Jahrgang 
1857
Seite
338
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zum Genuß Einladendes, die zum Theil, wie eine Anzahl ſelbſt Verrichtung an. Bei vielen tropiſchen, an Bäumen

Anekdoten erzählen, ſchon an erſten Kartoffelzüchtern ihre Ungenießbarkeit ſattſam zu erkennen gegeben haben, nämlich in den kugeligen Früchten, die aus den Blüthen hervorgehen, im Kraute und in den unreifen Knollen. In dem reifen Erdapfel iſt Solanin gar nicht, oder nur in höchſt geringen Spuren vorhanden, die beim Kochen und Röſten vollends ganz verſchwinden. Wer ſich dabei noch nicht beruhigt und möglicherweiſe in Zweifel zieht, ob durch die erwähnte Be⸗ handlungsweiſe ein Gift vernichtet werden kann, der erfahre, daß die Indianer des ſüdlichen Amerikas aus dem ausge⸗ preßten Safte der Maniokwurzel ein höchſt gefürchtetes

deren Stengel ein unterirdiſcher iſt.

Pfeilgift bereiten, und daß ſie dieſelbe Wurzel, ihres Saftes

beraubt, ausgewaſchen und geröſtet als ausgezeichnetes, gänz⸗ lich unſchädliches Nahrungsmittel gebrauchen, das auch bei den dortigen Europäern allgemein verbreitet und beliebt iſt.

Ein weites Feld, voll des Wunderbaren und Schönen,

ſtände offen, wenn wir in die Naturgeſchichte der ganzen

Kartoffelpflanze eingehen, von der Entwickelungsgeſchichte,

der mikroskopiſchen Anatomie des Blattes, des Stengels, der herrlichen Blüthe und ihrer Theile erzählen wollten; unſere Zwecke führen aber daran vorüber und rufen uns zunächſt zu dem wichtigſten Theile der Pflanze, zu der Knolle.

Was iſt dieſe unterirdiſche, wunderliche Frucht? Der

große Theil des Publikums, der gewohnt iſt, alles unter der

Erde Befindliche einer Pflanze als Wurzel in Anſpruch zu nehmen, bezeichnet auch den Erdapfel als Wurzelbildung. Das Irrige dieſer Anſicht kann höchſt einfach und ſchlagend dargethan werden, wenn man ſich die Mühe nimmt, eine knollentragende Kartoffelpflanze vorſichtig auszugraben und etwas näher zu beſehen. Die wirklichen Wurzeln dringen in der Regel gerad abwärts in die Tiefe des Bodens, an AW ihnen hängen unter keiner , NN Bedingung Knollen, dage⸗ gen kommen unmittelbar a über der Abgangsſtelle der wirklichen Wurzeln dünnere, meiſtbindfadenſtarke Zweige hervor, die ſich mehr hori⸗ zontal in der Erde verbrei⸗ ten, und dieſe erſt ſind die Träger jener. Der Thürin⸗ 7, ger Landmann nennt dieſe, 72 dem äußeren Anſehen nach wurzelähnlichen Organe Schnallen, der Botaniker bezeichnet ſie als Ausläufer und weiſt durch ihre Entwickelung(ſie wachſen an ihrer freien Spitze ohne wachsthumsunfähige Decke, Wurzelhaube) nach, daß ſie ſich weſentlich von der Wurzel unterſcheiden, dage⸗ gen die größte Aehnlichkeit mit einem Stengel beſitzen.

