Jahrgang 
1857
Seite
389
Einzelbild herunterladen

K

N

lichſten und leichteſten iſt eine in der Reconvalescenz ſchein⸗

drüſen, ſelbſt brandige Zerſtörungen der Milz und Leber. Ganz ohne ein mehr oder minder ſchweres Nachleiden ver⸗ läuft überhaupt höchſt ſelten ein Typhus. Den gewöhn⸗

bar unveranlaßt eintretende(doch wahrſcheinlich von Diät⸗ fehlern oder Erkältung bedingte) Diarrhöe beizuzählen, oft mit Erbrechen verbunden, gegen welche indeſſen ebenfalls ſofort ärztliche Hilfe angerufen werden muß, da auch das Recidiv, die Wiederholung des geſammten Typhuspro⸗ zeſſes, mit ſolchen Vorläufern ſich ankündigt. Und jeder Typhus, wie auch geſtaltet, wie auch verlaufen, hat bis tief in die vollſte Geneſung hinein die größte Neigung dazu, rückfällig zu werden. Ja, im größeren Publikum beſteht ſelbſt der Glaube, daß noch jahrelang um die Zeit, wo der Typhus ſtattfand, derſelbe ſich wiedermelde, d. h. ein Unwohlſein hervorrufe. Wie viel Wahres daran, wie viel die Erinnerung an die todesgefährliche Krankheit dazu thut, bleibe hier unentſchieden. Tröſtlicher iſt der andere Volksglaube, der auch mit der ärztlichen Beobachtung zuſammentrifft, daß ſelten Jemand, der eine volle Typhuskrankheit durchmachte, in ſpäteren Zeiten zum zweitenmale davon befallen wird. Einleitend, ſchildernd, warnend und mahnend wurden bereits die ſchweren Pflichten des Krankenpflegers, die hohe Wichtigkeit ſeines Amtes, die große Bedeutung ſeines Han⸗ delns hervorgehoben. Es kann alſo nur noch erübrigen, in Kürze abermals die Hauptmomente überſichtlich, mit einzel⸗ V nen Ergänzungen zuſammenzufaſſen. Iſt die Wahrſchein⸗ lichkeit oder Möglichkeit vorhanden, daß die Krankheit durch das Verderbniß organiſcher Stoffe(Miasmen) ent⸗ ſtanden ſei, ſo iſt natürlich deren Beſeitigung eine Hauptbe⸗ dingung der Krankenpflege(Desinfection der Abtritte und Abzugskanäle, Reinigen der Brunnen, Entfernung des Kran⸗ ken aus infizirten Wohnungen ꝛc.). Im Krankenzimmer ſelber ſind die Grundbedingungen während aller Krank⸗ heitsſtadien, wie ſchon weiter ausgeführt wurde, eine mehr kühle Temperatur, Abhaltung aller grellen Eindrücke auf die Sinnesorgane und das Gemüth des Kranken, höchſte, pein⸗ lichſte Reinlichkeit ſeines Körpers und Lagers. Man darf den Typhöſen in jedem Stadium der Krankheit lauwarm abwaſchen(außer während der gutartigen Schweiße nach der Kriſis), am beſten mit Waſſer, dem etwas Eſſig beigemiſcht iſt. Die Bett- und Leibwäſche ſind nach jeder beſchmutzen⸗ den Ausleerung, vorher etwas erwärmt, mit reinlichem Zeug zu vertauſchen. Ebenſo nach ſehr profuſen Schweißen. Kann der Kranke abwechſelnd zwei nebeneinander ſtehende Betten benutzen, ſo iſt dies ein großer Vortheil. In allen Stadien des eigentlichen Krankheitsverlaufes ſind feſte Speiſen nachtheilig, ſelbſt noch tief in die Reconvalescenz hinein. Auch bei ſtarker Eßluſt ſind ſie dann höchſt vorſichtig, ſtets nur in kleinen Gaben, doch oft wiederholt zu reichen; über⸗ haupt nicht eher, als nach gänzlichem Verſchwinden des Fiebers und Durchfalls. Aber man laſſe den Kranken auch niemals hungern, außer wenn ſtarkes Fieber, völ⸗ lige Appetitloſigkeit und gaſtriſche Erſcheinungen(erſte Pe⸗

ihm Nahrung aufzudringen.

