Jahrgang 
1857
Seite
374
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dern ein Zuſammenwirken einer größeren Anzahl landwirth⸗ ſchaftlich tüchtiger ſowie im Maſchinenbau gründlich gebildeter und erfahrener Männer bedingt. Vorliegenden Falls iſt ge⸗ ſchehen, was irgend möglich war und es bürgen namentlich die zugezogenen Maſchinentechniker für ein gründliches Urtheil in Bezug auf die Arbeitstüchtigkeit der prämiirten Gegenſtände.

Was zunächſt die Ackerwerkzeuge, welche am zahlreichſten vertreten waren, betrifft, ſo ergeben die angeſtellten Prüfungen den verbeſſerten Pflug von E. Wolff in Gotha Nr. 37 mitameri⸗ kaniſcher Stellung als denjenigen, welcher den geringſten Kraft⸗ aufwand erfordert. Es betrug derſelbe bei 6 und 9 Zoll Furchenbreite und Tiefe 290 Pfd. Ihm am nächſten kam der ſog. Cultur⸗Pflug von Sack in Löben bei Lützen, welcher

bei 7 Zoll Breite und 9 Zoll Tiefe der Furche 300 Pfd. ſchloſſen hat, iſt gewiß nicht geſchieden, ohne einen lieblichen

Kraftaufwand erforderte. Sodann folgten die Pflüge von E. Wolff Nr. 2 und 37 auf Vordergeſtell eingerichtet mit 300 Pfd. Kraftaufwand und Nr. 3 mit 320 Pfd. bei 6 und 9 Zoll Furche; von Domänenpachter Schulz in Kreutzberg mit 325 Pfd. bei gleicher Furchenbreite und Tiefe. Es ſind dies ſämmtlich Pflüge mit eiſernem gewundenem Streichbret. Von den Maſchinen und übrigen Werkzeugen und Geräthen zeichneten ſich vorzüglich aus und zogen beſonders die Auf⸗ merkſamkeit auf ſich: ein amerikaniſcher Kettengöpel von E. Wolff; eine von ihm und E. Sältzer in Eiſenach conſtruirte von angeblich größerer Leiſtungsfähigkeit als die Willi⸗ amſche Drainröhrenpreſſe für Landwirthe, welche ihren eignen

Würfelſtücken) Anerkennung fand, ſowie eine ſehr werthvolle Sammlung engliſcher kleiner Geräthſchaften für Acker⸗ und Gartenbau zum Geſchenke überſendet. Letztere ins Beſondere werden gewiß bald Nachahmung finden.

Die zwei erſten Preiſe ehielten E. Wolff in Gotha und H. Herrmann in Vorſterhauſen. Das Fabrikunternehmen von Wolff für landwirthſchaftliche Maſchinen und Geräthe iſt zwar noch jung, hat ſich aber durch das feſte Beſtreben, in Arbeit nur Tüchtiges zu liefern, bereits in weiten Kreiſen Anerkennung verſchafft und berechtigt zu den beſten Hoffnun⸗

gen in Bezug auf weitere Ausdehnung.

Wer ſeine Wanderung durch die verſchiedenen Abthei⸗ lungen der Ausſtellung mit dem Beſuche der vom thüringer Gartenbauvereine veranſtalteten Blumenausſtellung be⸗

Eindruck mit hinweggenommen zu haben. Steht auch Gotha

den Erfurter Handelsgärtnereien noch weit nach, ſo wird

Bedarf von Drainröhren verfertigen wollen; eine Dreſch⸗

maſchine nach dem Syſtem von Garret mit einfacher Kropf⸗ ſtellung und glatten Schlagleiſten von Böhrig und König in Sudenburg bei Magdeburg; eine amerikaniſche Feuerſpritze von Cornelius Franke in Berlin, welche im Vergleich mit einer Feuerſpritze von Metz in Heidelberg in Betreff der an⸗ geſaugten und ausgeſpritzten Waſſermenge ein Drittel mehr leiſtete; eine Dampfmaſchine von vier⸗Pferdekräften zum Be⸗ triebe landwirthſchaftlicher Maſchinen von H. Herrmann in Vorſterhauſen bei Hamm nach Conſtruction von Henckel; eine rheiniſche Schrotmühle von S. Drehſel in Hilburg⸗ hauſen; eine Häckſelmaſchine von G. Streitwieſer in Jenn⸗ ſtadt; ein Dampferzeuger zum Brühen des Futters und Dämpfen der Maiſche von Stier in Gotha, Preis 36 Thlr. Eine für jede Haushaltung empfehlungswerthe Holzzerſtücke⸗ lungsmaſchine war von Corn. Franke in Berlin ausgeſtellt. Dieſelbe kann in jeder Küche an einer Wandſäule befeſtigt und nach dem Gebrauche abgenommen werden. Sie ſpaltet und bricht grobgeſpaltenes und langgeſägtes Brenn⸗ holz in jeder beliebige Stärke und Länge zum Gebrauche für

