verlange 40,000 und werde für jede ſpätere Woche„ehe⸗ lichen Glückes“ 10,000 Thaler mehr liquidiren.“ „Am Ende verſtand ich mich auch zu 40,000.“
für das intereſſante Mädchen geſellten ſich jetzt noch Hoch⸗
achtung und Bewunderung.
„Nachdem wiederum zwei Wochen vergangen waren. Der Graf forderte nun 60,000, und da keine Antwort Allein ſchon nach wenigen Minuten ſprach er mit dem
erfolgte, ſo fordert er jetzt 80,000 Thaler.“
„Oh, oh!“ ſtöhnte der Greis, ſchaudernd,„dieſe Hei⸗ der, kaum verſtändlicher Stimme den Wunſch aus, man
rath wird mein Tod ſein!“ Er wollte ſich erheben, in welcher Abſicht, iſt nicht zu beſtimmen; aber er vermochte es nicht. Der Anwalt ſprang herbei und half ihm auf; aber er ſank ſogleich wieder zurück. Er war gelähmt! Der Geiz, der
ihn hatte alt werden laſſen, wurde jetzt auch die Quelle m. Ko es ihm; und er war eben im Begriff, vermittelſt einer letz⸗
ſeines Todes, indem einerſeits die Erkältung in dem un⸗ geheizten Zimmer, andrerſeits der Schreck über die ge⸗ ſteigerten Anſprüche ſeines gräflichen Schwiegerſohnes ſeine plötzliche Erkrankung herbeiführten.
„Der Rechtsanwalt ſtand noch beſtürzt und rathlos vor ihm, als Gottliebe ſchon in's Zimmer trat. brave, zärtliche Tochter war vielleicht durch innere Ein⸗ gebung von der Erkrankung des Vaters in Kenntniß
Die
geſetzt worden, denn mit dem Rufe:„Mein Gott, er
ſtirbt!“ ſtürzte ſie ſofort auf den Kranken zu.
Allein er wehrte ſie durch ein Zeichen mit der Hand von ſich ab, und dann deutete er nach der Thür und ſtam⸗ melte faſt unhörbar:„Karoline!“
„Er wünſcht ſeinen Diener, daß er ihn nach ſeinem Zimmer trage,“ erläuterte Gottliebe eifrig. Allein der Greis ſchüttelte mit dem Kopfe und ſtammelte noch ein— mal:„Karoline!“
Die zärtliche Tochter ſtampfte ergrimmt mit dem
Der kranke Greis wurde nach ſeinem Arbeitszimmer gebracht und, da er ſich nicht entkleiden laſſen wollte, auf das Sopha nieder gelegt und mit ſeinem Pelze bedeckt.
Ausdrucke der höchſten Angſt und Unruhe und ſtammeln⸗
möge ihn zu ſeinem Schreibpulte tragen.
Man willfahrte ihm. Mit zitternder, kraftloſer Hand wühlte er in den Papieren und bemühte ſich, dieſelben in dem Sekretär zu verbergen. Mit Karolinens Hilfe gelang
ten und äußerſten Anſtrengung den Sekretär zu verſchlie⸗ ßen, als Karl, ſein Erſtgeborner, mit wilder Haſt in's Zimmer ſtürzte und, einen forſchenden, argwöhniſchen Blick rings umherwerfend, ſich dem Greiſe näherte.
„Zurück!“ rief da plötzlich der Kranke mit lauter, deutlicher Stimme,„Du haſt große Eile; aber dennoch wirſt Du noch warten müſſen. Ja, ich fühle es, Dein Anblick hat mich zu neuem Leben erweckt. Du kamſt zu früh, und ſo gehe nur wieder!“ Und als Karl, beſtürzt und außer Faſſung, zögerte, rief er:„Man rufe mir den Notar!“
Mit dem Lächeln der Freude und des Triumphs
ſchickte Gottliebe ſich an, den väterlichen Befehl zu erfül⸗
len, als Karl ſie mit roher Gewalt bei Seite ſtieß, und ihr zuflüſterte:„Natter, ich werde Dir's vergelten!“ und
dann aus dem Zimmer ſtürzte.
Fuße auf den Boden, während der Rechtsanwalt die
Thür öffnete und nach„Fräulein Karoline“ rief.
