Jahrgang 
1857
Seite
371
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die athemlos gleichſam Ringe und Kreiſe in der Campagna zeichnen, den einzelnen Reitern und Amazonen, welche über die Triften hin dem Gebirgshorizonte zu eilen, und ſich neben den Schafheerden ſo hoch in der Luft ſilhouettiren, bevor ſie an dem grünen Hange verſchwinden. Wie viel lockender dies Hinfliegen über den mailichen Sammet, als das offizielle Rennen! Das bunte ſchallende Feſt, indem es alle Albern⸗ heiten einer übberreifen Civiliſation in die urſprüngliche Natur ſchleppte, brachte eine Langeweile hinein; es ward endlos ausgeſponnen um den Genuß zu verlängern: die Leute wollten auch etwas für ihr Geld haben. Mit unbe⸗ greiflicher Geduld gafften und jubelten und zappelten ſie, dieſe großen Kinder, auf den Wettkampf hinein. Nach dem Gebirge wandte ſich Keiner. Aber ich mußte darauf hin ſtarren, berauſcht von diefem Alpenzauber, traumverloren die Campagna macht Einen immer ſtumm!...... Endlich kam der Haupt- und Schlußakt; das Rennen mit Hinderniſſen. Nun jagte alles was zwei und vier Beine

hatte mit dahin über die Au; es bot wirklich einen artigen, einen ſpaßhaften Anblick, das Fliegen von hundert und hun⸗

dert Reitern und Pferden, verkleinert in der Tiefe und Ent⸗

fernung, faſt wie ein allerliebſtes Weihnachtsſpiel aus der vollkommenſten Nürnberger Schachtel. Zuletzt, nach ſeiner Beendigung, begann noch ein neues, aber unfreiwilliges Wettſpiel: das Auflöſen der Wagenburg voll Zuſchauer und das dadurch bedingte Kreiſen der Equipagen um die Wieſen⸗ höhen, das unſere Aengſtlichkeit auf die Probe ſtellte. Auf der nach Porta Pia zurückführenden Straße, vor den Häuſern, auf den Balkonen, ſtanden oder ſaßen eng aneinander ge⸗ drückt hell geſchmückte Frauen, gleich Blumengewinden, und ſahen unſerem Corſo zu, mit bunten Sonnenſchirmchen gegen den ſengenden Strahl und den Staub bewaffnet, der uns wie mit Flören einhüllte. Ihn zu löſchen genügte keineswegs der Anblick der vielen Waſſerkarren mit dem ſchwarzen Federnputze ihrer Pferde, die ſich beinahe in Pro⸗ zeſſion mit uns dem Thore zu bewegten.

Das landwirthſchaftliche Feſt zu Gatha am 13. 15. Juli.

II.