Sparheerde, iſt daher ſehr geeignet bedeutende Holzerſparniß

in den Küchenheitzungen zu ermöglichen.

nur 6 Thlr. Ganz beſondere Verdienſte hat ſich um die

Ihr Preis beträgt werden, gilt dies nicht.

Ausſtellung der in England als Freund und Beförderer der 8

Landwirthſchaft anerkannte Gemahl der Königin Victoria, Prinz Albert, erworben. In treuer Anhänglichkeit an ſein Vaterland hatte er dem landwirthſchaftlichen Vereine zu Gotha mehrere landwirthſchaftliche Maſchinen, worunter be⸗

ſonders ein Samuelſonſcher Rübenſchneider(zu Scheiben und

wohl keine andere thüringiſche Stadt ihm in Zahl, ſowie in Größe der Handelsgärtnereien wie die von W. Müller und L. Menz gleich kommen. Die Ausſtellung bot daher auch nicht nur in Hinſicht auf Cultur, ſondern auch auf Selten⸗ heit und Fremdartigkeit der Pflanzen Alles dar, was irgend erwartet werden konnte. Aber auch von auswärts war ſie mit ſehr werthvollen Gegenſtänden beſchickt worden. So hatte der Medizinalaſſeſſor John zu Meiningen ein Sorti⸗ ment von 83 Arten Kirſchen, der Kunſt⸗ und Handelsgärtner Manzer zu Jena ein ſehr reiches und ſchönes Sortiment von Beerenobſt, und der Kunſt⸗ und Handelsgärtner Göſchke in Cöthen ein Sortiment der verſchiedenſten Art Gurken ausgeſtellt. Ein ſehr verdienſtliches Unternehmen iſt die Fortſetzung des Dietrichſchen Obſtkabinets von Fabrikant H. Arnoldi zu Gotha. Anſtatt der früher aus Papiermaché gefertigten Nachbildungen aller Arten von Obſt werden die⸗ ſelben jetzt auf ganz täuſchende Weiſe aus Porzellan gefertigt, freilich zu höheren Preiſen, als die früheren Früchte. Das ganze Sortiment dieſer nachgebildeten Früchte war zur Aus⸗ ſtellung gebracht.

Die Ausſtellungen ſind uns die wichtigſten Belehrungs⸗ mittel für die große Menge des Volks. Gewiß verdankt die neuere Zeit den Anregungen, welche durch ſie gegeben worden ſind, einen großen Theil der raſchen Fortſchritte in allen Theilen der Landwirthſchaft und Induſtrie. Mögen auch die bedeutenden Opfer an Geld und Zeit, welche größere Ausſtellungen den Ausſtellern verurſachen, die Luſt der Be⸗ theiligung an ihnen gedämpft haben und größere Pauſen ge⸗ bieten. Von den landwirthſchaftlichen Ausſtellungen und Thierſchauen in Thüringen, wenn ſie mit klar gedachten Zwecken einer landwirthſchaftlichen Curatel unternommen Sie ſind in kürzerer Aufeinander⸗ folge in den verſchiedenen Staaten Thüringens nöthig, um überall gleichmäßig anzuregen.

Möge man an den Mängeln der einzelnen Ausſtellungen immer mehr lernen, wie ſie zweckmäßig einzurichten ſind und lediglich hierin das Motiv für die Kritik der Einzelnheiten der ſoeben in Gotha ſtattgehabten gefunden werden!

Aus dem Weltleben.

Im gleichzeitigen Reichthum geſegneter Erntehoffnungen prangen überall die Feldbreiten, Obſtgärten, Rebenhügel! Wandert dort, wo Nord⸗ und Oſtſee ihre Wellen peitſchen oder dort, wo der junge Rhein als Bodenſee den ſüdlicheren Himmel

ſpiegelt, leſet die Zeitungen von jenſeits der Vogeſen, jenſeits der Weichſel, ſüdlich der Donau und aus den Poebenen überall derſelbe Segen Gottes, überall dieſelbe Hoffnung auf wohlfeiles Brot! Ungefähr an demſelben Tage, als die altge⸗