Wer die gewöhnliche Erdbeerpflanze näher in Augenſchein genommen hat, wird gefunden haben, daß von ihrem Haupt⸗ ſtocke häufig ziemlich lange, ſchlanke Zweige, ebenfalls Aus⸗ läufer, abgehen, die, hart am Boden hinkriechend, in gewiſſen Zwiſchenräumen Knospen, ſowie junge Pflanzen mit Blättern und Blüthen entwickeln. Ganz ähnliche Gebilde wie dieſe ſind in ihrem Weſen jene knollentragenden Fäden des Kar⸗ toffelſtockes. Wenn auch dieſe in, jene über der Erde liegen, ſo iſt dieſes nur ein Wechſel der Verhältniſſe. die Natur ſo häufig, für uns freilich oft nur wie im phan⸗ taſtiſchen Spiele, in den verſchiedenen Organismen einem und demſelben Theile die mannigfachſte Lage, Stellung und

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a

Weiſt doch

ſchmarotzenden Orchisarten hängen Wurzeln frei in der Luft und beziehen aus dieſer Nahrung. An der Feige findet man die Blüthen der Pflanze in das Innere einer hohlen, birn⸗ förmigen, fleiſchigen Maſſe, der ſogenannten Frucht, zuſam⸗ mengedrängt, und Jeder wird eine Anzahl Pflanzen kennen, Wir ſind alſo recht wohl befugt, an der Stengelnatur der knollentragenden Schnalle unſerer Kartoffelpflanze feſt zu halten, und thun wir dieſes, ſo bedarf es nur weniger Schritte, um in das Geheimniß der Natur ihrer Erdfrucht einzudringen, und Einſicht in eine Reihe von Verhältniſſen zu gewinnen, die manches Räthſelhafte beleuchten, ja ſelbſt ein helles Streif⸗

licht auf die berüchtigte Knollenfäule werfen.

Jede Pflanze beſteht aus höchſtens zwei Organen, aus Achſe und Blatt. Nur dieſe unterſcheiden ſich in ihrer Ent⸗ ſtehung und Entwickelung weſentlich, alle übrigen pflanzlichen Bildungen, ſo verſchieden ſie in ihrem Aeußeren ſein mögen, ſind höchſtens Modifikationen eines oder des anderen jener Grundorgane, oder Verſchmelzungen derſelben. Die gefärb⸗ ten, oft ſo eigenthümlich geſtalteten Blumenkronen, ſo wie die blumenſtaubzeugenden Gefäße ſind veränderte Blätter. In vielen Früchten genießen wir einen ſaftig gewordenen Zweig, in anderen ein entartetes Blatt, in noch anderen eine Verbindung von Stengel und Blatt.

In der Kartoffelknolle können wir überzeugt ſein ein Stengel⸗ oder Blattgebilde oder eine Verſchmelzung derſelben zu finden.

Zunächſt fallen auf der unregelmäßigen Oberfläche des Erdapfels eine Anzahl Vertiefungen auf, aus welchen kleine, augenförmige Wärzchen hervorſehen, ja um die Aehnlichkeit mit einem Auge noch größer zu machen, zieht über jeder Höhle ein ſeichter Vorſprung, wie ein Augenlid, hin. Nur eine dieſer Höhlen weicht von den angegebenen Verhältniſſen ab. Gewöhnlich etwas größer als die übrigen, beſitzt ſie weder einen ſolchen Vorſprung, noch jenes Wärzchen in der Tiefe. Anſtatt des letzteren hängt häufig ein längerer oder kürzerer, fadenförmiger, abgeſtorbener Theil hervor, der Ueberreſt des Knollenträgers derSchnalle(Fig. I. b). Dieſer Stelle gegenüber, an der Knollenſpitze, ſind regelmäßig mehrereAugen zuſammengedrängt. Das Augenwärz⸗ chen zieht die Aufmerkſamkeit beſonders auf ſich. Einen zarten, vergrößerten Durchſchnitt durch daſſelbe ſtellt die untenſtehende Fig. II. unter A dar. Man erkennt nach ge⸗

höriger Präparation in ihm eine Anzahl zuſammengefalteter, ungefärbter Blätter(Fig. II. A. aa), die eben die erſten Stadien ihrer Entwickelung durchlaufen haben, d h. aus der Geſtalt einer kleinen kegelförmigen Warze in eine mehr glatte Form übergetreten ſind. Am nmeiſten entwickelt ſind die