für deren Erhaltung ſich Etzliche unter den Poeten ſo rührend ſtark intereſſiren..
Ja, ja, das Abſchleifen, das Nivelliren, das Zerſtören! Zwar ſteht, wie Sie ſehen, diesſeits des Gärtnerviertels die Alt⸗Sankt⸗Peterkirche noch, obgleich einzelne Stücke des einheitsloſen Durcheinanders ſchon in den erſten Chriſten⸗ zeiten erbaut ſein ſollen; aber wo iſt die gigantiſche, faſt ein Städtchen für ſich bildende Commenthurei des Johanniter⸗ Ordens geblieben, die nicht weit von ihr auf dem linken Ufer der Ill geſtanden? Wo iſt Papſt Johann XXIII., der vom Conſtanzer Concil hieher flüchtete, wo Max J., der„letzte Ritter,“ der mehr als einmal da reſidirte? Wo ſind die Kaiſer überhaupt, und zu welch kläglicher Mumie iſt aller königlich preußiſchen Bemühungen ungeachtet der ſo ſtrotzende Orden ſelbſt eingeſchrumpft?! Freilich iſt der Geiſt ein luftig
Voltaire“
Ding, aber wenn er ſo im Wagen der Geſchichte daherraſſelt, dann halten Ordensketten, Kaiſerkronen und goldene Pan⸗ toffeln ſo wenig unter ſeinen Rädern, wie des Bauern Zwilchkittel und die— Gutmüthigkeit ſeiner Ehehälfte. Von den vierhundertjährigen Thürmen an den„gedeckten Brücken,“ deren einer auf dem beigefügten Bildchen figurirt, laſſen wir den Blick an der neuen kaiſerlichen Tabaksmanu⸗ faktur vorüber, auf eine Reihe romantiſcher Mühlen im Herzen der Stadt ſinken. Eine derſelben, die„Zornmühle,“ hat vor zwei Decennien der rheiniſche Induſtriekönig Stin⸗ nes neu gebaut; eine andre bewohnte, bevor ihn der Karls⸗ ruher Hof anſtellte, der Maler Helmsdorf aus Magdeburg, der unter unſern Gebildeten zahlreiche Verehrer hat. Noch einen Büchſenſchuß näher dem Münſter lagert ſich breit und ſtark und dunkel— Leo X. gegenüber der Doktor Martin Luther— die Thomaskirche, ein romaniſch⸗gothiſcher Bau, deſſen weſentliche Beſtandtheile dem zwölften bis vierzehnten
Jahrhundert angehören und über den viel Intereſſantes zu
ſagen wäre, wenn der Raum es geſtattete. Was ihm die meiſten Beſucher zuführt, iſt einestheils die vortreffliche Aus— ſicht auf die Cathedrale, die man von der Galerie herab ge⸗ nießt, anderntheils— beſonders ſeit Scribe's„Adrienne
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s Wohnhaus
Lecouvreur“ den Helden neuerdings populär gemacht— Pigalle's bedeutendes Denkmal des Marſchalls Moritz von Sachſen, das über die zahlreichen Monumente einheimiſcher Notabilitäten, mit denen die Kirche gefüllt iſt, wie eine Ceder über Yſopen hervorragt. Der Tod öffnet das Grab; ent⸗ ſchloſſen wie immer ſteigt der lorbeergekrönte Sohn der Aurora
Königsmark hinein, während Frankreich, Eros und Herakles
den Helden der Liebe und des Schlachtfeldes ſchmerzlich be⸗ trauern. Die urſprüngliche Inſchrift, die jetzt durch latei⸗ niſche Proſa erſetzt iſt, geben Schneegans und Heitz in„Die Thomaskirche zu Straßburg,“ und ſie iſt zu franzöſiſch, als daß wir der Luſt widerſtehen könnten, ſie hier wiederzugeben. Man merke ſich, daß die Summe der meiſt als Calembourgs zu faſſenden Zahlen das Alter des Marſchalls gibt, und leſe:-
M gun ffdſäf hn
Son courage l'’a fait admirer de chas, 1 Il eut des ennemis, mais il triompha; 2
Les rois qu'il défendit sont au nombre de 3 Pour Louis son grand coeur se serait mis en 4 Des victoires par an il gagna plus de 5 Il fut fort comme Hercule et beau comme Tyr. 6 Pleurez, braves soldats, ce grand homme hie ja 7 Il mourut en novembre, et de ce mois le 8 Strasbourg contient son corps en un tombeau tout 9 Pour tant de Te Deum pas un De profun 10.
Warum das Denkmal, das Ludwig XV. im Namen der Nation errichten ließ, nicht in Paris ſteht? Der Großvater der G. Sand war proteſtantiſch und Paris iſt—— katho⸗ liſch! Der Gemahl der Marie Lesczinska, die 1725 als Braut in Geſellſchaft ihres Vaters das große, helle Haus bewohnte, das unſrer Kirche gegenüber auf der andern Seite des Waſſers ſchimmert und jetzt zum Ausbeſſern der Sol⸗ datenbetten benutzt wird, ſetzte ſich bekanntlich über Vieles hinweg; allen Heiligen aber ein Aergerniß zu geben, war ihm zu gewagt, und gute Gründe mag er dazu gehabt haben.
Die beiden Kirchen auf der linken Illſeite, St. Ludwig und St. Nikolaus, bieten nichts Beſonderes; die Brücke an der letzteren führt diesſeits in den einſtigen Gaſthof„zum Geiſt,“ wo Herder und Goethe ſich zuerſt begegneten. Das