riode) jeden Verſuch zum Eſſen verbieten; falls er bei weiter vorgeſchrittener Geiſtesbefangenheit kein Verlangen äußert, iſt er ſelbſt daran zu erinnern, doch wäre es ebenſo falſch, Schleimige Suppen, leichte Bouillon mit Ei, bei vorwiegender Fieberhitze wohl ab und zu eine Apfelſine, bilden jetzt die zweckmäßigſte Speiſe; Schleim- oder Brotwaſſer, milde Limonade, Selterswaſſer ſind in der erſten Periode des Typhus, in der zweiten etwas Rothwein(Bordeaux, löffelweiſe, 2 3 Mal täglich), Milch mit Waſſer verdünnt, endlich dünner, reiner Milchkaffee die paſſendſten Getränke. Je erſchöpfter der Kranke, jemehr zuvor herabgekommen oder gar ausgehungert, je mäßiger das Fieber, um ſo früher ſind ihm Suppen mit Ei zu reichen. Gewürzt oder ſtark geſalzen darf aber keine Speiſe ſein. Wie an die Nahrung, ſo wird er jedoch auch, wenn nöthig, an die Ausleerungen, namentlich an das Urin⸗ laſſen zu erinnern ſein. Wenn wirkliche Verſtopfung oder Harnverhaltung eintritt, iſt natürlich jegliche Kunſthilfe einzig und ausſchließlich dem Arzte zu überlaſſen.

Daſſelbe im Ganzen während der erſten Typhusperiode mehr kühlende und entziehende, während der zweiten mehr kräftigende Verfahren, welches ohne einen Gran Medizin bei den minder ſchweren Fällen ſogar zur Behandlung vollſtän⸗

dig ausreicht, muß nun mit derſelben Vorſicht auch noch in

die Reconvalescenz fortgeſetzt werden. Immer noch ſtrengſte Diät, namentlich weder fettes Fleiſch, noch rohes Obſt! Die Reconvalescenz ſelbſt ſei dann mit der höchſt⸗ möglichen Gemächlichkeit für den Kranken eingerichtet. Viel friſche Luft, Landaufenthalt, öfters laue Bäder ſind die zweckmäßigſten Beförderungsmittel einer ſtets ſchwieri⸗ gen Erholung, für welche ſich doch keine beſtimmten Krank⸗ heitszuſtände auffinden laſſen. Beſonders müſſen aber gei⸗ ſtige Arbeiten wenigſtens zwei Monate, in einzelnen Fällen halbe Jahre lang ausgeſetzt bleiben. Und ebenſo (wir müſſen immer wieder mit beſonderem Nachdrucke darauf zurückkommen) iſt das Gemüth nicht bloß des Kranken und Geneſenden, ſondern auch des Geneſenen noch lange Zeit mit äußerſter Schonung zu behandeln, gegen alle ſtarken Ein⸗ drücke möglichſt zu ſchützen. Unbekannt und räthſelhaft wie die Verbindung des Leibes und der Seele iſt uns auch die Mitleidenſchaft der letztern im Typhus. Wer ſagt uns, ob ſie nicht vielleicht in ihren unerreichbaren Organen tiefer affizirt wird, als ſelbſt der Körper. Und liegt nicht eine ge⸗ wiſſe Genugthuung für unſer inneres Bewußtſein darin, daß gerade eine der gefährlichſten unter den überall heimiſchen Krankheiten dem Herzen des Pflegers viel unmittelbarer, als der Kunſt des Arztes zufällt, um ſie in volle Geſundheit überzuführen? Kein Fühlender kann ſich dagegen verſchließen. Kein Vernünftiger wird aber auch dem Arzte Unmögliches zumuthen, keiner ihn gegen ſeine Ueberzeugung zur Darrei⸗ chung von Medikamenten drängen. Werden nun aus bloß äußern Gründen dennoch anhaltend Arzneimittel gegeben, dann wohl dem Kranken, bei dem ſie wenigſtens möglichſt indifferenter Natur ſind!

Dr. Barth's Reiſen in Afrika.

Zweiter

Wir haben ſeiner Zeit, bei Erſcheinen des erſten Ban⸗ des, dieſes Werk als ein ſchönes, der ganzen Nation zur Ehre gereichendes Zeugniß des vom Glück gekrönten Muthes, des

Pand.

unter ſchweren Leiden und Entbehrungen aufrecht gebliebenen Forſchergeiſtes eines deutſchen Ethnographen freudig begrüßt und unſern Leſern einen Abriß des Inhalts des damals ver⸗