Die Täuſchung über die Stärke unſerer Vorfahren rührt auch davon her, daß einzelne uns aufbewahrte Beiſpiele großer Kraft zu ſehr hervorgehoben und in der Vorſtellung dem Charakter des ganzen Geſchlechts aufgeprägt werden. Die Herkules⸗ und Simſonsthaten ſind ohnedies ins Fabel⸗ hafte gezogen und mit manchen ſpätern Helden iſt's eben ſo ergangen; wenn es allerdings auch manchen gewaltigen Recken gegeben hat mit Arm und Schwert gleich Scander⸗ beg. Aber wir haben auch aus neuerer Zeit Beiſpiele rieſenhafter Stärke, und brauchen in dieſer Beziehung nicht blos an Peter I. und Auguſt den Starken zu erinnern, wir können ſie an Londoner, Breslauer u. a. Laſtträgern und Vierſchrötern vor Augen ſehen. Bei alledem muß zugege⸗ ben werden, daß allerdings eine einſeitig geiſtige Kultur oder die Verweichlichung in mannigfachen Genüſſen der körper⸗ lichen Kraft unſeres kommenden Geſchlechts ſehr gefährlich werden kann.
Auch die Lebenszeit hat nicht abgenommen. Man lebt jetzt geſünder.
Dabei dürfen wir allerdings zunächſt nicht weiter als dreitauſend Jahre zurückgehen, indem die Erklärungen über das hohe Alter der Patriarchen nicht beſtimmt genug ſind, um darüber etwas ganz Sicheres zu behaupten. Man meinte, die Erde habe ſich damals vielleicht viel ſchneller als jetzt bewegt, ſo daß die vielen Jahre der Erzväter
oder die langen Irrfahrten und Beſuche der homeriſchen Helden auf ein jetziges Maß zurückkämen. Aber die aſtro⸗ nomiſchen Unterſuchungen zeigen, daß die Bewegungszeiten unſeres Sonnen- und Erdſyſtems ſich ſeit Jahrtauſenden auch nicht um eine Minute geändert haben. Andere mein⸗ ten, es ſei nach Viertel- oder Monatsjahren gerechnet worden. Dann würden aber die ſpäteren Patriarchen in ihrer Kindheit geſtorben ſein, davon abgeſehen, wie wenig ſich dieſe Meinung mit den übrigen Angaben zuſammenrei⸗ men will. Soviel jedoch ſcheint feſtzuſtehen, daß es ſich mit dieſen Zahlen ebenſo verhält, wie mit andern ungeheuern Zahlen mancher geſchichtlichen Ueberlieferungen.
Was die letzten drei Jahrtauſende betrifft, ſo iſt es nicht ſchwer, Jedem zu zeigen, daß das gewöhnliche Lebensalter des Menſchen ſeitdem immer daſſelbe geblieben iſt. Hier können wir wieder die Bibel als den wichtigſten Zeugen an⸗ führen. In dem 90. Pſalm, welcher überſchrieben iſt: Ein Gebet Moſe, des Mannes Gottes, wird ausdrücklich geſagt: Des Menſchen Alter beträgt ſiebzig Jahre, und, wenn's hoch kommt, achtzig Jahre. Andere uralte Schriftſteller ſchlagen das Menſchenalter eben ſo hoch an. Man muß die voll⸗ kommene Einrichtung der Natur bewundern, daß ſie nicht wie Menſchenwerk, in Verfall geräth, ſondern ſich ein Jahr⸗ tauſend nach dem andern erhält.
(Schluß folgt.)
Was heliebt.
