzen und zu unter⸗ ſtützen, einander in ihren Unternehmungen hemmen, um ſich ſelbſt wo möglich alles Verdienſt beizumeſſen.“ Wir können nicht umhin hier zu bemerken, daß der Mangel an Einklang zwiſchen ſämmtlichen Reiſenden und die Art und Weiſe, wie ſich dieſer Mangel hin und wieder bei Barth ausdrückt, dem ſonſt trefflichen Werke einen etwas widerlichen Beigeſchmack gibt.—
Der aufgebrachte ſchwarze Gouverneur ließ ſich natür⸗ lich durch Geſchenke verſöhnen, für deren Herbeiſchaffung Barth Rath zu ſchaffen wußte; ja dieſer erhält ſogar dafür ein Geldgeſchenk von 60,000 Kurdi(Muſcheln),(gleich 24 ſpaniſchen Thalern), welches anzunehmen nur die äußerſte Noth unſern Landsmann bewegen konnte. Es bildete einen nicht unbedeutenden Zuſchuß für die gefahrvolle und weite Reiſe nach Kukaua, welche Barth nach einmonatlichem Auf⸗ enthalt in Kano mit heitrem Muth, trotz Armuth und phy⸗ ſiſchen Leiden, Anfangs März antrat. Es war hier bald


