ſchlagenden krähenden Hahne des Breiteren zu veranſchau⸗
entfernte Rauſchen eines Frauengewandes wie Geiſterwehen lichen, fehlt mir jegliche Neigung, da ich— vielleicht eine
erſcheint: o, dann iſt der Tempel unverſehens ein großes
Herz, und dein Herz in der Bruſt ein großer, großer Tempel geworden, in dem alle Götter und Menſchen des Univer⸗ ſums Raum finden. Wer aber gerade neben dir ſteht, den faſſeſt du— du kannſt nicht anders— am Arm und drückſt ihn an dich, dich an ihn in ſprachloſer Seligkeit.
Ob ſolch' eine unvermeidliche Aeußerung der innern Be⸗ wegtheit unkatholiſch, vielleicht gar unchriſtlich iſt, weiß ich nicht zu ſagen. So viel ſteht feſt, daß ſie der Kirchendiener, der ſogenannte Schwei⸗ zer, dafür hält, denn kaum gewahrt ſein
Argusauge zwei Menſchen, die tief er⸗ weicht zuſammenge⸗ hen, ſo poltert er mit rohem Tritte quer durch die Kirche, reißt ohne Weiteres die verſchlungenen Arme
auseinander und wirft, falls er gut ge⸗= launt iſt, ein geiſt⸗ ſ nun reiches„C'est bon pour se promener“ hin.„Bei'm Pflaſter⸗ treten geht das an, aber 1“— So lange die Geiſtlichkeit des Münſters dem Edlennichtbegreiflich zu machen weiß, daß Gott ſelber die Liebe und die Liebe Gott ſelber iſt, wird man zwar die Erlaubniß haben, das Gottes⸗ haus zu betreten, die— 1 Te frommen Empfin⸗ ⸗AErMane f dungen aber, die es erregt, ſcoon im Keime Mſſfſftalältee erſticken müſſen. 4
Wandeln wir, da uns der dumme Kerl doch einmal aufge⸗ ſtört, an der kuppel⸗
gedeckten Vierung vorüber, zwiſchen der aſtronomiſchen Uhr und den am Pfeiler ihr gegenüberſtehen⸗ den ſchwindſüchtigen aber ſchön und weich gearbeiteten Statuen der„Sabine“
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hindurch, zum Südportal hinaus in's Freie. Ihnen dieſe Uhr, das berühmte Werk des ſechszehnten Jahrhunderts,
das ſpäter in'’s Stocken gerieth und 1842 von dem genialen Schwilgue wieder in Gang gebracht wurde, mit dem großen Monde, den Symbolen der Planeten, den Engel⸗ chen, die durch Glockenſchlag und Umkehrung der Sanduhr
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Gerbergraben.
Idioſynkraſie!— das ganze Werk überall eher am Orte glaube, als im Straßburger Münſter. Maſchinen und Monſtranzen ſchließen ſich meines Erachtens aus. Wollen Sie aber einmal in der Mittagsſtunde hingehn, ſo werden Sie Gelegenheit haben, Bewunderer aus allen Klaſſen und Natio⸗ nen beiſammen zu ſehen und namentlich über die Eigenthüm⸗ lichkeit der Schwarzwälder Bauern ſehr intereſſante, über die Geſtalten der zahl— reich zuſtrömenden Auswanderer ſehr herzbrechende Beob⸗ achtungen zu machen. Dieſe guten, ſoliden, werkkräftigen Men⸗ ſchen, trotz der innigen Heimathsliebe, die ſich auf ihren Geſich⸗ tern ſpiegelt, losge⸗ riſſen vom vaterlan⸗ diſchen Boden, von Sitte und Sittlich⸗ keit, hinausgeſetzt in kalte, wilde Fremde: es iſt eine Schmach, ein Jammer!
Doch ſtill!—— Schnell jetzt, eh' die Sonne zur Rüſte geht, vom Platze aus durch das enge Pfört⸗ chen auf der ſüdweſt⸗ lichen Ecke des Thur⸗ mes, die Wendel⸗ treppe hinan, der Plattform zu. An⸗ fangs etwas dunkel, wird die Stiege durch Spalten und Fenſter⸗ öffnungen von ver⸗ ſchiedener Größe im⸗ mer lichter und ge⸗ ſtattet manchenbeleh⸗ renden Ausblick auf die Einzelheiten des
Baues, manchen ſchwindelerregenden in die Tiefe und ihre ſchuppenloſen Fiſch⸗ lein. Warum dem Herrn„Défense de souiller les murs,“ der ſeinen adlig lan⸗ gen Namen jeden Au⸗ genblick auf die Treppenwand geſchrieben, die Polizei das Handwerk nicht gelegt, vermag ich nicht anzugeben; das aber kann ich berichten, daß die große, über 18000 Pfund ſchwere Glocke, an der wir vorüberkommen, le gros bourdon heißt und daß, wenn dieſe Hummel anfängt zu ſchwärmen, etwas
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Anderes herauskommt, als wenn Herr Oskar von Redwitz ſchwärmt. die Stunden verkünden, mit den zwölf Apoſteln, dem un⸗ erquicklichen Senſenmann und einem allmittäglich flügel⸗
„Den Thurm durchfährt ein Zittern Vom Grundſtein bis zum Knauf;“


