Das Gewicht der 15 Stücke des erſten Wurfes, 44 Wochen alt, wurde auf 160 Pfund geſchätzt.
Die Zeit kurz nach der Wollenſchur war für eine Aus⸗ ſtellung von Schafvieh nicht geeignet. Es war deshalb daſ⸗ ſelbe verhältnißmäßig auch nur wenig vertreten und keine Gelegenheit gegeben, die Schafzucht der Umgegend in ihren verſchiedenen Richtungen und Leiſtungen kennen zu lernen.
Ein ſehr anziehender Theil der Ausſtellung, namentlich für die Frauen und die Jugend, waren dagegen die Samm⸗ lungen von Hühner⸗ und Taubenarten, welche der Buch— druckereibeſiter Ohlenroth zu Ohrdruf, ſowie einige Andere ausgeſtellt hatten. Man ſah hier die großen Cochinchina- und Brama⸗Putra⸗Hühner, die, wenn ihre Fruchtbarkeit im Verhältniß zu den gewöhnlichen Hühnern größer iſt, als das Mehr von Futter, das ſie bedürfen, und wenn ſie in Güte des Fleiſches den Letzteren nicht nachſtehen, allerdings allgemeine Verbreitung verdienen würden. Doch herrſchen hierüber noch Zweifel. Liebhabern eines bunten und mannigfaltigen Hühnerhofes ſowie von Tauben können dagegen unbedingt die ſchwarzen Tſcherkeſſen-⸗Hühner mit großem rothen Kamme und Halsbehänge, die ſchwarzen Polands⸗Hühner mit weißen perückenartigen Kopffedern, die weißen Prinz Albert⸗Hühner mit feiner ſchwarzer Band⸗ zeichnung, die niedlichen Gold- und Silber-Bantam⸗Hühner mit ähnlicher Zeichnung, die weißen Perlhühner, die weißen Seidenhühner aus China mit ſtraußfederähnlichem Gefieder, die ihnen ähnlichen Seidentauben, die bunten Bagadotten⸗ tauben mit großen Warzenringen um die Augen, ſowie die ſehr großen, ſchön ſilbergranen und ſchillernden römiſchen Tauben empfohlen werden.
Endlich hatten auch die Bienenzüchter dem Publikum Gelegenheit verſchafft, ſich von den weſentlichen Fortſchritten, welche in der Bienenpflege durch Einführung der Dzierzon⸗ ſchen Bienenſtöcke gemacht worden ſind, zu überzeugen, ſowie die ganze Haushaltung dieſer Thiere kennen zu lernen. Wer alle großen Gemeinweſen künftig ſo leicht durchſchaubar machen könnte, wie die Dzierzonſchen Bienengehäuſe mit ihren Glaswänden, würde ſich um die Menſchheit ein unſterb⸗ liches Verdienſt erwerben. Hoffen wir, daß hier wenigſtens ebenſo viel geſtrebt wird, als von den Bienenwirthen, die ihr Geſchäft zum Theil mit wahrer Paſſion betreiben und ihren Bienen Pavillons bauen, die jedem Garten zur Zierde gereichen und mit den alten Bienenhäuſern nur den Namen gemein haben.
Die Preiszuerkennung bei den verſchiedenen Thiergat⸗ tungen konnte unter den obwaltenden Umſtänden aus dem bisherigen Geleiſe nicht wohl herauskommen. Wie bei den meiſten Thierſchauen hatte es auch hier an leitenden Grund⸗ ſätzen für die Beurtheilung und an beſtimmt ausgeſprochenen Strebezielen gefehlt. Nur wenige landwirthſchaftliche Vereine werden ſo organiſirt und zu dem Einfluſſe gelangt ſein, daß ſie für jede Gegend die Aufgaben und Mittel der Züchtung genau aufſtellen könnten. Eben ſo wenig werden ſie bis jetzt im Stande ſein, die Leiſtungen der einzelnen Viehzüchter im Stalle ſelbſt und auf Grund genauer Einſicht der Ertrags⸗ berechnungen kennen zu lernen und abzuwägen. Daher auch bis jetzt faſt bei allen Thierſchauen lediglich Bemeſſung der Leiſtungen der Viehzüchter nach den einzelnen aufgeſtellten Stücken und dem, was äußerlich wahrzunehmen iſt. Faſt überall wird zur Zeit der Beſitz eines vorzüglichen Thieres prämiirt, nicht das Ergebniß einer planmäßigen, Jahre lang verfolgten Zucht. Mag auch im einzelnen Falle der Beſitz eines ausgezeichneten Thieres mit planmäßiger Zucht deſſelben zuſammen treffen, im Allgemeinen kann dieſes Ver⸗
