äußeren, am wenigſten die inneren dieſer Blätter. Letztere umſchließen unmittelbar einen etwas hervorſtehenden Punkt (Fig. II. A. b) den ſogenannten Vegetationspunkt, ein Ge⸗ bilde, das, wenn man ſeine weitere Entwickelung verfolgt, unterhalb ſeiner Spitze immer neue Blätter hervortreten läßt und ſchließlich zu einem vollkommenen Stengel auswächſt. Der Vegetationspunkt iſt demnach das wachsthumsfähige Ende eines Stengels. Bekanntlich wird ein Häufchen jugend⸗ licher, zuſammengefalteter Blätter mit einem zur Neubildung beſtimmten, unentwickelten Zweigende im Innern eine Blatt⸗ knospe genannt. Allgemein bekannt ſind dieſe Bildungen an unſeren Laubbäumen, wo in ihnen während des Winters die Kinder des Lenzes wie in kleinen Wickelkiſſen eingebettet, ihre erſten Lebenstage verſchlafen. Wer ſich das Vergnügen macht, die mannigfaltigen, durch ihre Faltung im Innern oft wunderbar ſchönen Formen näher zu beſichtigen, dem wird nicht entgehen, daß eine oder mehrere zu äußerſt befind⸗ liche, beſonders feſte, häufig mit einem harzigen Stoffe über⸗ zogene, gewöhnlich braun oder rothbraun gefärbte Hüllen die zarten Blattanlagen umſchließen. Offenbar ſind dieſel⸗ ben zum Schutz gegen Witterungswechſel und Winterkälte beſtimmt, und wenn auch vergängliche, doch, nach ihrem all⸗ gemeinen Vorkommen zu ſchließen, nothwendige Theile aller Winterknospen. Müſſen wir zugeben, daß das ſogenannte Auge der Kartoffelknolle nicht nur eine Knospe, ſondern eine überwinternde Knospe iſt, ſo haben wir wohl auch ein Recht nach einer ähnlichen Decke zu ſuchen, und in dem oben er⸗ wähnten, augenlidförmigen Vorſprunge können wir wenig⸗ ſtens eine Andeutung des Geſuchten vermuthen. Wird dieſe Vermuthung aber nicht zur Gewißheit, wenn wir an der durchſchnittenen Knolle ſehen, daß von jenem Vorſprunge, wie von den äußeren Knospenblättern ausgehend ſich Linien verbreiten, die nur als Grenzen in einander verſchmolzener Blätter gedeutet werden können?(Fig. I. e). Die Knolle der Kartoffelpflanze iſt demnach eine Zuſammenhäufung ver⸗ wachſener, überwinternder Blattknospen, ein zuſammenge⸗ zogener Zweig, der von einem unterirdiſchen Stengel, dem Ausläufer, ſeinen Urſprung genommen, jene Bildungen trägt. Freilich iſt dieſer Zweig, in Folge eigenthümlicher Entwicke⸗ lung und inniger Verſchmelzung der einzelnen Theile, nicht nur in ſeinem Aeußeren, ſondern auch in ſeinem inneren, mikroskopiſchen Baue ganz unkenntlich geworden.
Alle Pflanzen und deren Theile ſind aus Zellen zuſam⸗ mengeſetzt. So verſchiedenartig dieſe, ich möchte ſagen, Atome der Pflanzenwelt ſich im Verlaufe ihrer Entwickelung und
nach dem Zwecke, dem ſie dienen ſollen, in Röhren, Schläuche,
Sterne und Platten umbilden und je nach dieſer Entwicke⸗ lung und der damit verbundenen anderweitigen Beſchaffen⸗ heit, den verſchiedenen Gewächſen und ihren Bildungen die mannigfachſten Eigenſchaften in Bezug auf Härte und Weich⸗ heit, Trockenheit und Säftefülle geben, die urſprüngliche Form jener Zellen iſt immer eine kugelige. Sie ſtellen mikroskopiſch kleine, von einer dünnen, ſtrukturloſen Mem⸗ bran umſchloſſene, und mit einem zähflüſſigen Inhalte erfüllte Bläschen dar. Das erwähnte Häutchen beſteht aus Zell⸗ ſtoff, einer eigenthümlichen, chemiſchen Subſtanz, jener In⸗ halt aber, der während des Zellenlebens in verſchiedene Verbindungen übergeht, macht hauptſächlich den nährenden Stoff der Pflanzenkoſt aus.
