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Inhalt: Leidenſchaft und Sitte. Erzählung von Paul Stein.(Fortſetzung.)— Bilder aus den deutſchen Gauen. IV.: Das Elſaß. Von Albert Grün.(Fortſetzung.)— Aus dem Leben Dr. Guggenbühl’s. Von A. W. Grube.— Die Kartoffelknolle und ihre Erkrankung. Von Dr. J.
Speerſchneider.— Was beliebt: Die Memoiren des Herzogs von St.⸗Simon.— Great⸗Eaſtern, das größte Paſſagierſchiff mit Dampf.— Das Kirchenland der Weſtminſter⸗Ablei.— Agitation gegen die Schlagbäume in England.— Der Bohrwurm.— Allgemeine Schwurgerichtszei⸗ tung für Deutſchland.— Douglas Jerrold.— Vergiftungsproceß.
Durch alle Buchhandlungen und Poſtämter für 12 ½ Ngr. vierteljährlich zu beziehen.
Leidenſchaft und Sitte. Eine Erzählung von der ſchwäbiſchen Alb.
. Von Paul Stein. (Fortſetzung.) Der Bruder ſah ſie erſtaunt und voll Verwunde⸗ rung an. „Ich wollte, ich könnte ſo ruhig ſein, wie Du!“
„Und Du haſt verſprochen, ihm die große Summe zu V mich nicht, das iſt mir einerlei, der Höhlenhof iſt doch noch ſagte er.„Und mich ſo finden in das, was der Brauch
bezahlen?“ frug Engel ängſtlich. „Ja!“ ſagte ihr Bruder.„Doch es kränkt das Geld V reich genug. Aber da drinnen im Herzen wurmt's mich, V daß Ignaz das Mädle haben ſoll. Ach, Engel, Du weißt nicht, wie das thut, ſo einen lieben Schatz nicht mehr zu haben.“ Er faßte heftig der Schweſter Hände und ſagte wild:„Drum leb ich auch wieder ſo toll, ſaufe und ſpiele, um es zu vergeſſen— aber es will's nicht thun. Sieh, lächelte die Schweſter.„Geh heute Nachmittag gen Nel⸗ Engel, das weißt Du nicht— und kannſt Du nicht be⸗ lingen auf die Beſehende und mach' die Sache richtig. greifen.“ Annemei iſt ein gſchmack(anmuthig) Mädle, und ihr „Meinſt Du?“ ſagte das Mädchen ergriffen. Heirathsgut paßt grade auf den Höhlenhof. Kannſt nichts „Glaubſt Du, mein Herz wär nur eine Geldlade? Ich beſſeres thun, als bald Hochzeit machen.“ hab's auch durchgemacht; und der Michel wäre mir auch Während Conrad förmlich das Bauerngut ſeines ver⸗ lieber geweſen, als der fürnehmſte Bauerſohn. Aber ſtorbenen Vaters übernahm und Verlobung mit der An⸗ was halt nicht ſein kann, darein muß man ſich finden;— nemei hielt, kam der rothe Ignaz täglich zu der Crescenz und wenn Du Höhlenbauer biſt, werde ich Adlerwirthin
iſt. Du wirſt ein recht's Weib werden, Deinem Manne zur Freud und ein Segen für Haus und Hof!— Aber bei mir wird's anders kommen, und guck, Engel, ich kann nichts dafür.“
„Es wird ſchon noch alles gut werden, Conrad,“
Ahne. Er zweifelte nicht, daß der junge, reiche Höhlenbauer und ich denke eben, der Michel ſei geſtorben. O, es war V ihm die Verſchreibung der verlangten tauſend Gulden aus⸗ ein braver Burſche, und das Herz hat's ihm bald abge⸗ ſtellen würde. Ehe er dieſe in Händen hatte, wollte er ſich drückt, als er B'hüt Gott(Abſchied) bei mir nahm. Mag's nicht förmlich mit Crescenz verloben und achtete deshalb ihm gut, recht gut gehen“ V auch wenig darauf, daß ſie ihm immer aus dem Wege
Sie ſenkte den Kopf und Thränen rollten über ihre V ging. Die große Liebe, welche ihr Herz für Conrad erfüllte,
Wangen. hielt noch immer die leiſe Hoffnung feſt, er werde wieder⸗
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