fahren der Prämiirung doch nur ein rohempiriſches genannt werden. Wo daher die Prämien nicht den Zweck haben ſollen, die Einführung fremder Viehracen zu fördern, ſondern die allmählige Veredlung der Viehſtämme durch Zucht oder Miſchung mit eingeführten Zugthieren herbeizuführen, wird das bis jetzt faſt noch allgemein übliche Prämiirungsverfahren aufzugeben und werden nach den zuſammengefaßten Züch⸗ tungsergebniſſen der einzelnen Landwirthe oder Gemeinden die Preiſe zu bemeſſen ſein. Die Thierſchauen werden nament⸗ lich dann weit mehr Nutzen bringen, wenn die landwirth⸗ ſchaftlichen Vereine aus den einzelnen Gemeinden die geeig⸗ netſten und vorzüglichſten Repräſentanten der daſelbſt vor⸗ handenen Viehſtämme auswählen und zur Ausſtellung bringen. Dem Vernehmen nach beabſichtigen mehrere landwirthſchaft⸗ liche Vereine im Herzogthum Gotha im nächſten Jahre einen Verſuch mit einer derartigen Ausſtellung und Concurrenz der einzelnen Gemeinden zu machen. Möge derſelbe zum Ziele führen! Jedenfalls aber iſt zu wünſchen, daß überall, wo man regelmäßig wiederkehrende Thierſchauen beabſichtigt, im voraus ein ganz feſter Plan für ſie bekannt gemacht wird und wenigſtens auf eine gewiſſe Reihe von Jahren die Ziele, welche die Viehzucht einer Gegend zu erſtreben hat, genau feſtgeſtellt werden.
Im Vergleiche mit anderen Orten war die Ausſtellung landwirthſchaftlicher Geräthe und Maſchinen nur wenig be⸗ ſchickt. Das Comité hatte gewiß ganz zweckmäßig beſchloſſen, keine Transportvergütung für dergleichen Gegenſtände aus⸗ wärtigen Ausſtellern zu bewilligen. Es würden ſonſt Zu⸗ ſendungen erfolgt ſein, welche große Verlegenheiten zu Folge gehabt hätten. Dagegen war eine Verlooſung von Ausſtel⸗ lungsgegenſtänden dieſer Abtheilung in Ausſicht geſtellt wor⸗ den, die auch wirklich ſtattgefunden und die Mittel geliefert hat, gegen 600 Thlr. zum Ankauf von Maſchinen, Ackerwerkzeugen und andern Gegenſtänden zu verwenden. Dies konnte nicht ausreichen, die größeren Fabrikanten von landwirthſchaft⸗ lichen Maſchinen und Geräthen zur Ausſtellung einer zweck⸗ mäßigen Auswahl von Gegenſtänden, welche ſich beſonders für den landwirthſchaftlichen Betrieb der hieſigen Gegend eignen, zu beſtimmen. Je mehr die landwirthſchaftliche Cu⸗ ratel der Vereine und der Regierung eines Landes dahin zu wirken hat, daß die Landwirthſchaft den techniſchen Betriebs⸗ mitteln ſich zuwendet, welche einerſeits Erſparniß an Arbeit und anderſeits beſſere Arbeitsleiſtungen und Erzeugniſſe ge⸗ währen, deſto mehr iſt dahin zu ſtreben, daß bei den Aus⸗ ſtellungen nicht nur der großen Menge der Landwirthe, ſondern auch den Gewerbtreibenden vorzügliche und bewährte Ma⸗ ſchinen und Geräthe, namentlich aus ſolchen Werkſtätten, welche ſich durch ſolide ſorgfältige Arbeit auszeichnen, zur Anſchauung gebracht werden. Es wäre daher ſehr zu wünſchen geweſen, daß man aus ſolchen Werkſtätten eine Anzahl für die hieſige Gegend paſſende Gegenſtände ausgewählt und für ſie Transportvergütung zugeſichert hätte. Ferner hätte für dieſen Zweck viel geſchehen können, wenn die erſten Preiſe ſämmtlich, ſtatt in ſilbernen Bechern, in dergleichen Gegen⸗ ſtänden und einer bloßen Denkmünze gegeben worden wären. Die Sache würde recht gut einzurichten geweſen ſein, wenn den Preisempfängern ein gewiſſer Spielraum gegeben worden wäre, unter den beſtimmten Preisgegenſtänden ſich das ihnen beſonders Wünſchenswerthe auszuwählen.
Bei allen landwirthſchaftlichen Ausſtellungen hat ſich die große Schwierigkeit gezeigt, die Maſchinen und Werkzeuge in Bezug auf ihre Leiſtungsfähigkeit namentlich vergleichend gehörig zu prüfen. Es iſt dies eine Aufgabe, welche in weni⸗ gen Tagen und von Einzelnen nicht gelöſt werden kann, ſon⸗