Wenige Städte von der Größe Gotha's werden ſo gün⸗ ſtige Gelegenheiten zu öffentlichen Ausſtellungen der verſchie⸗ denſten Art haben, wie ſie hier geboten ſind. Das Reſidenz⸗ ſchloß Friedenſtein auf der Höhe, an welche ſich die Altſtadt anlehnt, hatte in ſeinen großen und weiten Bogengängen, Galerien und Sälen Raum genug, im Jahre 1854 eine allgemeine Gewerbeausſtellung von ganz Thüringen aufzu⸗ nehmen. Es umſchließt einen Hof, in dem ſich ohne Schwie rigkeiten die Einrichtungen zu einer noch weit umfaſſenderen Gewerbeausſtellung herſtellen laſſen. Letzterer war auch dießmal für die Geräthe und Maſchinen der landwirthſchaft⸗ lichen Ausſtellung eingeräumt. Die Parkanlagen, welche das Schloß rings umgeben, ſind durchſchnitten von ſchatti⸗ gen Linden- und Kaſtanien⸗Alleen und enthalten lang und breit ſich ausdehnende Raſenplätze zwiſchen dichten Gebüſchen und breiten Promenadenwegen. Hier fanden in den Jahren 1844 und 1845 große Thüringer Sängerfeſte ſtatt, und in dieſen Alleen und auf dieſen Raſenplätzen waren jetzt die zur Ausſtellung gebrachten Thiere aufgeſtellt. Hinter dem Schloſſe auf einem großen Rundplatze war die Tribüne für die Preisvertheilung erbaut und fand der Umzug der Preis⸗ thiere ſtatt. Auf der öſtlichen Seite des Schloſſes ſteigt man über zwei große Terraſſen in den herzoglichen Orangerie⸗ Garten hinab. Zwei große, im Verſailler Style erbaute ſteinerne Gewächshäuſer feſſeln den Blick. In dem einen von ihnen haben mehrmalige Gewerbeausſtellungen des Her⸗ zogthums Gotha, ſowie die Verſammlung der deutſchen Aerzte und Naturforſcher und wiederholt größere Muſikaufführungen ſtattgefunden, und ſeit mehreren Jahren hat der Kunſtverein in ihm für ſeine regelmäßigen Gemälde ungen ein Local, wie es in Bezug auf Licht und igkeit nur irgend gewünſcht werden kann. In dem ge überliegenden Gewächshauſe tagte jetzt die Verſammlung der Landwirthe Thüringens und der preußiſchen Provinz Sachſen, allerdings in einem etwas beſchränkten Raume, aber nicht weil ſich in

dem Hauſe nicht mehr Platz ſchaffen ließ, ſondern weil man nicht geglaubt hatte, daß die Theilnahme an der Verſamm⸗ lung ſo zahlreich werden würde, und deshalb die Einrich⸗ tungen nicht groß genug gemacht hatte. Einige hundert Schritte vom Orangerie⸗Garten liegt das Theater. Sein halbrundes Veſtibul wandelt der Thüringer Gartenverein alljährlich auf einige Tage in einen Tempel der Flora um, und auch diesmal war an deren Altare eine Blumen⸗, Frucht⸗ und Gemüſeausſtellung veranſtaltet, wie ſie Gotha wohl noch nicht geſehen hat. Ihr ſchloß ſich in dem Concert⸗ und Ballſaale des Theaters die Ausſtellung von Geräthſchaften und andern kleineren Gegenſtänden an, welche mit dem Gar⸗ tenbaue in Beziehung ſtehen oder für eine Ausſtellung im Schloßhofe ſich nicht eigneten.

So lagen getrennt und doch nur in verhältnißmäßig geringen Entfernungen die einzelnen Ausſtellungslocalitäten von einander. Die Volksmenge vertheilte ſich nach den ver⸗ ſchiedenen Punkten, ohne daß irgendwo ein die Beſchauung hinderndes Gedränge ſtattfand, wie man dies bei anderen Ausſtellungen ſo oft zu erdulden hat. Sowohl innerhalb der von hohen Jagdzugtüchern umſpannten Ausſtellungs⸗ plätzen in den Anlagen um den Friedenſtein, als auch vor ihnen war in Buden und andern Räumen für Alles ge⸗ ſorgt, was an Speiſe und Trank zur Nothdurft und Annehm⸗ lichkeit für die verſchiedenen Volkskreiſe gewünſcht werden konnte. Aber auch zur Vereinigung Derer, welche mit den Notablen der verſammelten Landwirthe an fröhlicher Tafel zuſammenkommen wollten, bot Gotha in dem großen Ball⸗ ſaale der Schießhaus-Geſellſchaft bequeme Räumlichkeiten.

Fürſtliche Gebäude und Parkanlagen ſowie bürgerliche Feſtſäle waren ſonach dem Dienſte für die Landwirthſchaft zur Verfügung geſtellt. Welche Veränderung der Zeiten? Ein halbes Jahrhundert iſt verfloſſen, daß Herzog Ernſt II., unvergeſſen in ſeinem Lande und ein treuer Verwalter ſeines hohen Herrſcheramtes, als ein Mann, der in Einfachheit des