Der Tahack. Im Jahre 1496 gab Pater Roman Pane, der Begleiter des Columbus, den Europäern die erſte Nachricht von einer Pflanze, da Petum genannt, von welcher er die Einwoh⸗ ner von St. Domingo zuſammengerollte Blätter in den Mund nehmen und in Brand ſtecken ſah, um die läſtigen Musquitos zu vertreiben. Er bemerkte auch Gruppen von Wilden, die mittelſt Röhren aus einem dampfenden Gefäße Rauch in die Naſe zogen, und ſpäter fand es ſich, daß die Einwohner von Panama ſich den Qualm von Knaben in's Geſicht blaſen ließen, oder ihn ſelbſt in den Mund einſogen. Das auf ſolche Weiſe gebrauchte Gewächs wurde diesſeits des Oceans unter dem Namen Tabacks⸗ pflanze nach und nach bekannt. Ob nun der Name Taback von Tabaco, das iſt Rauch, oder von der Inſel Tabago(Tabasco), oder endlich von den Pfeifen(Tabaccos), in welchen ſchon die Wilden ſogenannte Petumsblätter rauchten, herrührt, iſt ſchwer zu beſtimmen. So viel iſt gewiß, daß die anderweite Benennung des Krautes, Nicotiana, von einem franzöſiſchen Geſandten, Jean Nicot, herrührt, welcher um das Jahr 1560 ſowohl Samen, als auch junge Pflänzchen von Taback aus Amerika nach Frank⸗ reich brachte und ſich die größte Mühe gab, der Pflanze in Europa eine Heimath zu verſchaffen. Er empfahl ſie der Königin Katha⸗ rina von Medicis freilich nur als Heilmittel und hatte wohl nicht die Abſicht, den Gebrauch der Pflanze zur Verbrennung und zur Einſchluckung ihres Dampfes durch Röhren einzuführen. Seine Bemühungen blieben nicht ohne Erfolg.— Im Jahre 1585 lernten auch die Engländer in Virginien den Gebrauch des Tabacks näher kennen, worauf bald das Rauchen allge⸗ meiner wurde. In Deutſchland hat man erſt ſeit dem dreißig⸗ jährigen Kriege das Tabackrauchen gelernt. Mit dem Anbaue des Tabacks beſchäftigte man ſich ſchon früher, jedoch nur zu
mediciniſchen Zwecken. Der Stadtphyſikus Occo in Augsburg zog ihn 1565 in ſeinem Garten und zu gleicher Zeit wurde er in Bern von einem Geiſtlichen angebaut.— Anfangs fand man die Sitte des Tabackrauchens höchſt unſchicklich und gefährlich. Die Rauchluſtigen kamen daher in beſonderen Häuſern, Tabagien genannt, zuſammen, wo natürlich auch tüchtig gezecht wurde, und dies hatte zur Folge, daß das Rauchen bald als eine Unſitte gemeiner Leute, als Lüderlichkeit betrachtet ward. Die Unſitte griff aber doch weiter um ſich. Einzelne Regierungen ſuchten ihr Einhalt zu thun. Jakob I. von England befahl 1604 die Aus⸗ rottung des Tabacks, ſetzte auf den Gebrauch deſſelben eine hohe Geldſtrafe und ſchrieb ſelbſt ein ſatiriſches Buch„Miſocapnos“ dagegen. Die Jeſuiten in Polen widerlegten ihm aber ſeine
Anſichten in ihrer Gegenſchrift„Anti⸗Miſocapnos“ und der
Gebrauch des Tabacks wurde nur noch allgemeiner. Aerzte rede⸗ ten und ſchrieben dagegen und Staatsmänner wieſen auf verſchie⸗ dene Nachtheile hin, welche für den Landbau durch Tabackspflan⸗
Zungen zu erwarten ſeien. In Conſtantinopel wurde 1605 einem
Türken, weil er geraucht hatte, das dünne Rohr ſeiner Pfeife durch die Naſe geſteckt und man führte ihn zur Warnung für Andre durch die Straßen der Hauptſtadt; in Deutſchland erſchienen die ſtrengſten Verbote, und doch wurde geraucht, und doch beſang man den Taback in Lobgedichten, wie dies Thorius in ſeinem „Hymunus tabaci’ that. Papſt Urban VIII. ſuchte das Uebel durch einen Bannfluch auszurotten; Rußland unterſagte 1634 das um ſich greifende Tabackſchnupfen bei Verluſt der Naſe; in Deutſchland eiferten die Prediger auf den Kanzeln gegen den Taback und in Siebenbürgen beſtrafte man das Pflanzen des Tabacks mit Einziehung der Felder und ahndete den Gebrauch des Gewächſes mit einer Geldbuße von 200 bis 300 Gulden;—
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