Im einfachſten Falle bleibt die Pflanzenzelle ihr ganzes Leben hindurch in der Kugelform ſtehen, nur vergrößert ſie ſich darin und nimmt in Folge des dadurch bedingten gegen⸗
ſeitigen Druckes eine eckige Geſtalt an. Zarte Durchſchnitte durch Pflanzentheile mit ſolcher Zellenbildung laſſen bei
hinreichender Vergrößerung nur mehr oder weniger eckige Zellenumriſſe erkennen. Recht dünne Schnitte aus dem Inneren der Kartoffelknolle(Fig. III. bei B ſtellt das Bild eines ſolchen bei 200 maliger Vergrößerung dar),
Fig. III.
zeigen ein Netzwerk unregelmäßiger, rundlicher und eckiger Maſchen, den Durchſchnitten der Zellenwandungen ent⸗ ſprechend, und wo und wie wir aus der fleiſchigen Maſſe abſchneiden mögen, die Schnitte ergeben immer ein ähnliches Bild. Demnach muß das Innere der Knolle gleichmäßig aus rundlicheckigen Zellen beſtehen. Dieſer Struktur, und weil die einzelnen Zellen nicht allzugroß ſind, weniger feſt an einander anſchließen, verhältnißmäßig nur dünne Mem⸗ branen beſitzen, verdankt der Erdapfel ſeine eigenthümliche Coönſiſtenz. Zugleich liegt aber auch in jener Bauart ſein weſentlicher Unterſchied von Stengel und Blatt. In ihrer gewöhnlichen Ausbildung ſind dieſe Organe aus mehr ge⸗ ſtreckten, derben, oft röhrenförmigen, ganz beſonders aber aus verſchiedenartigen Zellen und Zellenmaſſen in ganz be⸗ ſtimmter Anordnung zuſammengeſetzt. Beim Zuſammen⸗ tritt zur Kartoffelknolle geben ſie jedoch dieſe Entwickelungs⸗ richtung auf und die geſammten Zellen verwenden ihr ganzes Leben nur dazu, in der urſprünglichen, kugeligen Form ſich zu vergrößern und ihren Inhalt zu Stärkemehl umzuwan⸗ deln. Es beſteht dieſes, gleich den übrigen Mehlarten, aus mikroskopiſch kleinen Körnern. In der Kartoffel ſind ſelbige beſonders groß und füllen das Innere der einzelnen Paren⸗ chymzellen faſt vollſtändig aus. Sollen daher dieſe Körner
frei werden, ſo iſt nothwendig, jene Zellenhäute zu zerreißen,
weshalb man die Knollen auf irgend eine Weiſe möglichſt vollſtändig zerquetſchen muß, um die größtmöglichſte Aus⸗ beute an Mehl zu erhalten.— Beim Kochen quellen die Stärkemehlkörner auf und zerſprengen nicht nur die einzel⸗ nen Zellenhüllen, ſondern auch die äußere Schale des Erd⸗ apfels. Gewöhnlich wird dieſe Erſcheinung als ein Zeichen der Güte und Reife der Kartoffelknollen betrachtet, jedenfalls kann ſie nur dann eintreten, wenn die Zellen reichlich mit Stärkemehlkörnern gefüllt ſind, was nicht der Fall iſt, wenn deren Entwickelung noch nicht geſchloſſen oder durch Krank⸗ heit unterbrochen wurde.— Die ausgebildeten Körner des Kartoffelmehles(Fig. IV.) zeigen verſchiedene Größe und ebenſo verſchiedene, doch meiſt mehr kugelige oder eiförmige Geſtalt. An einer gewiſſen Stelle ſcheint ein lichter Punkt durch, um welchen ſich eine Menge, nach einer gewiſſen Rich⸗ tung hin verdickte Schichten lagern, die mit ſtärkeren und zarteren lichten Linien abwechſeln.