Karoline kam. Ein einziger Blick auf den Greis be⸗ lehrte ſie über das, was vorangegangen war.„O, bitte, rufen Sie den Diener!“ ſagte ſie zu dem Anwalt, und dann fügte ſie, zu Gottliebe gewendet hinzu:„Sie ſtim⸗ men doch mit mir überein, Frau Gräfin, daß er vor Allem aus dieſem Zimmer in das ſeinige, wärmere getra⸗ gen, und zugleich ein reitender Bote nach dem Arzte geſchickt werden muß?“
Die Gräftn antwortete höhniſch:„O, thun Sie nur,
was Ihnen beliebt, wofern Sie hinterher die Verantwor⸗ tung übernehmen.“
„Die übernehme ich, in ſo weit ein Menſch über⸗ haupt verantwortlich gemacht werden kann, für Alles, was ich thue.“
Der Anwalt kehrte mit dem Diener zurück.„Ich muß Ihre Güte noch einmal in Anſpruch nehmen,“ ſagte Ka⸗ roline zu ihm.„Es muß ſogleich ein reitender Bote nach dem Arzt geſchickt werden. Wollen Sie dies dem Amt mann mittheilen?“
Ein ängſtlicher Blick im Zimmer umher deutete ihm an, daß ſie außer ihm Niemanden in der Nähe ſehe, dem ſie die pünktliche Beſtellung dieſes Auftrags zutraute. Darauf näherte ſie ſich ihm und flüſterte ihm zu:„Der Ernſt der Situation entſchuldigt, hoffe ich, mein unge— wöhnliches Benehmen Ihnen gegenüber. Ich richte näm⸗ lich auch noch die Bitte an Sie, daß Sie ſich zu Richard begeben, ihn vorbereiten auf das, was aller Wahrſcheinlich keit nach noch heut ſich ereignen wird, und ihm Rathſchläge in Betreff ſeines Verhaltens ertheilen. Er iſt, wie Sie wiſſen, ſehr hilflos; und ich fürchte, wir werden in dieſen Räumen binnen kurzer Zeit ſtürmiſche Auftritte erleben.“
Er verſtand ſie und ging; und zu ſeiner Theilnahme
In dem Augenblicke, als ſein Sohn das Zimmer ver⸗ laſſen, fühlte der Greis, daß ſeine plötzliche Lebendigkeit nur ein trügeriſches, letztes Aufflackern der Lebenskräfte geweſen war. Eine Todesmattigkeit bemächtigte ſich ſei⸗ ner. Aber auch in dieſem Augenblicke der beginnenden Auflöſung wendete ſich ſein ſchon halb erſtorbenes Herz nach dem Abgotte ſeines Lebens, dem Gelde, zu. Er winkte Karoline herbei. Vor ſeinen erlöſchenden Augen mußte ſie den Sekretär verſchließen, ihm den Schlüſſel in die Taſche ſtecken, und dann erſt, als wären jetzt Ruhe und Frieden in ſeine Seele eingezogen, ließ er ſich wieder niederlegen und zeigte ſich ſtill und ruhig. Er ſprach kein Wort mehr und verſchied ſcheinbar ohne Schmerz und Kampf, wie der Gerechten Einer. Aber hatte er nicht in ſeinem langen Leben genug gelitten und gekämpft? Hatte er in den achtzig Jahren ſeines ſelbſtſüchtigen, ruheloſen Lebens eine einzige Stunde wahren, innigen Glücks ge⸗ noſſen? Hatte nur ein einziges Mal die Beſeligung einer guten That ſeine Seele erfüllt und erhoben? War ſein kaltes, unedles Herz nicht täglich und ſtündlich von den Schlangenzähnen des Geizes und der Habgier gemartert worden? Hatte er nicht hundert mal bemerken müſſen, daß auf ihm und auf ſeinem Hauſe ein Fluch laſte? Haßte, beneidete, verachtete nicht der Bruder den Bru⸗ der, und der Sohn den Vater? War nicht Alles um ihn her zerfallen, von böſen Leidenſchaften und innerer Unſeligkeit zerriſſen geweſen? Hatte er die Liebe, das Wohlwollen, die Theilnahme eines einzigen Menſchen be⸗ ſeſſen? Hatte er nicht ſehen müſſen, wie ſogar ſeine eige— nen Kinder, ſogar ſein Liebling, auf ſeinen Tod, wie auf eine Erlöſung, warteten? Lag nicht ſelbſt in ſeiner Todes⸗ weiſe der Fingerzeig einer ausgleichenden, ſtrafenden Gerechtigkeit ausgedrückt?
Aber nicht allein auf ihm ſelber hatte der Fluch des ſchnöden Mammons gelaſtet; ſondern er ließ ihn auch,
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