Jahrgang 
1857
Seite
316
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Portugieſen die Stadt Macao. Nun kam alsbald auch die katholiſche Kirche wieder. Als gegen das Ende des 16. Jahrhunderts Pater Ricci als Miſſionär in China eintraf, war jede Spur von Chriſtenthum, jede Erinnerung an die früheren chriſtlichen Gemeinden in China verſchwunden. Ricci mußte ganz von vorn anfangen, aber nach 20 Jahren ſah er, daß er mit aller Arbeit im Grunde nichts erreicht hatte. Das Chriſtenthum hat in China keinen Boden. Regierung wie Volk ſind in religiöſer Beziehung völlig in⸗ different und ſkeptiſch; wenn die katholiſchen Miſſionen in China verfolgt wurden, ſo geſchah es, weil man die Verbin⸗ dungen, die ſie anknüpften, in politiſcher Hinſicht gefährlich fand. Erſt als Ricci in ein freundliches Verhältniß zum Hofe trat, machte ſeine Miſſion einige Fortſchritte. Wahr⸗ ſcheinlich machte er ſich durch Verbeſſerungen des Kalenders nützlich, da die Chineſen das Mondjahr haben und ſomit ihr

Kalender von Zeit zu Zeit der Berichtigung bedarf. 1687

kamen franzöſiſche Jeſuiten nach China und auch ſie genoſſen lange Zeit die Gunſt des Hofs und durften unter dem Schutze deſſelben für ihre Kirche Pro⸗ paganda machen. Da ſie ſich aber bald in Widerſpruch mit gewiſſen Grundlagen des chi⸗ neſiſchen Staats ſetzten, ſo trat eine heftige Reaction ein und heute iſt China zwar vom Papſt in Kirchendiſtrikte ver⸗ theilt, allein die Miſſionäre müſſen ſich heimlich in das Land ſchleichen, heimlich darin verweilen und können ſich nur an den am wenigſten gebilde⸗ ten Theil des Volkes wenden. Zuweilen wird ein Miſſionär, den man entdeckt hat, hinge⸗ richtet; meiſtens begleitet man ſie anſtändig und höflich nach Canton und übergibt ſie dann ihren Conſuln. Man betrach⸗ tet in China die Miſſionäre als Kreaturen der europäi⸗ ſchen Regierungen und will verhindern, daß durch ſie Eu⸗ ropa in China feſten Fuß faſſe. Dabei haben die Chineſen von ihrem Standpunkte aus gar nicht Unrecht.

Der Handel zwiſchen Rußland und China über Kiachta wurde 1728 durch einen Vertrag geregelt. Dieſer Handel iſt im Lauf der Zeit ſehr bedeutend geworden. Rußland hat China einige wirkliche Bedürfniſſe zu liefern: Pelzwerk, wollene Tücher u. ſ. w., und führt dafür Thee aus.

Chineſiſche Waffen.

Englands Handelsbeziehungen mit China beginnen mit

dem Jahr 1637, wo es in Canton einige Handelsfaktoreien errichtete. Die chineſiſche Regierung that indeß Alles, um den Handel zu erſchweren und zwei Geſandtſchaften nach Peking, die der Lords Macartney und Amherſt 1792 und 1816, waren außer Stand, Erleichterungen auszuwirken. Gleichwohl nahm der Handel fortwährend zu, insbeſondere der Opiumhandel. Die Verſuche der chineſiſchen Behörden, dem letzteren zu ſteuern, waren es vorzugsweiſe, was zu dem engliſch⸗chineſiſchen Kriege führte(184042), deſſen Ergeb⸗ niß die Eröffnung von 5 Häfen Canton, Amoy, Fut⸗ ſcheu, Ningpo und Shanghai für die Europäer war. Der Handel, welcher bisher mit China getrieben wurde, iſt für England und Amerika ſehr bedeutend; im Verhältniß zu dem ganzen Binnenhandel des chineſiſchen Reichs iſt er höchſt geringfügig und es ſind verhältnißmäßig wenige In⸗ tereſſen, welche durch das Aufhören deſſelben in China ver⸗ letzt würden. Er erſtreckt ſich auf keine Artikel, welche in China nicht entbehrt oder auf anderem Wege beſchafft wer⸗ den könnten. Gerade dieſe volkswirthſchaftliche Unab⸗ hängigkeit des mit allen noth⸗ wendigen Lebensbedürfniſſen reich verſehenen Landeszwingt die Engländer, nunmehr mit Gewalt dieſes verſchloſſene Land zu öffnen und die Fran⸗ zoſen geſellen ſich ihnen zu. Die Letzteren wiſſen ſehr gut, daß ihre materiellen Inte⸗ reſſen im chineſiſchen Reiche ſehr wenig bedeuten. Aber ſie zweifeln keinen Augenblick, daß das moraliſche Uebergewicht auf ihrer Seite iſt. Sie

nung, daß die Hingebung ihrer Miſſionäre den franzöſiſchen Namen in große Achtung bei den Chineſen geſetzt habe. Bei dem materialiſtiſchen, aller Schwärmerei durchaus feind⸗ lichen Sinn der Letzteren iſt dieß nicht eben ſehr wahr⸗ ſcheinlich, und am wenigſten wird man wohl den Beweis für jene Achtung gelten laſſen können, den eine der neueſten Num⸗ mern der PariſerIlluſtration anführt,daß in den chine⸗ ſiſchen Schachſpielen der weiße König und die weiße Königin gewöhnlich das franzöſiſche Coſtüm tragen und daß ſogar Napoleon mit dem kleinen Hute ſich mitunter als König dar⸗ geſtellt finde.(Ein zweiter Artikelfolgt.)

Die Stubenfliege.

Von Reinherz Kromm.

Wie lieblich ſind die Tage des Frühlings! Wie belebend die Tage des Sommers!Ja, wenn nur keine Quäl⸗

gedenkt. Und daß man dabei der Stubenfliege nicht ver⸗ gißt, verſteht ſich von ſelbſt. Denn gibt es im Sommer

: 2 5 1 8 275 geiſter da wären, die uns ſo manche Freude verderben! einen unſauberern Hausbewohner, einen läſtigeren Gaſt,

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So ſpricht gar mancher, wenn er der heißen Sommertage

einen unverſchämteren Geſellſchafter, als dieſes kleine Thier⸗

ſchmeicheln ſich mit der Hoff⸗

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